Von Anja Guhlan

In einer Zweier-Reihe stehen die neun jungen Ballerinas im Probenraum. Gemeinsam schwingen sie ihre Arme hin und her. Die Beine samt Füße in einer eleganten Stellung. Es ist die Tanzszene der „Maulwürfe“ aus dem Musical „Drei Wünsche frei“. Ihre Bewegungen auf der Tanzfläche wirken leicht.

„Bis solch eine Leichtigkeit erkennbar wird, braucht es eine Weile an Training. Anfangs wirken die Bewegungen noch etwas schwerfällig“, sagt Tanzlehrerin Sylvana Otto-Schilka. Die ausgebildete Tanzpädagogin trainiert die Ballettgruppen der Lausitzhalle schon seit mehr als 30 Jahren. Derzeit trainieren 35 bis 40 Ballettschüler in vier Leistungsklassen bei der Tanzpädagogin. Seit dem Monat September werden jedoch auch wieder Mittänzer im Alter von fünf Jahren gesucht. „Wenn die Kleinsten dann in die nächst größere Gruppe aufsteigen, fangen wir wieder an Nachwuchs zu suchen“, erklärt die Tanzlehrerin. Spezielle Voraussetzungen gibt es keine. „Die Kinder sollen einfach Lust und Spaß am Tanzen haben“, meint Otto-Schilka. Ziel ist es, den Kindern künstlerische Werte, Teamfähigkeit, Ausdauer, Ästhetik und Bühnenpräsenz zu vermitteln. „Am Ende soll es für alle Kinder aber ein schönes Hobby sein, an dem sie Spaß und Freude haben“, meint Otto-Schilka. Fünf Interessierte haben sich bereits für die neue Nachwuchsgruppe gefunden. Mit ihnen trainiert die Tanzlehrerin nun ersteinmal zwei Mal in der Woche kindgerecht die Haltung, die Koordination und den Rhythmus. Auch Grundbegriffe des Balletttanzes werden den Kleinsten näher gebracht. „Viele von ihnen müssen auch erstmal ihren Körper und das Körpergefühl kennenlernen“, erklärt Otto-Schilka.

Die älteren Ballettschülerinnen haben Vieles davon schon erlernt und verinnerlicht. Sie studieren gerade im Jugend- und Showballett drei Auftritte parallel ein. Denn nicht nur der Auftritt beim Stadtfest steht kurz bevor, sondern auch ein jedes Jahr gezeigtes Musical und ein Wintermärchen werden aufgeführt.

„Von August bis Dezember ist wirklich hartes Studieren der Auftritte angesagt. Da muss jeder Tanzschritt am Ende beim Auftritt sitzen“, meint Ballettschülerin Aliyah Heeger. Die Zwölfjährige tanzt bereits seit acht Jahren bei den Ballettgruppen der Lausitzhalle. „Ich tanze sehr gerne. In einer Ballettgruppe zu tanzen, macht mir sehr viel Spaß und ist ein wirklich tolles Hobby. Mit den anderen synchron zu tanzen und im Einklang zu sein, ist zwar manchmal ganz schön schwer, aber es klappt im Großen und Ganzen schon ganz gut“, erklärt die Hoyerswerdaerin. Schon ihre Mutter war Ballettschülerin bei Tanzlehrerin Sylvana Otto-Schilka. „Manchmal übe ich auch mit meiner Mutti zu Hause ein paar Schritte. Es ist schön, wenn sie mich versteht, weil sie ja das gleiche Hobby ausgeübt hat“, erzählt Aliyah Heeger.

Auch Hannah Nestler ist Ballettschülerin. Doch im Gegensatz zu Aliyah tanzt sie erst seit etwa einem Jahr. „Ich bin quasi Quereinsteigerin“, meint sie. Die Zwölfjährige hatte bisher leidenschaftlich geturnt, nun tanzt sie bei den Ballettgruppen der Lausitzhalle. „Die Turnerfahrung hilft mir beim Tanzen schon ein wenig, da auch beim Turnen das Körpergefühl und die Körperbewegung eine Rolle spielen, aber gerade bei älteren Tänzen, die von den anderen Schülerinnen schon einstudiert wurden, hinke ich manchmal noch etwas nach“, erzählt die Maukendorferin. Aliyah motiviert sie: „Dafür klappt es doch bei den neuen Tänzen schon richtig gut“, lobt sie ihre Mittänzerin. Die Gemeinschaft, in der getanzt wird, bezeichnen beide als stark. „Auf der Tanzfläche müssen wir eine Einheit sein, die im Einklang tanzt“, wiederholt Aliyah. Vor den Auftritten sind sie dennoch immer etwas aufgeregt. „Aber das gehört glaub ich dazu“, meint Aliyah. Für Hannah wird es zum Stadtfest der allererste Auftritt im Ballett sein.

Doch am Ende sind die Auftritte aus Sicht der Ballerinas der größte Dank. „Wir können uns dann auf der Bühne präsentieren, uns künstlerisch ausdrücken und erhalten vom Publikum zum Abschluss dann jede Menge Applaus“, erklärt Aliyah. Und Hannah fügt hinzu: „Danach wissen wir tatsächlich, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat. Und sich der Muskelkater, den wir ab und an mal haben, auch gelohnt hat.“