Von Rainer Könen

Baustellenführung. Das klingt nicht unbedingt spektakulär. Aber wenn eine solche in einem Museum wie der Knappenroder Energiefabrik durchgeführt wird, kann das erlebnisstark sein. Vor allem, wenn diese von jemandem geleitet wird, der die Kunst des erzählenden Erklärens beherrscht. Formt sich während eines solchen Rundganges in den Köpfen der Besucher das fertige Bild des noch unvollendeten Gebäudes, voila, hat man mit Sicherheit einiges gemacht.

Kirstin Zinke, Museumsleiterin der Knappenroder Energiefabrik, besitzt die Gabe, das Kopfkino bei derartigen Rundgängen anzukurbeln. So ist das auch am Samstag, beim Tag der Städtebauförderung, als die Energiefabrik zur Baustellenbesichtigung eingeladen hat. Hier kann man sich anschauen, wie sie vorankommen, die Umbauarbeiten in Fabrik drei, welche im Juni des vergangenen Jahres gestartet sind und, wenn nichts dazwischen kommt, planmäßig Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.

Jedoch: Das Interesse an den beiden Führungen ist überschaubar. Nur ein Dutzend Menschen sind tatsächlich gekommen. „Hat mich aber nicht überrascht“, meint Kirstin Zinke. Man veranstalte Info-Rundgänge häufiger, hieß es als Begründung. Los ging es am anderen Ende des Museumsareals, dort, wo künftig die Besucher das Museum betreten werden. Vor dem Gebäude nimmt der Parkplatz Konturen an, sollen Haltepunkte für die Stadtlinie und den Bus 103, der Bautzen mit Hoyerswerda verbindet, entstehen. Über dem künftigen multimedialen Besucherinformationszentrum, das mit rund 600 Quadratmetern doppelt so groß ist wie das derzeitige Besucherzentrum, ist Platz geschaffen worden für eine neue Dauerausstellung. Hier gibt es für die Besucher all das, was wichtig ist, um die Geschichte der Region zu verstehen. Soundteppiche werden in den Räumlichkeiten für entsprechende Brikettfabrik-Atmosphäre sorgen.

Ein wichtiger Gestaltungsgrundsatz bei den Umbauarbeiten laute, so Zinke weiter, dass „das Alte erhalten bleibt und das Neue erkennbar ist“. Mit einem Fahrstuhl soll es einmal hoch hinausgehen, auf das Dach der Fabrik. Damit man von dort einen Blick auf die Umgebung werfen könne, so Kirstin Zinke. Die darauf hinwies, dass das Bergbaumuseum in der umliegenden Natur fest integriert sei. Was man auch daran erkennen könne, dass Turmfalken im Gebäude brüteten.

In einem weiteren Ausstellungsraum wird das Leben in der Lausitz beleuchtet. Unter dem Begriff „Land der Sorben“ wolle man zeigen, so die Museumsleiterin weiter, wie diese Bevölkerungsgruppe im vorindustrialisierten Zeitalter in der Region lebte, ohne dabei ins Folkloristische abzudriften. Welchen Stellenwert Kohle in Kriegszeiten hat, wird in der Abteilung „Krieg und Krise“ erklärt. Der Kampf um den Abbau der Kohle soll am Beispiel der beiden Bergbaugroßbetriebe „Eintracht“ und „Ilse“ dargestellt werden. Die Zeit seit der Stilllegung der Brikettfabrik im Jahre 1993 bis zur Gegenwart wird darüber hinaus filmisch beleuchtet werden.

Doch bei aller geplanter Modernität: Die Spuren der früheren Brikettfabrik, dazu gehören alte Stromverteilerkästen oder Rohrleitungssysteme, sollen weiterhin erhalten bleiben, um einen Eindruck zu vermitteln, wie es einst aussah. Kirstin Zinke: „Wir möchten, dass die Energiefabrik so schmeckt, wie sie aussieht.“

Im Zeitzeugen-Bereich wird man bekannte Gesichter sehen, bekannte Stimmen hören, werden ehemalige Mitarbeiter der Fabrik und Knappenroder über ihr Leben mit der Kohle, mit der früheren Brikettfabrik berichten. Authenzität wird groß geschrieben.