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| 19:00 Uhr

Erster Trampolinpark der Lausitz
Einfach mal Abheben

Hoyerswerda. In Hoywoys Trampolinpark kommen Überflieger auf 1000 Quadratmetern hoch hinaus. Jetzt expandiert die Springbude nach Cottbus. Von Anja Hummel und Rita Seyfert

„Dankeschööön!!!“, tönen die hellen Kinderstimmchen durch die Halle. Für die 23 Mädchen und Jungen der dritten Klasse aus der Senftenberger Grundschule am See war das nicht der erste - und wohl auch nicht der letzte Klassenausflug zum Jump Up Trampolinpark (Otto-Nagel-Str. 49) nach Hoyerswerda. Verschwitzte Haarsträhnen kleben an ihren Gesichtern. Eine Stunde im Flummi-Modus ist purer Sport. Mit roten Bäckchen verabschieden sich die Kinder von Leiterin Andrea Hartkopf (56, „weich wie Birne“). „Hier ist es immer voll, auch im Sommer bei 34 Grad Celsius“, erzählt die Macherin.

„Erreiche Höhen, von denen Du nur träumst“, prangt es in Großbuchstaben von den Wänden. Und: „Sping Dich glücklich!“, so das Motto auf den Info-Flyern. Eins ist sicher, wer hier nach einer Stunde wieder ohne Platzwunde rausgeht, hat ein paar Glückshormone freigesetzt. Eine Bereicherung fürs Körpergefühl ist das Hopsen allemal. Das mag ein Grund sein, warum das Angebot inzwischen auch Querrschnittgelähmte nutzen. „Die springen natürlich nicht im Rollstuhl, sondern legen sich mit ihrem Körper längs aufs Netz“, erklärt sie. Fast jeden Morgen hüpft Chefin Hartkopf aber auch selber. „Ich muss ja die Sprungfedern kontrollieren.“ Meistens ist sie dabei noch im Nachthemd, schließlich wohnt sie direkt über der Halle.

Alles begann vor zwei Jahren mit einer Fernseh-Reportage. Tochter Mandy Richter (38) sah den Streifen über Trampolinparks im Westen zufällig im TV. „Trampolins? Sowas hat man doch im Garten stehen, wieso ein Park“, fragten die skeptischen Stimmen. Doch Andrea Hartkopf erkannte das Potential der Idee und schritt zur Tat. Die Räumlichkeiten waren da. In der heutigen Trampolinhalle mit Ninja-Parkour, Gladiatoren-Becken und Luftkissen für Saltos führte sie damals einen Gebrauchtwarenhandel. Der lief mehr schlecht als recht. Und kalt war es außerdem. „Hier drinnen gab es keine Heizung, ich war immer angezogen wie ein Teddybär“, erinnert sie sich. Der neue Plan war also schnell gefasst und die Halle nach zwei Monaten leergeräumt.

FOTO: LR / Anja Hummel

Eine kleine Hürde gab es allerdings. Denn der TÜV beanstandete die Höhe. Sechs Meter sind für Trampolinparks vorgeschrieben. Die 1000-Quadratmeter-Fläche hatte aber nur fünf Meter nach oben Luft. „Da musste der Bagger mal eben einen Meter tiefer graben.“ Ein neues Fundament musste her. „Das war schon ein Akt.“ Inzwischen zeugen nur noch Fotos neben der Bar von den aufwendigen Umbaumaßnahmen. 750 000 Euro investierte sie insgesamt, bevor der erste Trampolinpark in der Lausitz am Freitag, dem 13. Oktober 2017, eröffnete. „Alle scheuen sich vor diesem Tag, aber ich nicht“, sagt sie. Fast trotzig klingt ihre Stimme. Doch der Erfolg gibt ihr Recht.

Rund 400 Springer besuchen den Trampolinpark inzwischen wöchentlich, einige darunter kommen sogar aus Zittau, Lübbenau, Guben oder Forst. Die wenigsten sind aus Hoyerswerda. „Was man vor der Haustür hat, zählt eben nicht als Ausflug“, erklärt sie das Phänomen. Hinzu kommen Gäste, meist Lehrer, Eltern, Großeltern, die ihren Sprösslingen vom Rand zuschauen.

„Bislang besuchen uns vor allem Kinder.“ Geplant war der Trampolinpark für Erwachsene. „Wer Knie- und Bandscheiben hat, darf hüpfen.“ Gesünder als Joggen ist das Turnen auf den Netzen allemal. Das scheint sich so langsam herumzusprechen. Denn zunehmend wird die Halle auch für Junggesellenabschiede, Betriebsfeste, teambildende Maßnahmen oder Abschlussfeiern entdeckt. „Ich wusste gar nicht, was es so alles für Abschlüsse gibt“, erzählt Andrea Hartkopf. Sie selbst kann mit ihren Abschlüssen Wände tapezieren. Vom Bauzeichner, Bauingenieur und Teilkonstrukteur über Sekretärin sowie Handels- und Versicherungskauffrau bis zur Nageldesignerin hat sie einige Sparten durch. Ganz früher kellnerte sie auch mal, stellte Kegel auf oder tingelte als Frontsängerin der Band „Musik-Team aus Hoyerswerda“ über die Dörfer. Bevor Andrea Hartkopf irgendwann das Spielhaus Tobefix (direkt neben dem Trampolinpark in der Otto-Nagel-Str. 46) eröffnete, betrieb sie dort das „Tanzlokal zur Börse“. Getrunken wurde nach einem Börsensystem. Heißt: Alle drei Minuten stieg oder sank der Preis.

 Im Schaumstoffbecken gibt’s Kämpfe à la Takeshis Castle. Andrea Hartkopf (hinten) und Tochter Mandy Richter sind in Spielelaune.
Im Schaumstoffbecken gibt’s Kämpfe à la Takeshis Castle. Andrea Hartkopf (hinten) und Tochter Mandy Richter sind in Spielelaune. FOTO: LR / Anja Hummel

Kreativ war sie schon immer. Außerdem liebt Andrea Hartkopf es, bei allem die Erste zu sein. Mit dem Trampolinpark in Hoywoy ist ihr das gelungen. Einziges Problem: „Spätestens nach zwei Jahren langweile ich mich.“ Deswegen expandiert sie jetzt nach Cottbus. In einer ehemaligen Kühlhaushalle in der Gubener Straße öffnet im Herbst dieses Jahres der nächste Trampolinpark. Und diesmal soll die Springbude doppelt so groß werden. Man darf also gespannt sein.