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Trickbetrüger im Raum Hoyerswerda und Weißwasser unterwegs

Achtung, das Geld ist schnell aus der Tasche gezogen!
Achtung, das Geld ist schnell aus der Tasche gezogen! FOTO: Fotolia
Hoyerswerda/Weißwasser. Trickbetrüger treiben dieser Tage ihr Unwesen in der Region. Manchmal entscheidet schon der Vorname darüber, wen sie sich vorknöpfen. Steven Wiesner / pol/swr

Es ist ein Freitagnachmittag, als bei Ingrid Feldbinder (Name geändert) das Telefon klingelt. Die 83-jährige Rentnerin aus Weißwasser nimmt ab und hört einer unbekannten Stimme zu, die sie bittet, 19 000 Euro vom Bankkonto abzuheben. Das Geld werde für ihre Enkeltochter benötigt, erklärt der Anrufer und vereinbart einen Termin zur Geldübergabe. Ein paar Minuten später klingelt das Telefon erneut. Ein Rechtsanwalt ist am anderen Ende der Leitung und unterstreicht die Dringlichkeit der Transaktion. Ingrid Feldbinder ist beunruhigt und geht zu ihrer Bankfiliale, um den Betrag abzuheben. Was sie da noch nicht ahnt: Sie hat nicht mit einem Anwalt gesprochen - sondern mit einem Trickbetrüger.

Dieser Fall, der sich kürzlich ereignete, ist für Polizeisprecher Thomas Knaup ein Musterbeispiel für die Vorgehensweise von Trickbetrügern. "Aus den bisherigen Ermittlungen ist davon auszugehen, dass die Täter aus dem Ausland operieren", sagt Knaup. Über Telefonbücher könnten Computerprogramme typische Vornamen von älteren Anschlussinhabern herausfiltern. "Beispielsweise Namen wie Hilde, Annemarie, Kunigunde oder Erika. Diese etwas älter klingenden Namen oder ein etwa vermerktes Geburtsdatum können für die Täter ein Hinweis darauf sein, dass hinter diesen Einträgen möglicherweise eine lebensältere, womöglich alleinstehende, leicht zu überrumpelnde Person stehen könnte."

Haben die Betrüger erstmal eine arglose Person an der Angel, versuchen sie, diese zu verunsichern, indem sie sich als hilfsbedürftige Enkel ausgeben, ihnen Lottogewinne versprechen oder laut Knaup "mit einem Schockreflex" als Polizist oder Staatsanwalt Angst machen.

Im Jahr 2015 sind der Polizei in den Landkreisen Bautzen und Görlitz rund 140 Fälle bekannt geworden. Im Jahr 2016 wurden der Polizei rund 170 derartige Fälle bekannt. Knaup: "Als Trend für das Jahr 2017 deutet einiges darauf hin, dass die Fallzahlen des Jahres 2016 übertroffen werden." Das müsse aber nicht bedeuten, dass sich tatsächlich mehr Betrugsfälle ereignen, sondern erstmal nur, dass mehr Fälle gemeldet werden.

Die Polizei rät unbedingt dazu, innerhalb der Familie offen damit umzugehen, wenn ältere Angehörige nicht mehr vollumfänglich in der Lage sind, allein über ihren Lebensinhalt zu bestimmen. "Vereinbaren Sie Regeln zur Handhabung von Geldgeschäften. Auch wenn ein derartiger Schritt zu Diskussionen führen kann", so Knaup.

Mittlerweile wissen auch Bankinstitute um die Thematik und schulen ihre Mitarbeiter. Andreas Rieger von der Ostsächsischen Sparkasse beispielsweise berichtet: "Wenn jemand 80 Euro pro Woche abhebt und dann 8000 Euro, ist das schon auffällig." So mancher Betrug sei schon von aufmerksamen Mitarbeitern verhindert worden. Zwar bewahrt Ingrid Feldbinder niemand vor der Täuschung, mit 19 000 Euro im Gepäck macht sie sich auf zum Treffpunkt. Doch sie verschwindet rechtzeitig, weil sie ihre Enkelin nicht findet, und meldet den Vorfall der Polizei.

Weniger Glück hat eine 67-Jährige aus Weißenberg bei Bautzen. Eine vermeintliche Anwältin schwindelt ihr etwas von einer Schuldensumme vor, die sie durch eine Gewinnspielteilnahme angehäuft hätte. Mit der sofortigen Zahlung von 1000 Euro könne sie einer Anklage entkommen. Die Rentnerin zahlt das Geld an eine Postadresse in der Türkei. Als der Schwindel auffliegt, ist es zu spät.

Zum Thema:
Erfragen Sie beim Anrufer Dinge, die nur der Verwandte wissen kann (gemeinsame Erlebnisse). Bitten Sie den "Verwandten", persönlich bei Ihnen zu erscheinen. Lassen Sie sich nicht ausfragen und begeben Sie sich nicht auf eine persönliche Gesprächsebene. Nennen Sie niemals Namen ihrer Verwandten oder geben Auskünfte über ihr Vermögen an. Geben Sie keine Kontonummern preis. Informieren Sie Familienangehörige über einen solchen Anruf. Lassen Sie sich stets die Telefonnummer des Anrufers geben, damit Sie zurückrufen können. Überprüfen Sie die Nummer mit denen ihrer Verwandten.Rufen Sie die Polizei über Notruf 110, wenn Sie den Verdacht haben, dass es sich um einen Betrug handeln könnte. (pol/swr)