Kurz nach halb zehn platzt die Rockscheune aus allen Nähten. Kein Wunder, denn Eintritt braucht der Geburtstagsgast nicht zu bezahlen. 200 Gäste sind da und „Pernox“ feiern mit ihnen ihr einjähriges Bestehen. Vor rund zwölf Monaten hatten sich die Brüder Philipp (16) und Gerald (19) Czapik überlegt, eine Rock-Band zu gründen. „Das Rumklimpern hat einfach so viel Spaß gemacht, dass nach den Ständchen auf Omas Geburtstag endlich was Richtiges geschaffen werden musste“ , sagt Gerald. Und deshalb wurde noch nach einem Schlagzeuger und dem passenden Bassisten gesucht. Philipp hat den Platz am Keyboard lieb gewonnen und kann außerdem gut mit der Harmonika umgehen. Gerald spielt Gitarre. Brüderlich teilen sich die beiden die Gesangsrolle.
Bassistin und Schlagzeuger sind inzwischen gefunden: Teresa Benzner (17) aus Bernsdorf und der Wittichenauer Thomas Wels (18) haben das Duo zum Quartett werden lassen.
Kreatives Zentrum ist die Gartenlaube der Czapiks. Sie ist Probenraum für eigene Texte und handgemachte Musik. „In Texten wie ,Something is Missed - Etwas wird vermisst' oder ,Aren't we late - Kommen wir nicht zu spät' wollen wir Gesellschaftskritik mit Regionalbezug üben“ , sagen Philipp und Gerald. Es sei wichtig aufkeimende Gewalt (an Schulen) zu thematisieren und sich damit auseinanderzusetzen. „In ,Mankind' wollen wir sagen, wie gigantisch die Welt ist und wie massiv der Mensch das intakte Umfeld (zer-)stört und schließlich unterliegt“ , sagt Gerald. Selbst politisch darf es werden: „Wenn man sich mal den ,Kindergarten' im Bundestag anschaut, kommt es einem vor, als ob es Mode geworden ist, erstmal gegen etwas zu sein“ , meint Gerald. Es gebe kaum Zusammenarbeit und Kompromisse in der Politik, zeigt sich der junge Mann enttäuscht von der Erwachsenenwelt. All das spiegele sich in den Texten von „Pernox“ wider. Philipp ergänzt: „Bei mir wird es auch mal persönlich und ich beschäftige mich über die Musik und die Texte mit den Erfahrungen mit Mitmenschen.“

Genre: RegRock
Und diese thematische Vielfalt bringen die Musiker dann sogar in unterschiedlichen Genres unter: Reggae und Rock werden kombiniert. Ungewöhnlich? „Das ist nicht ungewöhnlich“ , sagt Gerald. „Manchmal ist uns nach Reggea, ein anderes Mal muss halt wie wild an den Gitarrensaiten gezerrt werden. So ist das halt“ , erklärt der 19-Jährige, der demnächst Erziehungswissenschaften studieren will. Philipp habe seine Leidenschaft für Reggae mit 13 Jahren entdeckt, erzählt er. Bob Marley sei eins der Idole. Gerald verschlägt es lieber in Musikrichtungen a là „Incubus“ . „Und weil wir im selben Zimmer schlafen, kommt dann die Reggea-Rock-Kombination raus“ , müssen die beiden schmunzeln.

„Immerhin“ zum Geburtstag
Und dann hält es beide nicht mehr im kleinen Technikraum: Die große Bühne wird erklommen. Dort spielen gerade noch „Immerhin“ , eine Band aus Hoyerswerda - Geburtstagsgäste sozusagen. Am Mikro steht Matthias Höll - Musiklehrer am Johanneum und Sänger von „Immerhin“ . „Es ist wunderbar, dass es noch großartige deutsche Musik gibt“ , freut sich Martin Fröhlich (21) aus Wittichenau über die impulsive Musik mit politischen Texten. „Wir wollen punktuell schockieren und sind dann auch gleich wieder lieb“ , erzählt Matthias Höll nach dem Auftritt und gibt die Bühne frei für die jungen Wilden. „Pernox“ dürfen sich selbst ein Riesen-Geburtstags-Geschenk machen: Sie spielen in der rammelvollen Rockscheune. Die Vier-Mann-Band hat keine Mühe bei ihrem Heimspiel in Wittichenau die Stimmung zum Kochen zu bringen. Neben selbst gebackenen Texten sorgen Titel wie „Guantanamera“ als Rockversion und „Leave us alone - Lasst uns allein“ von „Gentleman“ für beste Partylaune.
Gerald Czapik kann auf der Bühne seine Freude über das begeisterte Publikum nach über zwei Stunden Auftritt kaum in Worte fassen: „Wisst ihr, das war ein wunderbarer Abend“ , sagt er sichtlich erschöpft und ergänzt: „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, mit Euch zu feiern.“

Wissenswert Kontakt
  Das erste Album von „Pernox“ ist erschienen und heißt bezeichnenderweise „Introducing Themselves“ (sich vorstellen).
Weitere Infos zu den Bands im Internet unter www.pernox-band.de und www.immerhin.com