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| 02:40 Uhr

Thomas Leberecht führt neue Bürgerstunde ein

Dass er Ende 2016 Chef dieses Rathauses sein würde, hätte Thomas Leberecht sich zu Jahresbeginn nicht ausgemalt.
Dass er Ende 2016 Chef dieses Rathauses sein würde, hätte Thomas Leberecht sich zu Jahresbeginn nicht ausgemalt. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Lohsa. Was waren die Tops und was waren die Flops von 2016? Was kommt in diesem Jahr auf die Städte und Gemeinden zu? Die Bürgermeister aus der Region blicken in der RUNDSCHAU zurück und voraus. Heute: Bürgermeister Thomas Leberecht (CDU) aus Lohsa. Mandy Fürst / mft1

Er ist noch jung in Jahren, Amt und Würden. Erst seit sechs Monaten ist Thomas Leberecht Chef im Lohsaer Rathaus. Nicht viel Zeit, um sich in die komplexen Vorgänge der Verwaltung einer Einheitsgemeinde mit 15 Ortsteilen und rund 5400 Einwohnern einzuarbeiten.

Zumal er sein Studium der Verwaltungs- und Wirtschaftswissenschaften zugunsten des Amtsantritts zwischenzeitlich zurückgestellt und erst im Oktober wieder aufgenommen hatte. Die etwas unvorhergesehene Berufung setzte praktisches Handeln vor die theoretische Ausbildung. Zwar sei das Studium keine zwingende Voraussetzung für einen Bürgermeister. Jedoch halte er einen sicheren Kenntnisstand für wichtig, um in den vielfältigen Themenbereichen wie der Finanzwirtschaft, dem Personal- oder auch dem Bau- und Immobilienmanagement rechtssicher zu handeln. "Noch leite ich die Gemeinderatssitzung eigentlich nur", gibt Thomas Leberecht zu. In einem Jahr werde die Lage ganz anders aussehen, sagt er und wirft einen Blick in den dicken Ordner, den er sich zurechtgelegt hat.

Anfang Mai hatte der 39-Jährige Vater von Zwillingen den zweiten Wahlgang um das Amt des Bürgermeisters der Einheitsgemeinde gewonnen. Somit bleibt die CDU-Regentschaft in Lohsa erhalten. Wenn ihm zu Beginn des Jahres jemand gesagt hätte, dass er im Dezember als Bürgermeister Jahresinterviews geben würde, hätte er das nicht geglaubt.

Amtsantritt 2016. Im Rückblick steht Thomas Leberechts Jahr 2016 vornehmlich im Zeichen vieler positiver Ereignisse rund um den Amtsantritt und der Fülle an Terminen, denen er seither nachkommen muss und möchte. Der volle Kalender sei selbst gemacht und gewollt, betont Leberecht. Nur so könne er sich vernünftig in die Sachverhalte einarbeiten, die er zumeist von Udo Witschas, seinem Amtsvorgänger und jetzigen Beigeordneten des Landrates, übernommen habe. Dazu gehören so komplizierte Prozesse wie die Umsetzung des Abwasserbeseitigungskonzeptes, insbesondere in Groß Särchen und Koblenz. Anfang 2017 werden in diesem Zusammenhang vertiefende Planungsgespräche zur Ortsdurchfahrt Koblenz mit dem Landratsamt stattfinden. Im Ergebnis folgen Einwohnerversammlungen.

Schulsanierung in Groß Särchen. Gut voran geht es auch mit den Plänen zur Schulsanierung in Groß Särchen. Hier überraschte den Bürgermeister ein positiver Bescheid aus der Förderrichtlinie zur Schulinfrastruktur. Dieses Vorhaben ist mit einem Zuschuss von 700 000 Euro bewilligt und bis Ende 2018 umzusetzen. Bis 2021 ist beabsichtigt, den Gesamtkomplex Schule und Turnhalle fertigzustellen. Bei laufendem Schulbetrieb sei das eine echte Herausforderung, sagt Leberecht.

Problem Kreisstraßen. Keine guten Aussichten hat dagegen eine Erneuerung der Kreisstraße 9220 durch Steinitz. Trotz der voraussichtlichen Sperrung in Koblenz und den laufenden Massentransporten am Knappensee habe der Landkreis an dieser Stelle kein Einsehen, bedauert Leberecht. Für die K 9219 von Friedersdorf nach Mortka aber gibt es Hoffnung auf eine mittelfristige Sanierung. Das vielfach angesprochene Problem der Straßenbeleuchtung möchte Lebe-recht weniger im Gießkannenprinzip als mit einem wohldurchdachten und umfänglichen Konzept lösen.

Zum Erbe des Vorgängers gehört auch ein Sitz im Kreistag, in dem Leberecht einiges Handlungspotenzial für die Interessen der Gemeinde Lohsa erkennt. Als Mitglied des Kreisausschusses habe er beispielsweise seine Argumentation für die Aufrechterhaltung des Personennahverkehrs an der niederschlesischen Magistrale einbringen können. Wenn der Ausbau der Bahnhaltepunkte in personentauglicher Form mit Steuermitteln erfolgt, müssen die Menschen der Region und ihre Besucher auch davon profitieren, fordert Thomas Leberecht. Im Tourismus läge schließlich die wirtschaftliche Zukunft für den ländlichen Raum. Für Lohsa bedeute dies, insbesondere in den Bemühungen um Silber- und Knappensee nicht nachzulassen und die Zusammenarbeit mit anderen Kommunen im Zweckverband aktiv zu halten.

Pläne für die drei Hausseen. Am Silbersee müsse für den nächsten Sommer unbedingt wieder eine temporäre Öffnung des Badestrandes erwirkt werden. Er sei froh und dankbar für den starken Willen der dortigen Betreiber, betont Leberecht. Bei der Strandsanierung am Südufer des Dreiweiberener Sees dagegen würde er lieber auf eine Badesaison verzichten, wenn das von der LMBV vorgeschlagene Pilotvorhaben endlich beginnen und das Ufer gereinigt würde. Auch warte die Firma, die den Bootssteg errichten soll, noch immer auf die Erlaubnis, aufs Wasser zu dürfen. Löblich seien auch hier die Initiativen der Unternehmer, die trotz teils schwieriger Bedingungen den Tourismus an das Wasser bringen.

Ein wenig ratlos betrachtet Leberecht die Abläufe rund um das Vereinsheim am Weißkollmer Strand und seine schlussendlich erbbaurechtliche Verpachtung an einen Dresdner Wassersportverein. Er habe das Gefühl, "dass wir da schon über eine Ziellinie geschoben wurden", sagt der Bürgermeister. Allerdings freue ihn das Signal des Vereins, sich dennoch an der Beplanung des Knappensee beteiligen zu wollen. Diese wird mit einem Abstimmungstreffen aller Beteiligten im Januar in die erste Runde gehen.

Sorgenkind Grundschule Weißkollm. Ob er Dinge anders gemacht hätte? Mit gleichem Stand seiner Vorkenntnisse nicht, sagt Leberecht. Natürlich wird er sich auch weiterhin auf die Verwaltung verlassen. Aber der Verkauf der Grundschule in Weißkollm sei eine Angelegenheit, die anders abgelaufen wäre, wenn er um die Notwendigkeit eines aktuellen Gutachtens gewusst hätte. "Sollte sich darstellen, dass aufseiten der Verwaltung fachliche Versäumnisse vorliegen, muss ich das dienstrechtlich ahnden", wiederholt Leberecht eine offene Ansage vor dem Gemeinderat. Das sei nicht der Einstieg, den er sich gewünscht habe, aber er sei auch den Investoren verpflichtet, die sich mit einem vernünftigen Konzept des Gebäudes annehmen und die er nun habe vor den Kopf stoßen müssen. Dieser Gang sei sein bisher schwerster als Bürgermeister gewesen. Der eigentliche Rattenschwanz aber käme nun nach, wenn schnellstmöglich das Verkehrswertgutachten erstellt, im Januar der Beschluss zum Verkauf im Gemeinderat wieder aufgehoben und die voraussichtlich zwei Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden müssen. Er sei den Investoren mehr als dankbar, dass sie an dem Projekt festhalten und es beispielsweise mit dem persönlichen Einsatz beim Landrat für eine Einzelfallentscheidung mit vorantreiben möchten.

Neu: Vor-Ort-Bürgersprechstunde. Und weil Leberecht auf die Zusammenarbeit mit so engagierten Unternehmern und Bürgern setzt, möchte er ab dem neuen Jahr alle zwei Monate mit einer Vor-Ort-Bürgersprechstunde ein offenes Gesprächsangebot machen. Dann könnten Sachverhalte wie die Unzufriedenheit einiger Eltern mit dem Träger der Kitas direkt besprochen werden.

Kita-Träger. In diesem Fall, klärt Leberecht auf, habe er eine schriftliche Anfrage an die Verantwortlichen gerichtet, die jene bis Mitte Januar beantworten können. Danach werde gemeinsam mit Elternvertretern und dem Gemeinderat über das weitere Vorgehen entschieden. Eine mögliche Ausschreibung, wie vom Gemeinderat gefordert, an der sich im Übrigen auch der jetzige Betreiber beteiligen kann, sei ein vorstellbarer, jedoch längst nicht feststehender Schritt auf dem Weg zur besten Lösung für alle Beteiligten. Und hier besonders für die jüngsten Lohsaer, die schließlich im Mittelpunkt aller anstehenden Entscheidungen stehen.