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| 15:44 Uhr

Interview mit Gert Schöbel
„Die Tageseinsatzbereitschaft ist ein schwieriges Thema“

Gert Schöbel ist seit März 2017 Verbandsvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Bautzen. Von 1998 bis 2009 leitete er den KFV Westlausitz. Er ist seit 1976 in der Freiwilligen Feuerwehr Radeberg aktiv.
Gert Schöbel ist seit März 2017 Verbandsvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Bautzen. Von 1998 bis 2009 leitete er den KFV Westlausitz. Er ist seit 1976 in der Freiwilligen Feuerwehr Radeberg aktiv. FOTO: Schöbel, Gert / Gert Schöbel
Hoyerswerda/Bautzen. Der Kreisfeuerwehrverband als Dachverband der Feuerwehren im Kreis Bautzen besteht seit dem Jahr 1990 und vertritt seitdem jegliche Belange der Kameraden und Wehren. Gert Schöbel, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands, sprach im Interview mit der RUNDSCHAU über Aufgaben, Entwicklungen und Herausforderungen. Von Anja Guhlan

Herr Schöbel, wozu braucht es eigentlich einen Kreisfeuerwehrverband?

Schöbel: Als Kreisfeuerwehrverband sind wir sozusagen die Gewerkschaft der Feuerwehren. Insgesamt wird sich für die Belange von 56 Gemeindefeuerwehren mit 7570 Kameraden, darunter 5300 aktive Kameraden, eingesetzt und zwischen den Feuerwehren und dem Landratsamt Bautzen oder dem Landesfeuerwehrverband vermittelt. Außerdem organisieren wir Lehrgänge und Fortbildungen für Kameraden, sorgen für Erfahrungsaustausch und unterstützen die Wehren bei Fragen.

Wie hat sich das Feuerwehrwesen im Kreis seit der Gründung verändert?

Schöbel: Grundsätzlich wird alles schnelllebiger und digitalisierter. Die Technik zum Beispiel, so gut sie auch ist, hat sich rasant entwickelt. Die Ausbildungszeiten oder Lehrinhalte, um die Technik fehlerfrei zu beherrschen, werden länger und aufwendiger. Teilweise ist die Feuerwehrtechnik sehr komplex geworden. Zudem ist es aber auch gefährlicher für Kameraden geworden. Es gibt mittlerweile Einsätze, wo Kameraden oder andere Rettungskräfte selbst angegriffen, bespuckt oder angepöbelt werden. Das ist nicht zu tolerieren und die Helfer müssen geschützt werden. Die Akzeptanz für die Helfer muss in der Gesellschaft wieder her, schließlich riskieren die Kameraden ihr Leben, um andere zu retten.

Welche aktuellen Themen beschäftigen den Kreisfeuerwehrverband?

Schöbel: Aktuell ist immer noch die Tageseinsatzbereitschaft ein sehr schwieriges Thema. Bei vielen Einsätzen müssen inzwischen mehrere Wehren alarmiert werden, damit das Personal ausreicht. Sehr viele Kameraden arbeiten außerhalb des Wehrbereichs, und oft klappt auch eine Freistellung beim Arbeitgeber nicht. Hier sollte die Politik zusätzliche Anreize für Arbeitgeber schaffen.

Momentan sind wir auch dabei, uns in die Novellierung des Brandschutzgesetzes einzubringen. So vertreten wir die Auffassung, in jeder Großgemeinde einen hauptamtlichen Wehrleiter einzustellen. Denn bei Großgemeinden mit teils über 20 Ortsteilen funktioniert die ehrenamtliche Arbeit nicht mehr. Auch versuchen wir, uns immer noch bei der Unfallkasse für die Anerkennung von Unfällen der Feuerwehrangehörigen einzusetzen. Unfälle der Kameraden gelten momentan nicht als Arbeitsunfall. Betroffene Kameraden setzen sich mit ihrem Leben für die Rettung anderer ein und werden im Falle eines Unfalls selbst im Regen stehen gelassen.

Wie wichtig ist die Jugend für die Feuerwehr?

Schöbel: Sehr wichtig. Das Positive: Aktuell haben wir über 1500 Kinder zwischen 8 und 16 Jahren in den Wehren. Die Problematik deutet sich eher an, wenn die Jugendlichen später einer Ausbildung oder Studium nachgehen. Viele treten dann wieder aus der Wehr aus. Wir sollten daher an diejenigen, die sich hier fest in der Region eingerichtet haben, appellieren in die sinnvolle Tätigkeit der Feuerwehrarbeit einzusteigen.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Schöbel: Wir wollen uns in unserer ehrenamtlichen Arbeit weiterhin für die Zukunft wappnen und mit der Zeit gehen. Vor allem wollen wir uns für Probleme der Kameraden einsetzen. Mal sehen, was uns die Zukunft noch für Problemlagen bringt, die wir wieder lösen und bewältigen sollten.

Mit Gert Schöbel
sprach Anja Guhlan