ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:32 Uhr

Straßentheaterfest
Theaterkunst auf dem Kopfsteinpflaster

Poetisches Theater aus Portugal mit Teatro Só: Die Künstler auf Stelzen erzählen eine  gefühlvolle und packende Geschichte über eine Liebe im hohen Alter.
Poetisches Theater aus Portugal mit Teatro Só: Die Künstler auf Stelzen erzählen eine gefühlvolle und packende Geschichte über eine Liebe im hohen Alter. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Mitmachen erwünscht: Zum 10. Straßentheaterfest verwandelt sich die Hoyerswerdaer Altstadt am Sonntag in eine große Bühne. Von Rainer Könen

Man tritt den Herren der italienischen Gruppe „Mabó“ sicher nicht zu nahe, wenn man jeden der drei Mitglieder dieser Band  als „Animale da palcoscenico“ bezeichnet. So nennt man in Italien die Rampensau. Nun, deren Ruf ist ja im theatralen Leben ein recht zwiespältiger, wenn sie da über die Bühne tobt wie eine Naturgewalt. Aber sie strahlt immer auch eine kraftstrotzende kreative und mitreißende Vitalität aus, der niemand den Respekt versagen mag.

So war es auch am Sonntag auf dem Hoyerswerdaer Altstadtmarkt, als die italienische Gruppe am frühen Nachmittag das 10. Straßentheaterfestes mit einer recht eigenwilligen musikalischen Kommunikationsshow eröffnete. Da rissen die Vollblutmusiker das Publikum sogleich in ihren Bann und zogen manchen Zuschauer mit hinein ins turbulente Geschehen ihres Programmes.

Wenn Straßentheaterzeit in Hoyerswerda ist, sind es nicht die Bretter, die die Welt bedeuten, auf denen die Künstler und Artisten auftreten. Sondern zumeist Wiese, Asphalt oder  Kopfsteinpflaster. So war das auch bei der zehnten Ausgabe dieses Straßentheaterfestes: An mehreren Punkten des Altstadtzentrums konnte man die teilnehmenden Gruppen, acht waren es dieses Mal, an verschiedenen Stellen auf dem Marktplatz sehen.
Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, dass das von der Kulturfabrik organisierte Straßentheaterfest für die Hoyerswerdaer das ist, was für Köln der Karneval oder für München das Oktoberfest ist. Wann kann man schon mal so viele herausragende Künstler aus ganz Europa bewundern. Zum Beispiel Corina Ramona aus Deutschland. Unter ihrem Künstlernamen Enaya Dayeh zog sie mit ihrem Vogelkostüm die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Oder die portugiesische Gruppe Teatro Só, die eine herzzerreißende und einfühlsame Liebesgeschichte eines alternden Ehepaares vorführte.

KuFa-Geschäftsführer Uwe Proksch war vor Beginn des Straßentheaterfestes gespannt gewesen, hatte sich insgeheim gefragt, wie viele Besucher denn kommen würden. Ferienbeginn, Fußball-Weltmeisterschaft, so etwas mache sich eigentlich immer auf die Resonanz einer solchen Veranstaltung bemerkbar, meinte Proksch. Nicht so jedoch beim diesjährigen Straßentheaterfest. Kurz nach der Eröffnung strömten die Besucher aus allen Richtungen auf den Altstadtmarkt. Sogar aus Bischofswerda, Bautzen oder Cottbus waren einige in die Zuse-Stadt gekommen. „Ich war schon im vergangenen Jahr hier“, erzählte ein Mittvierziger aus Calau. Die Auftritte der Künstler seien hier immer wieder „sensationell“. Was den Besuchern gestern geboten wurde, war in der Tat Faszination pur. Comedy, mitreißende Performance und Theater, übersprühende Laune und Zauber. Nicht nur die Künstler zeigten sich von ihrer besten Seite, auch das Hoyerswerdaer Publikum machte gerne mit, ließ sich mit einbeziehen in die Darbietungen, wie etwa beim Auftritt des niederländischen Duos „Flying Dutchmen“, die für ihre Jongliervorführung großen Applaus bekamen. Wer wie Peter Weyel unter dem Namen „Herr Hundertpfund“ auftritt, erregt per se schon mal Aufsehen. Und wenn dann Kreationen der neuesten Unterhosenmode vorgeführt und spektakuläre Tricks ganz nebenbei produziert werden, kann man beim Publikum selbstverständlich mächtig punkten.
Während auf dem Altstadtmarkt alle auftretenden Künstler ihre Rampensau-Mentalität so richtig auslebten, konnten die ganz kleinen Besucher auf einer Wiese am Bürgerzentrum ein Mittelalterfest feiern.
Vier Stunden lang tobten sich die professionellen Straßentheaterkünstler in der Altstadt aus, einige verlagerten  ihren Auftrittsbereich vom Marktplatz auf die angrenzende Kirchstraße, die ja im vergangenen Monat Boulevardcharakter hatte. Gestern fand dann dieses Projekt im Rahmen des Straßentheaterfestes seinen Abschluss. Passend mit jeder Menge Theater.

Enaya Dayeh alias Corina Ramona schwebt als graziler, majästetisch wirkender Riesenvogel über den Asphalt von Hoyerswerdas Altstadt.
Enaya Dayeh alias Corina Ramona schwebt als graziler, majästetisch wirkender Riesenvogel über den Asphalt von Hoyerswerdas Altstadt. FOTO: Rainer Könen
Auch die „Flying Dutchmen“ zogen mit ihrem stimmungsvollen Comedy-Auftritt viele Besucher an.
Auch die „Flying Dutchmen“ zogen mit ihrem stimmungsvollen Comedy-Auftritt viele Besucher an. FOTO: Rainer Könen