Als sie 15 war, sei ihre beste Freundin daran gestorben. Seitdem hat Sandra ihr Leben umgekrempelt. „Du willst nicht essen, musst dich übergeben“ , sagt sie. „Weil du schlank, anders sein willst. Das Problem zu zeigen, haben die Schauspieler gut hinbekommen.“ Regisseur Reinhard Drogla vom Cottbuser Piccolo-Theater ist dafür in die Tiefe gegangen. Für sein Stück hat er in Therapiesitzungen einer Klinik für Essstörungen in Motzen (Brandenburg) recherchiert. „Ein Mädchen hat ihren Eltern Vorwürfe gemacht“ , erzählt er. Oft seien Beziehungsstörungen der Nährboden für Essstörungen. Die Sucht, schlank zu sein, das Essen zu verweigern, ist dann Druckmittel, um wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. 120 Schüler der 3. Mittelschule, des Lessing-Gymnasiums und des Berufsschulzentrums II sahen sich „schwere-los“ an: Felicitas (Maria Schneider), fast 16, ist ihrer Mutter nachgezogen, fühlt sich vernachlässigt und kehrt in ihre Heimatstadt zurück. Doch ihr alter Freund Conny (Hauke Grewe) will ihr unangenehm nahe sein, der Vater (Werner Bauer) hat keine Geduld, auf ihre Probleme einzugehen, und dessen Freundin Monique (Susanne Muhr) ist eine „fitnessverrückte Ziege“ . Felicitas fühlt sich heimatlos. Selbstbestätigung findet sie nur, indem sie bis zur Schmerzgrenze fastet. Eindringlich und konzentriert kommt diese Eigenproduktion daher, und der besondere Clou: Im zweiten Teil, dem „Forumtheater“ , durften die Schüler in die Handlung eingreifen. „Das Publikum ist zu groߓ , fürchtete Drogla, und in der Tat: Nur wenige trauten sich, die Situation von Felicitas zu verbessern. Spannend fanden das Stück aber viele. „Eine originelle Idee, es so zu verändern“ , sagt Juliane Mie tzsch (15) vom Lessing-Gymnasium. „Die Aggressionen kamen gut rüber“ , ist Marcel Müller (17) von der Berufs schule der Meinung.

Zum Thema Magersucht
 Eine Langzeitstudie besagt, dass knapp 17 Prozent der überwiegend weiblichen Patienten innerhalb von 20 Jahren nach der Diagnose an den Folgen ihrer Krankheit sterben, sagt Burkhard Jäger, Arzt im Zentrum für psychologische Medizin in Hannover. In Deutschland seien mindestens 220 000 Menschen zwischen 15 und 24 Jahren von Bulimie oder Magersucht betroffen.