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| 17:31 Uhr

Hoyerswerda
Markt verbindet Tradition mit Moderne

Maria Aurora Gräfin von Königsmarck und Regina Baronessa de Moretti singen vor der Reichsgräfin Urula Katharina von Teschen (in rot) Weihnachtslieder. Fotos: Katrin Demczenko
Maria Aurora Gräfin von Königsmarck und Regina Baronessa de Moretti singen vor der Reichsgräfin Urula Katharina von Teschen (in rot) Weihnachtslieder. Fotos: Katrin Demczenko FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. „Reise“ in die Vergangenheit führt beim Teschen-Markt zum Kurfürsten und die Stadtgeschichte von Hoyerswerda. Von Katrin Demczenko

Weihnachtlich verwandelt mit einem zwölf Meter hohen Christbaum, umrankt von Lichterketten und umhüllt von Glühweinduft hat am vergangene Wochenende Hoyerswerdas Altstadt wieder viele Gäste zum Teschen-Markt empfangen.

Die Reichsgräfin Ursula Katharina von Teschen (Cornelia Schnippa) begrüßte die Besucher aus nah und fern auf der Bühne standesgemäß mit ihrem Gefolge. Dahinter verbergen sich Mitgliedern des Traditionsvereins Dresdener Barock. In aufwändige Gewänder der damaligen Zeit gehüllt, vermittelten die erlauchten Herrschaften den Zuschauern, wie Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen, genannt August der Starke, an seinem Dresdener Hof Weihnachten gefeiert haben könnte. Maria Aurora Gräfin von Königsmarck (Silvia Weise) und die Hofsängerin Regina Baronessa de Moretti, Gräfin zu Nau (Regina Schwabe) intonierten zweistimmig „Es ist ein Ros entsprungen“ und andere Weihnachtslieder, die damals schon bekannt waren. Barocke Tänze, die Vorform des heute bekannten klassischen Balletts, mussten alle Mitglieder und Besucher des Hofes beherrschen.

Am Christbaum hingen damals Gebäck, Apfel, Nüsse und sogar Kartoffeln. Die Früchte glänzten natürlich entweder silbern, dann waren sie eingeschlagen in feinstes Stanniol, oder golden, wenn die Diener Messingfolie zu verwenden hatten, erzählte Maria Aurora Gräfin von Königsmarck. Um die „Reise“ in die Vergangenheit weiter zu vertiefen, stand für die Weihnachtsmarktgäste an allen Tagen eine Vis a Vis-Kutsche mit zwei vorgespannten Schimmeln zur Verfügung. „So ein Modell war um 1900 üblich“, erklärte der Pferdewirt Marcel Brungart vom Reiterhof Benno Schlegel Wittichenau, der den Kutschennachbau gemütlich durch die Straßen der Hoyerswerdaer Altstadt fuhr und dafür bewundernde Blicke erntete.

Teil des Weihnachtsmarktes war auch im Sparkassensaal die Ausstellung „750 Jahre Hoyerswerda – Gartenbahnmodelle nach 750 mm (sächsischer) Spurweite und 50 Jahre Modellbahnclub“. 1968 wurde der Verein im Eisenbahnerklubhaus, heute Villa Stein, gegründet und hat sich bis jetzt auf vielen Weihnachtsmärkten und bei anderen Veranstaltungen präsentiert, erzählte das Vorstandsmitglied Hagen Jurczok. Ausschließlich Eisenbahnen von Mitglieder von der kleinsten Nenngröße Z bis zur Gartenbahn und Vereinsanlagen wie die Rohkohleverladung im Tagebau Scheibe begeisterten diesmal die Besucher. Simone Felsch aus Lauta nannte die Ausstellung „ein Highlight für Groß und Klein“. Insgesamt wünscht sie sich für den Teschen-Markt eine bessere Durchmischung der Angebote. Sie möchte mehr Kunsthandwerk oder Christbaumschmuck kaufen können und gleich nebenan gibt es Bratwurst und Glühwein.

Schwibbögen, die Tagebaugroßgeräte sowie Landmarken im Lausitzer Seenland zeigen, entdeckte der ehemalige Kohlekumpel Günter Wannack im Bürgerzentrum Braugasse 1. „Da ist die F 60-Förderbrücke“, sagte er zu seiner Frau und findet es gut, die Lausitz auf diese Weise zu präsentieren. „Hut ab, dass man das immer wieder hinkriegt“, lobte er die Marktorganisatoren der Lausitzhalle und des Citymanagements, die die Angebote vieler Händler, Vereine und Hoyerswerdaer Schüler zu einer Veranstaltung zusammengeführt haben.

Während das Orchester des Foucault-Gymnasiums im Schlosssaal weihnachtliche Musik spielte, versuchten sich Clara und Greta aus Hosena begeistert beim Blaudruck. Die Mädchen bedruckten sich weiße Taschen mit Lichterengeln, Nadelbäumchen oder Sternen und hatten bei dem Umgang mit den uralten hölzernen Modeln und der Farbe Cordula Reppe als Lehrmeisterin an ihrer Seite.

Sie führt die wahrscheinlich älteste, noch produzierende Blaudruckwerkstatt Deutschlands, die seit 1633 in Pulsnitz besteht. Hergestellt werden bis heute hübsch bedruckte Tischdecken, Blusen, Kleider und Schürzen für sorbische Trachten, erzählte Cordula Reppe. Um das alte Handwerk zu erhalten und bekannter zu machen, ist sie in vielen Orten unterwegs und besuchte schon das dritte Mal den Teschen-Markt in Hoyerswerda.