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Tätzschwitzer küren im Regen ihren neuen König

Im strömenden Regen rollt der neue Tätzschwitzer Kürbiskönig Theo in die Heimatstube ein.
Im strömenden Regen rollt der neue Tätzschwitzer Kürbiskönig Theo in die Heimatstube ein. FOTO: amz1
Tätzschwitz. Der kleinste Wettbewerbsteilnehmer gewinnt. Die Riesen-Frucht – drei Männer müssen anpacken – wird zu Kuchen und Brot verarbeitet. amz1

Es ist wie verhext: Immer, wenn an der Tätzschwitzer Heimatstube eine Veranstaltung ansteht, regnet es in Strömen. Das war im Juli so beim Auftritt des Seenland-Kaspers und jetzt wieder bei der Kür des zweiten Kürbiskönigs. Um es vorwegzunehmen: Die Tätzschwitzer haben sich vom Wetter nicht kleinkriegen lassen. Und der kleinste Teilnehmer sicherte sich gleich mal den Hauptpreis. Denn die Frucht von Theo Kolan bringt locker 39,4 Kilogramm auf die historische Waage, an der Gerhard Schmaler vom Heimatstuben-Verein die kleinen Gewichte hin und her bewegt, bis sich ein Gleichgewicht einstellt.

Der erst 15 Monate alte Theo wird auf einem eigens gebauten Thron in die unlängst teilsanierte Heimatstube getragen. Der Knirps darf sich zudem auf eine Fahrt mit der Seeschlange freuen. Er findet es erst ganz lustig, doch in der Heimatstube angekommen, bricht der Knirps in Tränen aus. "Wahrscheinlich ein bisschen zu viel", vermutet jemand.

"Wir haben die Kürbissamen im Juli ausgesät", erinnert sich Theos Mutter Sabine Kolan. Dank des feuchten und warmen Sommers seien die Früchte wohlgeraten. Am Ende war ein Mann nicht mehr in der Lage, den Kürbis zu tragen. Während des jetzigen Wiegens vor der Heimatstube müssen sogar drei Leute mit anfassen. Die Siegerfrucht, so kündigt Sabine Kolan an, werde zu Kuchen und Kürbiskernbrot verarbeitet. "Wir machen alles selbst."

Bereits zum Fest hat Katrin Januschek einen leckeren Kürbiskuchen mitgebracht. "Dazu braucht man eine Frucht, Fischkäse, Eier und Mehl", erklärt die junge Frau. Das Ganze werde verrührt und auf einen Mürbeteig aufgestrichen. Anschließend komme alles in den Ofen. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen. Zumindest lecken sich die Tätzschwitzer noch die Finger nach dem schmackhaften Kuchen.

Übrigens: Familie Januschek belegt beim Kürbiskönig-Wettbewerb ebenfalls einen vorderen Platz. Ihr Exemplar bringt immerhin ein Gewicht von 37,5 Kilogramm auf die Waage. Noch ein Wort zu diesem uralten Messgerät: "Die Waage stammt von einem Tätzschwitzer Hof", berichtet Martina Petschick, Vorsitzende des Heimatstuben-Vereins. "Früher wurden damit Schweine und Kartoffelsäcke gewogen." Und heute eben Kürbisse.

Insgesamt müssen in diesem Jahr zwölf dieser opulenten Früchte auf das Gerät. Auf jedem Kürbis steht der Name des jeweiligen Kindes. Mancher der Steppkes zeigt sich indes mit seinem Messergebnis nicht unbedingt einverstanden. Doch Gerhard Schmaler erklärt geduldig das Messprinzip, sodass sich der geäußerte Verdacht auf "Beschmuh" sehr bald in Wohlgefallen auflöst.

Die Tätzschwitzer sind sich jedenfalls einig, dass es auch im kommenden Jahr wieder ein Kürbisfest und einen Kürbiskönig geben soll. Dann, so hoffen sie, natürlich bei goldenem Oktoberwetter. "Weil wir es uns endlich verdient haben", liefert Martina Petschick gleich die entsprechende Begründung.