| 02:47 Uhr

Tarifstreit erreicht neuen Höhepunkt

Die Tierpflegerinnen Heidi Stadek (l.) und Gisela Schneider streiken für eine Gleichbehandlung der Mitarbeiter.
Die Tierpflegerinnen Heidi Stadek (l.) und Gisela Schneider streiken für eine Gleichbehandlung der Mitarbeiter. FOTO: S. Bartholome
Hoyerswerda. Der Streik geht weiter. Am Donnerstag blieben Zoo, Schloss, Bibliothek, Musik- und Volkshochschule sowie die Zookultur-Verwaltung geschlossen. Auch Kritik an der Haltung der Stadtverwaltung wird im Tarifstreit laut. Sophie Bartholome

Gabriele Adler-Bartosch ist mit ihren Enkeln eigens von Bautzen nach Hoyerswerda gekommen, um in den Zoo zu gehen. Doch am Donnerstag hatte sie Pech, denn der Zoo wurde ebenso bestreikt wie Schloss, Bibliothek, Musik- und Volkshochschule. Statt Zoo-Alltag haben die Mitarbeiter der Zoo, Kultur und Bildung gGmbH vor den Toren Fahnen geschwenkt und in ihre Trillerpfeifen gepustet.

Erstmals hatte die Gewerkschaft verdi innerhalb des Tarifstreites zum ganztägigen Streik aufgerufen. Ein Notdienstplan für den Zoo wurde erstellt. Vier Mitarbeiter kümmerten sich gestern um die Tiere.

Ruhende Verhandlungen

Die Gewerkschaft verdi hatte Mitte Februar die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Zookultur für gescheitert erklärt. Im Tarifstreit geht es vorrangig um die Gleichstellung aller Beschäftigten. Die Maximalforderungen der Gewerkschaft würden pro Jahr bei etwa 100 000 bis 120 000 Euro liegen und seien verhandelbar, wie Gewerkschaftssekretär Detlef Heuke sagt. Seit Februar sei der Gewerkschaft und der Tarifkommission kein neues Angebot vorgelegt worden, wie der frühere Volkshochschul-Chef erklärt. "Im Moment sehen wir keinen anderen Ausweg, um Bewegung in die Tarifverhandlungen zu bekommen", erklärt auch Klaus-Peter Haselbauer, der vor wenigen Tagen zum Betriebsratsvorsitzenden der Zookultur gewählt wurde. Viel zu lange hätten die Mitarbeiter stillgehalten. Es sei traurig, dass die Stadt Hoyerswerda als Gesellschafterin bei den Verhandlungen auf Tauchstation gegangen sei, wie Klaus-Peter Haselbauer sagt.

Mitarbeiter hätten in den vergangenen Jahren beispielsweise feste kulturelle Höhepunkte in der Stadt etabliert. Durch die geringe Präsenz zeige die Stadt, welche Stellenwert Kultur und Bildung für sie habe. Detlef Heuke ist gleicher Meinung: "Die politischen Entscheidungsträger können sich nicht aus der Verantwortung stehlen." Schließlich habe damals die Firmengründung vor allem der Sanierung des maroden Stadt-Etats gedient.

Stadt will nicht mehr zahlen

Die Stadt Hoyerswerda unterstützt die Zookultur jährlich mit zwei Millionen Euro. Höher könne diese Finanzspritze aus derzeitiger Sicht nicht ausfallen, heißt es aus dem Rathaus. Es sei der Rahmen, in dem Zookultur und verdi eine Einigung finden müssten. Zudem habe die Verwaltung mehrmals mit beiden Parteien Kontakt aufgenommen, wie Pressesprecher Bernd Wiemer erklärt. Mit welchem Ergebnis blieb offen.

Die Fraktionen CDU, Die Linke und SPD haben Ende des vergangenen Jahres während der Haushaltsdiskussionen die Forderung gestellt, dass der städtische Zuschuss von zwei Millionen Euro für 2015 und die Folgejahre beibehalten werden muss. Ein Teil dieser Mittel sollte darüber hinaus dafür verwendet werden, um den Tarifstreit beizulegen. Auch für Stadtrat Uwe Blazejczyk (SPD) seien die bisherigen Verhandlungen, und wie sich diese zugespitzt hätten, nicht zufriedenstellend. Er verweist auf einen früheren Vorschlag einer Gesundheitsprämie, die gezahlt werden sollte, wenn ein Mitarbeiter in einem Halbjahr null Krankheitstage hat. Ein solcher Vorstoß sei unprofessionell gewesen, so Blazejczyk. Katrin Kiefel von der Fraktion "Aktives Hoyerswerda" stellte auch die Frage in den Raum, ob das Gebilde so leistbar ist. Damals hatte sich die Stadt für den Erhalt von Musik- und Volkshochschule entschieden. Man hätte zumindest darüber nachdenken müssen, sie an den Kreis abzugeben.

Zookultur-Geschäftsführer Arthur Kusber erklärte gestern auf Nachfrage, dass der Zuschuss von zwei Millionen Euro, dafür ausreiche, um die Zookultur am Laufen zu halten. "Wir sind aus dem Jahr 2014 mit einem negativen Ergebnis im fünfstelligen Bereich herausgegangen", sagt Kusber. Wer jedoch Geld für Investitionen übrig hat, könnte dieses auch für das Personal bereitstellen, findet Detlef Heuke. Dennoch würden die Wünsche der Gewerkschaft und der Geschäftsführung laut Kusber nah beieinander liegen. Am Montag wolle das Unternehmen der Gewerkschaft ein neues Angebot vorlegen. Finanzielle Mittel seien frei geworden, da die Stelle des Volkshochschulleiters nicht nachbesetzt werden soll.