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Trikke-Verleih in Weißkollm startet in die nächste Saison

Andreas Mühle klagt über viele Hindernisse.
Andreas Mühle klagt über viele Hindernisse. FOTO: Decker/mdr1
Am Freitag, den 1. Mai, startet der Trikke-Verleih am Weißkollmer Strand des Dreiweiberner Sees in den Sommer 2015. Die RUNDSCHAU sprach mit dem Betreiber Andreas Mühle über Zufriedenheit und Grenzen eines Tourismusunternehmers im Lausitzer Seenland.

Herr Mühle, Sie gehen in die zweite Saison am Dreiweiberner See, nach vier Jahren Entwicklungsarbeit. Mit welchem Gefühl betreiben Sie Tourismus im Seenland?
Mit einem Guten. Wir haben die letzte Saison vollkommen unfallfrei überstanden und hoffen, dies in diesem Jahr wiederholen zu können. Aber Spaß beiseite. Ohne die Unterstützung der Bundestagsabgeordneten Maria Michalk (CDU) und des hiesigen Bürgermeisters Udo Witschas (CDU) hätte es am 6. Juni 2014 wohl noch immer keine Radwegezulassung für meine Fahrzeuge gegeben. Ich kann die Leute verstehen, die vom Lausitzer Seenland abgesprungen sind. Man weiß einfach nicht, wo genau man hier unternehmerisch angreifen kann. Es werden einem unzählige Steine in den Weg gelegt.

Zum Beispiel?
Ich muss beispielsweise meine zwölf straßenzugelassenen Fahrzeuge jedes Jahr neu zulassen, weil das Landratsamt die laut europäischer Gesetzgebung vorgeschriebene 17-stelligen Seriennummern nicht ins Computerprogramm eingeben kann. Und ich beginne trotz bestem Wetter am vergangenen Wochenende erst am 1. Mai, weil ich den Verleih sonst länger als ein halbes Jahr in Betrieb hätte, was mich laut Gebührenordnung des Kreistages pro Fahrzeug viel mehr kosten würde. Solche Vorgaben müssen grundsätzlich überarbeitet werden.

Gibt es weitere Grenzen?
Viele. Ich führe das Unternehmen jetzt im vierten Jahr fast ohne Einnahmen. Ich habe eine viertel Million Euro vor allem in die Entwicklung der Fahrzeuge und unendliche Zulassungskämpfe bis hin zum Europaparlament privat investiert. Von der Politik gab es Schulterklopfen und Pressetermine mit wunderbaren Fotos. Die echte Unterstützung blieb aus. Nur die Gemeinde Lohsa hat sich richtig ins Zeug gelegt. Für mich ist unerklärlich, wie weit die Nachbarn in Brandenburg von der Elektromobilität entfernt sind. Während hier das Ordnungsamt Lohsa seit vergangenem Jahr und noch bis in den diesjährigen Herbst in einem Pilotprojekt die regionalen Fahrradwege per Trikke kontrolliert, ist an den Grenzen zu Brandenburg, beispielsweise am Geierswalder See, für unsere Fahrzeuge im Moment noch Schluss. Außerdem dürfen Jugendliche in Brandenburg erst mit 16 den Moped-Führerschein machen. Jüngere eTrikke-Fahrer müssten also im Falle einer Zulassung weiterhin an der Grenze der Bundesländer umkehren. Solche Hindernisse müssten im Sinne der gemeinsamen Entwicklung der Region politisch geregelt werden.

Sie sind gerade aus dem heimatlichen Cossebaude im grünen Elbtal nach Lohsa gezogen. Was zieht und hält Sie in der Region?
Nun, zuerst einmal hat meine Frau Arbeit in Hoyerswerda und wir haben so ihren Arbeitsweg erheblich verkürzt. Außerdem habe ich den ganzen Sommer 2014 in unserem Wohnmobil hier am See verbracht und kann nur sagen: Es ist eine wunderschöne Gegend. Trotz aller Probleme sind die Leute freundlich und uns ans Herz gewachsen. Und wenn die Politik ihre Gesetze mal richtig überarbeitet und nicht immer nur ergänzt, dann kann man als Unternehmer im Seenland vielleicht endlich mal richtig angreifen.

Mit Andreas Mühle

sprach Mandy Decker/mdr1

Saisonstart: 1. Mai, 12 Uhr

Öffnungszeiten 2015: Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon: 0151 20403604