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| 09:00 Uhr

Tiere in der Oberlausitz
Tierische Invasoren kommen aus Amerika und Asien

So possierlich der Waschbär wie hier im Tierpark Bischofswerda auch aussieht – in der freien Natur kann er schwere Schäden an der heimischen Tierwelt verursachen. Denn er ist ein gnadenloser Räuber.
So possierlich der Waschbär wie hier im Tierpark Bischofswerda auch aussieht – in der freien Natur kann er schwere Schäden an der heimischen Tierwelt verursachen. Denn er ist ein gnadenloser Räuber. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz/Bautzen. Waschbär, Nutria, Amerikanischer Flusskrebs und Blaubandbärbling gelten in Ostsachsen als problematische invasive Arten. Jedenfalls stehen sie auf einer entsprechenden EU-Liste. Von Uwe Menschner

Ihr Symbol könnte der Waschbär sein: Auf den ersten Blick ein possierlich erscheinender Geselle, von vielen Tierparks gehalten. Erst bei genauerem Hinsehen erweist er sich als gnadenloser Räuber, der die einheimische Tierwelt bedroht. Als ursprünglich in Nordamerika beheimateter Einwanderer gelangte der Waschbär, durch den Menschen begünstigt, nach Mitteleuropa. Hier fehlt es ihm an natürlichen Feinden, die seine ungehinderte Ausbreitung eindämmen.

Dies soll nun in verstärktem Maße der Mensch übernehmen. Die EU hat eine erste Liste „invasiver Arten“ vorgelegt, die – wie der Waschbär – mit einheimischen Arten um die Lebensräume konkurrieren und diesen zumeist überlegen sind. Infolge einer Öffentlichkeitsbeteiligung sollen wirksame Maßnahmen zum Management dieser Spezies entwickelt werden. Von den 17 für Deutschland relevanten Arten kommen zehn mit Sicherheit auch in Sachsen vor, davon vier in den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Neben dem Waschbär zählen dazu der Nutria, der Amerikanische Flusskrebs und der Blaubandbärbling.

Waschbär

Allein die Zahlen belegen die Dynamik, mit der sich diese Spezies ausbreitet: Wurden in der Jagdsaison 2006/07 in Sachsen gerade mal 498 Waschbären geschossen, so betrug diese Zahl zehn Jahre später 11 191. Und der Aufwärtstrend hält ungebremst an. „Die östlichen und nördlichen gewässerreichen Landkreise scheinen flächendeckend besiedelt zu sein“, heißt es im Artensteckbrief des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG).

Auch in den Umweltämtern der Landkreise Görlitz und Bautzen wird dies zunehmend als problematisch betrachtet und gegengesteuert: „Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes ,Teichgebiete Niederspree-Hammerstadt’ werden im Niederspreer Teichgebiet seit 2017 gebietsfremde Raubsäuger wie Mink, Waschbär und Marderhund entnommen, um den Räuberdruck für seltene, im Bestand rückläufige Brutvögel zu verringern“, teilt Julia Bjar von der Pressestelle des Landratsamtes Görlitz auf Anfrage mit. Weitere Maßnahmen seien bislang nicht durchgeführt worden. Die Sprecherin weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass der Waschbär, ebenso wie der Nutria, dem Jagdrecht unterliegt und somit bejagt werden kann.

Ihre Bautzener Kollegin Sabine Rötschke erklärt: „Eine Veröffentlichung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft vom Juni 2017 belegt für den Landkreis Bautzen eine kontinuierlich ansteigende Waschbärenanzahl und nach dem Landkreis Leipzig die zweithöchste Population des Kleinbären im Land Sachsen. Waschbären dringen auf der Suche nach geeigneten Schlaf- und Wurfplätzen häufig über Dachrinnen und nicht verschlossene Dachluken in Häuser ein. Wirtschaftliche Schäden durch den Allesfresser sind insbesondere bei Agrarbetrieben mit Sonderkulturen (zum Beispiel Obstbau) nachgewiesen.“

Nutria

Beim auch als „Sumpfbiber“ bezeichneten Nutria geht die Ausbreitung laut LfULG eher zurück. Die Nutrias waren zwischen 1930 und um 1990 aus zahlreichen Pelzfarmen entwichen und wurden vor allem an Röder, Neiße und im Heide- und Teichgebiet beobachtet. Sie richten Schäden an der Ufer- und Wasservegetation an und können in Gewässernähe flächendeckend Saaten vernichten. Auch konkurrieren sie mit dem einheimischen Biber um den Lebensraum und übertragen verschiedene Krankheiten. In Sachsen ist der Nutria jagdbar, jährlich werden um die 150 Tiere geschossen. In den ostsächsischen Landkreisen wird diese Tierart als weniger problematisch angesehen: „Es bestehen kaum Auswirkungen auf die heimischen Arten beziehungsweise Lebensgemeinschaften. Der Landkreis Görlitz ist klimatisch nicht optimal für die Nutria geeignet, da die Sterblichkeitsrate in kalten Wintern sehr hoch ist“, heißt es aus dem Landratsamt. Bautzen weist darauf hin, dass es „keine belastbaren Daten über die Verbreitung und Bestandsentwicklung gibt“.

Amerikanischer Flusskrebs

Der einst unwillentlich eingeschleppte Amerikanische Flusskrebs (auch Kamberkrebs) profitiert von der sich stetig verbessernden Wasserqualität und breitet sich unter anderem an Spree, Schwarzer Elster, Neiße und Schwarzwasser flussaufwärts aus. Als Überträger der Krebspest, gegen die er selbst immun ist, gilt er als sehr problematisch. „Wegen seiner flächendeckenden Verbreitung sind sinnvolle Maßnahmen zur Bekämpfung praktisch nicht möglich. Der Amerikanische Flusskrebs unterliegt aber weder Schonzeiten noch Mindestmaßen und darf daher von den Fischereiberechtigten entnommen und verwertet werden“, erklärt Dr. Gert Füllner, Leiter des Referates Fischerei beim Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Im Landkreis Görlitz ist laut Sprecherin Julia Bjar „der heimische Edelkrebs in vielen Gewässern verschwunden und durch den Amerikanischen Flusskrebs ersetzt worden“. Ähnlich sieht es im Kreis Bautzen aus.

Blaubandbärbling

Als einzige Fischart steht der Blaubandbärbling auf der Liste der invasiven Arten für Sachsen. Er wurde 1992 für Sachsen erstmals bei Zittau und später auch noch bei Kleinwelka nachgewiesen. Der Bärbling gilt als Nahrungskonkurrent für einheimische Kleinfische und als „Förderer“ des Algenwachstums. Außerdem kann er gefährliche Krankheiten übertragen. Das LfULG empfiehlt, den Handel mit ihm als Futterfisch zu verbieten.

Gert Füllner sieht seit 2005 eine „sehr deutliche Ausbreitung dieser Art“, die er lieber als „Blaubandgründling“ bezeichnet. Weiter erklärt der Referatsleiter Fischerei: „Für Karpfenteichwirtschaften stellt er eine nicht zu unterschätzende Nahrungskonkurrenz zum Karpfen dar, der die Ertragsfähigkeit erheblich beeinträchtigen kann. Gegen seine Ausbreitung sind kaum erfolgreiche Bekämpfungsmaßnahmen möglich. In Teichwirtschaften kann bei Massenvorkommen eine Bestandsregulierung durch verstärkten Raubfischbesatz mit Zandern erfolgen.“