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| 18:50 Uhr

Hoyerswerda
Üben bis der Bus kommt

Dirk Droth (l.) und Klaus-Peter Meyer von der VGH erklären Christa Bohó (r.) und Ursula Münch aus Hoyerswerda, wie sie sicher mit dem Rollator in den Bus hinein- und wieder hinauskommen.
Dirk Droth (l.) und Klaus-Peter Meyer von der VGH erklären Christa Bohó (r.) und Ursula Münch aus Hoyerswerda, wie sie sicher mit dem Rollator in den Bus hinein- und wieder hinauskommen. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Auf dem Lausitzer Platz in Hoyerswerda wird die Busfahrt mitsamt Rollator geprobt. Einige Tipps sorgen bei den Senioren für überraschte Gesichter. Von Anja Hummel

Für Ursula Münch ist der Bus „das A und O“. Damit fährt sie von der Neustadt in die Altstadt, von ihrer Wohnung in den Park, vom Kaffeekränzchen zum Einkaufsmarkt. Obwohl sie einen Rollator hat, bleibt der Hilfswagen bei einer anstehenden Busfahrt stets zu Hause. Stattdessen greift sie zum Gehstock. „Das wird sich jetzt ändern“, sagt die 81-Jährige selbstbewusst. Sie steht auf dem Lausitzer Platz und hat gerade eine „Trainingseinheit“ hinter sich. Beide Hände sind auf ihren schwarzen Rollator gestützt. „Die Übung hat sehr viel genützt“, freut sie sich über ihre „Premieren-Busfahrt“ mit dem Gehwagen.

Als eine von gut 20 Senioren hat sie am Rollator-Training der Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda (VGH) teilgenommen. Auch dabei: Der Seniorenbeirat der Stadt und das Sanitätshaus Spree-Passage aus Spremberg. Bereits seit drei Jahren bieten die VGH diese öffentliche Veranstaltung unter dem Motto „Sicher mobil durch Hoyerswerda“ an. „Die Nachfrage von Senioren mit Rollatoren ist auf jeden Fall da“, sagt Klaus-Peter Meyer, VGH-Leiter im Bereich Verkehr. „Viele ältere Menschen haben Respekt vor dem Ein- und Ausstieg in den Bus.“ Deshalb, so Klaus-Peter Meyer, möchte die VGH die Möglichkeit bieten, abseits vom Linienbetrieb zu üben.

Einer der „Übungsleiter“ ist Dirk Droth. Gerade zeigt er Christa Bohó, wie sie mit ihrem Gehwagen am besten in den Bus steigt. „Fahren Sie mit dem Rollator so weit wie möglich vor an die Tür, Handbremse ziehen, Vorderräder hoch, Handbremse lösen“, erklärt er. Und schon rollen die Hinterräder los. Der vordere Teil ist nun im Bus. An den Griffen hebt Christa Bohó ihren Rollator leicht an. „Zack, jetzt bin ich drin“, sagt die 74-Jährige, die ohne ihre Gehhilfe „nicht mehr am Leben teilnehmen könnte“. Ursula Münch ist besonders überrascht über den Tipp zum sicheren Ausstieg. „Rückwärts?“, war sie zunächst verwundert. „Ja. Den Rollator kann der Busfahrer im schlimmsten Fall im Spiegel übersehen“, erklärt Dirk Droth. „Und wenn schweres Gepäck im Rollator ist, kann er nach vorne kippen.“

Für Senioren mit Rollator gibt es außerdem einen speziellen Haltewunsch-Knopf. „Der befindet sich am Rollstuhlfahrerplatz“, erklärt Klaus-Peter Meyer. Der signalisiert dem Busfahrer, dass es beim Aussteigen etwas länger dauern kann. Und Dirk Droth hat noch einen anderen Tipp: „Nehmen Sie sich alle Zeit, die sie brauchen. Bloß nicht drängeln lassen.“ Während die VGH-Mitarbeiter alle Handgriffe erklären, überprüft Matthias Glaser vom Sanitätshaus Spree-Passage die Rollatoren auf ihre „Fahrtüchtigkeit“. „80 Prozent der Wagen sind falsch eingestellt“, schätzt der Fachmann, während er die Griffe eines Rollators niedriger stellt. Die 87-jährige Besitzerin Anneliese Heinze bemerkt sofort eine Besserung.

Mit der regen Teilnahme an der „Trainingsaktion“ ist Klaus-Peter Meyer zufrieden. „Das ist nun einmal ein Stück tägliches Leben in Hoyerswerda. Und darauf reagieren wir.“ Schließlich nutze das Angebot nicht nur den Senioren. „Auch den Busfahrern erleichtert das die Arbeit“, sagt Meyer.

Heinz Czyszhe übt das Rollatorfahren über holprigem Untergrund.
Heinz Czyszhe übt das Rollatorfahren über holprigem Untergrund. FOTO: LR / Anja Hummel
Statt der allgemein bekannten roten Stopp-Taste sollten Rollatorfahrer bei Ausstiegswunsch auf diesen Knopf drücken. Er ist am Rollstuhlfahrerplatz zu finden und signalissiert dem Busfahrer, dass der Fahrgast mehr Zeit benötigt.
Statt der allgemein bekannten roten Stopp-Taste sollten Rollatorfahrer bei Ausstiegswunsch auf diesen Knopf drücken. Er ist am Rollstuhlfahrerplatz zu finden und signalissiert dem Busfahrer, dass der Fahrgast mehr Zeit benötigt. FOTO: LR / Anja Hummel