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Tolle Vereine schultern die Herausforderungen

Frank Lehmann ist in der Bürgerbewegung beheimatet, möchte aber bewusst als parteiloses Stadtoberhaupt über Fraktionsgrenzen hinaus alle Lautaer zur gemeinsamen Entwicklung der Stadt einladen.
Frank Lehmann ist in der Bürgerbewegung beheimatet, möchte aber bewusst als parteiloses Stadtoberhaupt über Fraktionsgrenzen hinaus alle Lautaer zur gemeinsamen Entwicklung der Stadt einladen. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Lauta. Was waren die Tops und was waren die Flops von 2016? Was kommt im nächsten Jahr auf die Städte und Gemeinden zu? Bürgermeister aus der Region blicken in der RUNDSCHAU zurück und voraus. Heute: Lautas Bürgermeister Frank Lehmann. Mandy Fürst / mft1

"Politik darf nicht willkürlich wirken", sagt Frank Lehmann. Anderthalb Jahre ist er nun Bürgermeister von Lauta. Fast diese gesamte Amtszeit hat es gebraucht, bis er als Stadtoberhaupt die für ihn schwerste Entscheidung fällen musste.

Und das war zweifellos die Schließung des Freibades Laubusch, gibt Lehmann unumwunden zu. In seinem Wahlprogramm habe er den Erhalt des Kleinods zum Thema gemacht. Einen ganzen Sommer lang hab er sich um Einhaltung des Versprechens bemüht. Um schlussendlich feststellen zu müssen, dass den Kosten für den laufenden Betrieb und insbesondere die fällige Sanierung weder durch Spenden- oder Fördergelder und schon gar nicht mit Mitteln aus dem Haushalt beizukommen ist. So wurde das Freibad zum Auslöser einer weiteren neuen Erfahrung: "Da ist man als Bürgermeister plötzlich im Kreuzfeuer", muss Lehmann feststellen. Aber er kann auch von Zuspruch, Verständnis und Anerkennung für die Bemühungen der Verwaltung berichten. Eine weitere Verzögerung der Schließung wäre einer sinnlosen Verlängerung des Leidens auch für den Haushalt gleichgekommen. Und schließlich seien das nahe Seenland und regionale Naherholungsgebieten wie dem Tornoer Teich vielleicht keine ebenbürtigen, aber doch funktionale Alternativen, die anderen Kommunen so nicht zur Verfügung stünden.

Weitere Flops des Jahres

So wird das Freibad wohl eines der kommunalen Objekte, die in der nächsten Zeit zur Veräußerung gebracht werden sollen. Weitere Leerstände werde das derzeit in der Erarbeitung befindliche Gebäude und Sportstättenkonzept nach sich ziehen, sagt Frank Lehmann. Im ersten Halbjahr 2017 soll das Papier dem Stadtrat zum Beschluss vorgelegt werden. Bis 2025 könnten die Maßnahmen umgesetzt sein. Der laufende Prozess führt die Verwaltung zu Gesprächen in die möglicherweise betroffenen Vereine, so zum Beispiel zu den Nutzern des Jugendhauses oder auch des Hauses der Begegnung in Torno.

Lehmann wirbt für den offenen Blick auf die Vorteile und eine gemeinsame Suche nach Lösungen, die für alle akzeptabel sind. Eine bessere Auslastung beispielsweise würde Akteure näher zueinander bringen und die seit einiger Zeit von den Vereinen selbst aufzubringenden Betriebskosten verringern. Unstrittig sei, dass die Stadt die Zahl der 70 bis 80 eigenen Gebäuden definitiv verringern müsse. Wie viele Objekte verkauft werden und wie sich die Vereinslandschaft schlussendlich gestaltet und verortet, werde über die Jahre geplant und entwickelt.

Tops des Jahres

Vor allem aber findet Lehmann zum Ende des Jahres 2016 lobende Worte für die Arbeit der Vereine. Obwohl so manche Gemeinschaft nach dem Rückzug der Stadt aus der finanziellen Unterstützung im Grenzbereich wirtschafte, habe noch kein Verein den extra eingerichteten Härtefall-Fond in Anspruch genommen. Die Gemeinschaften würden die Herausforderungen schultern und das Leben in Lauta nach Kräften lebendig halten. So wie es auch eine funktionierende Wirtschaft kann. An zwei Stammtischen im Jahr bringt Lehmann seit Amtsantritt beide Seiten zusammen. Ziel sei es, eine Informationsplattform von der Verwaltung an die Akteure zu unterhalten und Rückmeldungen von dort zu bekommen. Die Unternehmer würden Sachverhalte aus anderen Blickwinkeln betrachten, als sie Verwaltung und Stadtrat sehen, die aus einer breiteren Faktenlage ihre Entscheidungen treffen. Ihre Hinweise und Anliegen beträfen eher Kleinigkeiten, fasst Lehmann zusammen. So seien bisher vornehmlich Probleme der Verkehrsinfrastruktur oder auch Bitten um Hilfe in Genehmigungsverfahren mit anderen Behörden an die Verwaltung herangetragen worden.

Was wird 2017 wichtig?

Längst aber ist nicht alles rosarot in Lauta. Darum analysiert Frank Lehmann auch seine eigene Arbeit und ist nicht frei von Selbstkritik. Er sei vielleicht hier und da noch nicht konsequent genug, meint der frühere Kämmerer von Spreetal. Eine thematische Achillesferse der nahen Zukunft sei der Bahnhaltepunkt. Die laufenden Gesprächen mit den Verantwortlichen sollten eine vernünftige Gestaltung der Bahnsteige, der Pflasterung und der Parkmöglichkeiten für Autos und Fahrräder bewirken. Im jetzigen Zustand sei der Haltepunkt als Übergang vom privaten zum öffentlichen Nahverkehr in einem Lauta, das sich "Das grüne Tor zum Seenland" nennt, untragbar. An vorderster Stelle aber wird die Akquise von Fördermitteln für die Herrichtung der Grundschule an der Kolonie in Laubusch stehen. Hier setzt der Lautaer Bürgermeister auf die bewährte Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde Elsterheide, ohne deren Kinder spätestens mit Abflachung der Jahrgangsstärken ab 2020 die angestrebte Anderhalbzügigkeit nicht gehalten werden könne. Im Gegensatz zur Schule am Freibad sei dieses Objekt aufgrund der Denkmalschutzbestimmungen zu 100 Prozent förderfähig, erklärt Lehmann. Mit einem positiven Bescheid der Sädtebauförderung im Sommer 2017, könnten im Herbst die Fachplanungen und im ersten Halbjahr 2018 der Bau beginnen. Und vielleicht sei die Aktivierung der Schule ja auch ein kleiner Stimulus für Zuzug von Menschen und Gewerbe in die Kolonie, hofft Frank Lehmann. Die Verwaltung würde Existenzgründungen nach Kräften unterstützen.

Visionen seien eine unverzichtbare Ergänzung der reinen Verwaltungsarbeit, findet der Bürgermeister. Ebenso wie die Kulturkirche eine Bereicherung für die Entwicklung weg von einer Schlafstadt Lauta sei. Dafür müssten sich die Akteure noch besser verzahnen, als es löblicherweise schon geschehen ist. Auch im Rathaus werde nach der zurückliegenden Umstrukturierung mit drei altersbedingten Abgängen, die zur Kostenreduzierung durch eine Neuordnung von Arbeitsabläufen und Zuständigkeiten kompensiert wurden, wieder Kontinuität einziehen. Er sei seinen Mitarbeitern für das Verständnis und Engagement dankbar, mit dem sie zusätzliche Aufgaben angenommen haben, betont Lehmann.

Dankbar sei er aber auch den 120 Aktiven der Feuerwehren, die entgegen der allgemeinen Tendenz die Gefahrenabwehr in und um Lauta schlagkräftig halten. Weit weniger "in dem Topf, in dem es kocht" sei die langfristige Ausrichtung, die die Lausitz brauche.

Bei der Energiefrage nur in Richtung Umwelt zu denken und nur Deutschland im Blick zu haben, sei mit Blick auf das Agieren der Nachbarländer zu kurz gesprungen.

Der Braunkohlepark im Osten habe seine Hausaufgaben gemacht, meint Frank Lehmann. Die Stimmen von der Basis dürften nicht überhört, der Strukturbruch der 1990er Jahre nicht wiederholt und die weltpolitische Lage nicht außer Acht gelassen werden.

Politik dürfe eben nicht willkürlich wirken.