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| 01:37 Uhr

Trauerspiel um Heinz-Karl Kummer

Traurig und entsetzt ist Friedlinde König-Adam aus Kassel über die von der Ratsrunde in Lauchhammer abgeschmetterte Ehrenbürgerschaft für den Maler und Grafiker Heinz-Karl Kummer. „Hoyerswerda ist sichtlich stolz auf Jürgen von Woyski. Senftenberg würde nie auf die Idee kommen, Ernst Sauer und Gerhard Lampa auszublenden. Lauchhammer tritt das Lebenswerk des Künstlers, der dieser Stadt immer besonders verbunden war, aus fragwürdigen Gründen mit Füßen“, stellt die nahe Angehörige des Ehepaars Kummer fest. Von Kathleen Weser

Friedlinde König-Adam ist die Enttäuschung über die Entscheidung der Ratsrunde von Lauchhammer anzusehen. "Heinz-Karl Kummer war ein herausragender Künstler und vor allem ein toller Mensch", sagt sie. Auch deshalb tue es so weh, dass der Vorstoß der Linke/PUR-Fraktion, dem Maler die Ehrenbürgerschaft zu verleihen, auf kommunalpolitischem Parkett zum Scheitern gebracht wurde. Nach dem Tode, so ist es beschlossen, erfolgt diese Art der Würdigung von Bürgern der Stadt nun nicht mehr. Diese Festlegung hätte sofort getroffen werden müssen - und nicht erst nach einem unwürdigem Gezerre um den Künstler.

"Ich habe sehr lange in Lauchhammer gelebt und gearbeitet", erzählt Friedlinde König-Adam. Da sei ihr schnell zugetragen worden, dass der "systemtreue DDR-Künstler" nicht in eine Reihe mit Heimatforscher Rudolf Armer, seit dem Jahr 1993 Ehrenbürger von Lauchhammer, und Naturschützer Werner Blaschke (1999) gestellt werden solle.

Die Familie ernährt

"Mit dem künstlerischen Lebenswerk und der Tatsache, dass Heinz-Karl Kummer weit über die Stadtgrenzen hinaus gewirkt hat und große Anerkennung genießt, hat sich kaum einer auseinandergesetzt", zeigt sich Friedlinde König-Adam enttäuscht. Die "neuen Demokraten" in Lauchhammer hätten vergessen, dass auch sie in der DDR gelebt haben. Als angepasste Mitbürger seien ihr viele noch gut bekannt. Sicher habe Heinz-Karl Kummer auch Auftragswerke vor allem für baugebundene Kunst ausgeführt. Er sei freischaffend tätig gewesen und habe seine Familie ernähren müssen. Den aus einer Bergarbeiterfamilie stammenden Kummer hatten schreckliche Kriegs- und Nachkriegsjahre geprägt. Sein frühes Schaffen, Holzschnitte, Ölgemälde und Aquarelle, zeugt davon. In den 50er Jahren, nach seinem Studium, sind vor allem Porträts und Bilder der Industrielandschaft um Lauchhammer entstanden.

Das Wissen um das künstlerische Werk von Kummer sei in Ort rand, Schwarzheide und Hoyerswerda deutlich ausgeprägter als am eigentlichen Ort seines Schaffens. Hoyerswerda hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Wandbilder an Abriss-Blöcken zu retten. Die Stadt Ort rand hat Teile des Kummer-Mosaiks an der Schulfassade bewahrt, die auf Vordermann gebracht werden musste. Eine Dresdener Künstlerin hat das fröhliche Kinderpaar in das neue Wandbild integriert. Das Mosaik "Vier Jahreszeiten" an der Plattenbau-Fassade der Förderschule Elsterwerda, Kummers letztes Werk, wird erhalten. Das bestätigt der Landkreis Elbe-Elster. "Seine Stadt" Lauchhammer dagegen hatte sogar den 90. Geburtstag vergessen. Das Senftenberger Museum widmete dem Lausitzer Künstler eine Ausstellung, die Werke aus dem Nachlass zeigte. Auch eine Exposition des Heimatvereins Grünewalde hatte große Resonanz.

Der stets suchende und sehr produktive Künstler wird als humorvoller, lebensfroher und kontaktfreudiger Mensch beschrieben. So hat ihn auch Friedlinde König-Adam in Erinnerung. Der gelernten Schrift- und Grafikmalerin zaubert der Gedanke an das Künstlerehepaar ein warmes Lächeln aufs Gesicht. "Ich habe meine Eltern früh verloren", erzählt sie. Als Friedlinde König-Adam in den 80er-Jahren einen Mentor suchte, um ihren Abschluss zu machen, klopfte sie im Atelier von Heinz-Karl Kummer an. Dies war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die familiär wurde, und einer fruchtbringenden Zusammenarbeit. Als damals 32-Jährige war sie für ein Kunststudium zu alt. "Nachdem ich vorgezeichnet hatte, betreute Heinz-Karl Kummer mich für zwei Jahre unentgeltlich", erzählt sie.

Viel von Kummer gelernt

Hauptberuflich arbeitete Friedlinde König-Adam in der Werbeabteilung des Braunkohlenveredlungswerkes Lauchhammer (BVL). Nach Feierabend war sie oft im Kummer-Atelier. "Ich habe dort sehr viel gelernt. Und alles, was ich heute bin, habe ich auch dem Ehepaar Kummer zu verdanken", erzählt die Kasselerin, die couragiert und hilfsbereit ist. Friedlinde König-Adam bleibt ihrer alten Heimatstadt und den Menschen verbunden. Obwohl sie schon lange ihrer Liebe in den Westen gefolgt ist, führt sie in der Lausitz nach wie vor ein Bekleidungsgeschäft. "Eine sehr gute Freundin von mir hat hier einfach keine Arbeit gefunden. Da habe ich einen Kinderladen in Großräschen eröffnet, und sie ihn bis zur Rente hervorragend geführt", berichtet die Lauchhammeranerin mit Herz.

"Ich wünsche mir sehr, dass die Stadt Lauchhammer die künstlerische Lebensleistung von Heinz-Karl und Irene Kummer in Ehren hält und nachfolgenden Generationen zugänglich macht", sagt Friedlinde König-Adam. Jederzeit werde sie gern Werke aus dem Nachlass für Ausstellungen bereitstellen.

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Zur PersonHeinz-Karl Kummer wurde 1920 in Bernsdorf geboren. In den Jahren 1934 bis 38 erlernte er das Handwerk eines Dekorationsmalers und arbeitete in dem Beruf. Im Anschluss besuchte er die Malerschule in Buxtehude bei Hamburg. 1939 wurde Kummer zum Arbeitsdienst gerufen, dann Soldat. Im Russlandfeldzug wurde er verwundet, geriet in Kriegsgefangenschaft. Nach 1949 wurde Kummer Schüler bei Prof. Walter Prescher van Ed in Dresden. Ein Studium an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin-Weißensee schloss sich an.Im Jahr 1953 wurde Heinz-Karl Kummer Mitglied im Künstlerkollektiv von Prof. Bert Hellers in Berlin.Ab dem Jahr 1954 arbeitete er als freischaffender Maler und Grafiker in Lauchhammer bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1987. Seine letzte Arbeit, das Mosaik "Vier Jahreszeiten" für die Förderschule Elsterwerda, haben seine Ehefrau Irene und Freunde fertiggestellt. Irene Kummer leitete bis zu ihrem Tod im Jahr 2007 die beliebten Malkurse in der "Herbstsonne".

Der Künstler Heinz-Karl Kummer war für Friedlinde König-Adam (l.) ein strenger Mentor und fürsorgender Freund. Hier arbeitet sie mit ihm an ihrem Prüfungsstück, einer Hinterglasmalerei. Fotos: privat
Der Künstler Heinz-Karl Kummer war für Friedlinde König-Adam (l.) ein strenger Mentor und fürsorgender Freund. Hier arbeitet sie mit ihm an ihrem Prüfungsstück, einer Hinterglasmalerei. Fotos: privat
Frau (1985)
Frau (1985)
Fisch (1985)
Fisch (1985)
Das Kinderpaar des Kummer-Mosaiks ist im neuen Fassadenbild der Lingenthal-Schule bewahrt worden.
Das Kinderpaar des Kummer-Mosaiks ist im neuen Fassadenbild der Lingenthal-Schule bewahrt worden.