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| 02:41 Uhr

Themenabend beim Friseur zieht Mädchen an

Maria ist das Modell, an dem die Friseurin Linda die Verlängerung vorführt. Maria und die Zuschauer sind begeistert.
Maria ist das Modell, an dem die Friseurin Linda die Verlängerung vorführt. Maria und die Zuschauer sind begeistert. FOTO: mft1
Hoyerswerda. HaarSchneider-Mitarbeiter informieren über die Technologie der Haarverdichtung, über Tricks für optischen Fülle und über Farbspiele. Mandy Fürst / mft1

"Das wäre ja ein Traum!", sagt Svenja Kühnelt und schaut mit ungläubigem Staunen in den großen Spiegel. In dem seitenverkehrten Abbild sieht die Hoyerswerdaerin naturgemäß sich selbst, allerdings mit 25 Zentimeter längerem, blondem Haar.

Im Moment trägt Svenja Kühnelt eine Kurzhaarfrisur in unscheinbarem Brünett. Unfreiwillig, wie sie einräumt. Es hatte da ein Missverständnis mit einer Freundin gegeben. Aus dem hüftlangen Haar wurde ein Bob, nach anschließendem Färben musste noch einmal die Schere ran. Viele Frauen könnten wohl ähnliche Geschichten erzählen, die nicht selten in Tränen endet.

Schon den alten Germanen wird nachgesagt, dem Haar eine sehr große Bedeutung beigemessen zu haben. Nicht nur, dass sie mit langem Haar gesellschaftliche Harmonie verbanden - die Frauen des Mittelalters trugen es bevorzugt so lang, wie es ihnen eben aus dem Kopfe wuchs. Nur die Verflechtung in Zöpfen bändigte die Pracht.

Der große Knoten auf dem Kopf ließ die Gestalt der Männer im Kampf größer und furchterregender erscheinen. Das Haar zu verlieren kam von jeher dem Verlust von Kraft und Autorität gleich. Auch, weil die Rasur Sklaven und Gefangenen angetan und so mit Unterwerfung gleichgesetzt wurde.

Bis heute verleiht eine Löwenmähne ihrem Träger den Ausdruck einerseits von Gesundheit und Vitalität, andererseits steht wallendes Haar auch für Freiheit und eine Ungezwungenheit.

"Der Traum von vollem Haar ist etwas, was jeder hat, der lange Haare mag", sagt auch Heiko Schneider, Chef des Hoyerswerdaer Friseursalons HaarSchneider. So hatte sein Team interessierte Frauen zu einem Themenabend eingeladen. Drei der 34 Mitarbeiter haben sich in die Technologie der Haarverdichtung eingearbeitet. Lisa, Anna und Linda wissen, dass die Natur nicht jeder Frau die nötigen Voraussetzungen für eine volle Haarpracht mitgegeben hat. Daher steht die Nachhilfe mit Echthaar immer höher im Kurs.

Dennoch mussten die Friseurinnen ihren Chef, einen erklärten Gegner der Imitation, erst von Konzept und Bedarf überzeugen. Zu seiner Überraschung habe sich gezeigt, dass längst nicht mehr das extrem lange und offensichtlich falsche Haar gefragt ist, erklärt Heiko Schneider. Vielmehr wünschen sich die Frauen eine sanfte und möglichst unauffällige Unterstützung des eigenen Haares und seiner Farbspiele.

Oft hängt die Entscheidung für den lang gehegten Traum an einem wichtigen Ereignis. Für die Gymnasiastin Karolin Leschnik aus Spola könnte dieser Anlass der anstehende Abi-Ball sein. "Ich trickse schon ganz schön", gesteht die Zwölftklässlerin mit dem locker gesteckten Dutt. Mit kräftigem Toupieren helfe sie der optischen Fülle nach. Die Vorführung im Salon hat Karolin schon überzeugt. Für die Kosten würde wohl eine Geburtstagssammlung in der Familie herhalten müssen. Das Ergebnis wäre schon den Verzicht auf andere Gschenke wert, findet die Schülerin. Nur mit Farbexperimenten würde sie lieber bis nach dem Ball warten.

An zehn Strähnen demonstrieren die Fachfrauen die Technik der Verdichtung. Modell Maria hat sich bereit erklärt, sich die letzten Extensions, wie die Strähnen heißen, vor Publikum ansetzen zu lassen.

Das Haar wurde in indischen Tempeln den Göttern geopfert, noch vor Ort in Handarbeit gereinigt und schließlich in Italien depigmentiert, also entfärbt, um es wiederum in den gewünschten Tönen einfärben zu können. Die Verbindungsstellen, die sogenannten Bondings, bestehen aus einem Polymer, das dem Kreatin, dem wichtigsten Baustein des Haares, sehr ähnlich ist. Schonender Ultraschall ermöglicht natürlichere Ergebnisse und nach vier bis sechs Monaten Tragezeit eine bessere Entfernung, als das herkömmliche Kleben.

An den Rückbau ihres Traumes aber mag Svenja Kühnelt noch nicht denken. Sie wird ihr Haar jetzt bis zum Frühsommer wachsen lassen, es pflegen und besonders schonend behandeln, um eine gute Basis zu haben.

Etwa zehn Zentimeter gesunde Haarlänge und bis zu vier Stunden Zeit sollten die Kundinnen zum unbedingt vorher vereinbarten Termin mitbringen, sagt Friseurin Lisa. Dann steht dem Traum von der Löwenmähne nichts mehr im Wege.