„Tach, hier ist der Büchner.“ So haben Gespräche meist begonnen, wenn er sich spontan per Telefon gemeldet hat. Auf den nächsten Anruf werde ich vergeblich warten: Der Hoyerswerdaer Stadtrat mit Linken-Parteibuch ist am Wochenende im Alter von 60 Jahren verstorben.
Ralph Büchners Familie verliert einen warmherzigen und stets seine Lieben im Blick habenden Menschen. Dieser Verlust schmerzt und wird Wunden hinterlassen. Schmerzlich vermisst werden wird Ralph Büchner jedoch auch in der Hoyerswerdaer Kommunalpolitik. Seit Jahrzehnten engagiert er sich für diese Stadt. Seit 1999 hat der gebürtige Hallenser im Stadtrat gesessen, von 2008 bis 2021 auch im Bautzener Kreistag.

Ralph Büchner: Ein Mann, der für seine Überzeugung einstand

Ralph Büchner war ein Mann, der für seine Überzeugung und seine linken Standpunkte einstand. Er ist durchaus streitbar gewesen, war aber immer auch für eine Lösung und für neue Argumente offen. Hoyerswerdas CDU-Fraktionschef Frank Hirche hat Büchner einmal im Stadtrat „einen Erklärbär“ genannt. Das klang zunächst abschätzig, erklärt aber Ralph Büchners Absichten präzise. Er ist stets jemand gewesen, der Menschen die teils komplizierte Politik einfach und nachvollziehbar erklären wollte – und auch konnte.
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Hoyerswerda

Ob am Parteistand auf dem Lausitzer Platz, im Stadtrat, im Kreistag oder im Supermarkt: Büchner hat sich gestellt, hat diskutiert, hat gelobt und kritisiert. Der 60-Jährige war ein Stück Korrektiv, hat bei der Stadtverwaltung nachgebohrt, wenn ihm etwas aus dem Fokus zu geraten schien.

Hoyerswerda verliert engagierten Kommunalpolitiker

„Du hast immer noch nichts über den Stadtrat gebracht“, hat er mich immer wieder ermahnt, wenn die Berichterstattung einen oder zwei Tage auf sich warten ließ. „Und vergiss mir den Kreistag nicht“, hat er fast gebetsmühlenartig erinnert. Ralph Büchner hat viel Zeit und Kraft in diese Ehrenämter investiert. Er hat für seine Ideale gestritten. Am liebsten wäre mir, wenn jetzt das Telefon klingelte und eine mir bekannte Stimme sagte: „Tach, hier ist der Büchner. Wie wäre es mit einem Kaffee?“ Doch das Telefon bleibt stumm. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen fröhlichen, engagierten und liebenswerten Menschen und Kommunalpolitiker. Ruhe in Frieden, Ralph.