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Tausche Streichel-Tomaten gegen Wodka-Beinwell

Waldmeister, Beinwell, Bärlauch & Co. standen im Mittelpunkt der Börse im Lohsaer Ortsteil Friedersdorf.
Waldmeister, Beinwell, Bärlauch & Co. standen im Mittelpunkt der Börse im Lohsaer Ortsteil Friedersdorf. FOTO: amz1
Friedersdorf. Bei der Pflanzenbörse des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft spielt Geld keine Rolle – aber natürlich das Thema Nachtfröste. amz1

Auf große Resonanz ist die achte Pflanzenbörse des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft auf dem Gelände der Naturschutzstation Friedersdorf gestoßen. Etwa 25 Aussteller präsentierten dort am Sonnabend ihre Gewächse und tauschten diese gegen andere Pflanzen ein. Zur Auswahl standen vor allem Küchen- und Heilkräuter, ebenso Tomatenpflanzen und Ziergewächse.

Zu fast jeder Pflanze kann Karin Happatsch eine kleine Geschichte erzählen. Die ehemalige Biologielehrerin und Naturwächterin im Biosphärenreservat kennt die heimische Flora wie ihre Westentasche. Vor allem aber diverse Heilmittelchen, die sie auf der Börse feilbietet. Beispielsweise den Beinwell.

Das in der Natur eher unscheinbare Gewächs habe seinen Namen, so Karin Happatsch, nicht umsonst. Schließlich finde die Pflanze bei Knochenbrüchen Anwendung. "Ich hatte mir mal ein Bein gebrochen. Aus Beinwell, Öl und Bienenwachs mixte ich eine Salbe zusammen, und diese half tatsächlich", berichtet die Naturfreundin aus ihren Erfahrungen. Wer indes an Rheuma leidet, könne die betroffenen Gelenke mit Beinwell-Blättern und einem speziellen Wodka einreiben, die Linderung der Beschwerden sei garantiert.

Vorsicht sei dagegen beim gerade jetzt im Frühjahr beliebten Waldmeister angesagt. Wer diese Pflanze für seine Maibowle verwenden will, sollte, so Karin Happatsch, die Gewächse zunächst antrocknen und anschließend mit der den Schnittflächen entgegengesetzten Seite in das Getränk hineintun. "Ansonsten kann ein bestimmter Stoff im Waldmeister Kopfschmerzen verursachen."

Katja Lehmann aus Schwepnitz hat ein ansehnliches Pflanzenpaket mit nach Friedersdorf gebracht. Darunter befinden sich junge Tomaten- und Paprikapflanzen, ebenso Stauden. Ihre Astilben und die Purpurglöckchen seien wie warme Semmeln weggegangen, erzählt die Frau, die schon Stammgast bei der Friedersdorfer Veranstaltung ist. Eingetauscht hat die Schwepnitzerin diese Gewächse gegen andere Paprika-Sorten sowie gegen den Bärlauch, dessen Blüte unmittelbar bevorsteht.

Aus dem Gastgeberort ist Christa Walter mit ihrem "Frauenverein" vor Ort. Sie hat eine Sonnenblume und einen besonderen Spinat erstanden. "Ich will mal schauen, was sich daraus entwickelt", kündigt die Friedersdorferin an.

Indes wird sich auch der Naturgarten, der zur örtlichen Naturschutzstation gehört, bald in ein Blühparadies verwandeln. Nach Angaben von Franz Schröter von der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz solle dort die genetische Vielfalt der Oberlausitzer Pflanzenwelt erhalten bleiben. Darüber hinaus, so ergänzt Susanne Bärisch vom Biosphärenreservat, werde der dortige Naturschutzturm eine Feuertreppe erhalten, sodass der im Obergeschoss befindliche Schulungsraum wieder genutzt werden könne.

Ein Thema fehlt während der Pflanzenbörse natürlich nicht. Und zwar die ungewöhnlich intensiven Spätfröste in diesen Wochen. "Wer Tomaten ins Freiland pflanzen will, sollte unbedingt noch die Eisheiligen Mitte Mai abwarten", rät Karin Happatsch. Und sie empfiehlt, die Pflanzen regelmäßig zu streicheln. Das sei kein Aberglaube, sondern habe eine ganz praktische Wirkung. "Stehen die jungen Tomaten noch im Gewächshaus, wird mit dem Streicheln der Wind improvisiert. Das bewirkt, dass die Pflanzen möglichen Wetterunbilden besser gerüstet gegenüberstehen."