ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:55 Uhr

Flüchtlinge in der Oberlausitz
Syrer meistern ihr Leben in Hoyerswerda

 Hoyerswerda: Siegfried Hoffmann (l.) und Angelika Meischner (r.) helfen Hanifa Kunes, ihrem Sohn Adam und den anderen Familienmitgliedern im Alltag.
Hoyerswerda: Siegfried Hoffmann (l.) und Angelika Meischner (r.) helfen Hanifa Kunes, ihrem Sohn Adam und den anderen Familienmitgliedern im Alltag. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Die syrische Familie Kunes bekommt in der Elsterstadt von mehreren Seiten Hilfe für den Alltag. Von Katrin Demczenko

Wie negativ Krieg das Leben verändert, haben Hanifa Kunes, ihr Ehemann und die Kinder am eigenen Leib erfahren. Im Jahr 2012 flüchtete die syrische Familie aus Aleppo, wo Bomben und Schießereien den Alltag bestimmten, in ein Zeltlager im Irak, dann in ein Zimmer in der türkischen Metropole Istanbul. Der damals zwölfjährige Sohn Adam verdiente in dieser Zeit wie seine Eltern Geld für den Lebensunterhalt, anstatt zu lernen. Es hieß, er solle zu Hause türkisch lernen, dann könne er in die Schule kommen, erzählte Hanifa Kunes. Doch wie sollte das gehen ohne Sprachkurs? Die Familie akzeptierte diese Situation nicht und zog bis nach Hoyerswerda, wo ihre beiden Söhne seit August 2016 die Schule besuchen und zuerst Deutschunterricht erhalten haben.

Von Juni 2016 bis Februar 2017 bewohnte Familie Kunes zu viert ein Zimmer im Flüchtlingsheim der AWO in der Thomas-Müntzer-Straße und seitdem eine Wohnung in einem Fünfgeschosser in der Neustadt. Schon 2016 bekam Hanifa Kunes Kontakt zur Bürgerinitiative „Hoyerswerda hilft“, die zum Verein RAA Hoyerswerda/Ostsachsen gehört. Während ehrenamtliche Helfer die Kinder im Spielzimmer betreuten, erwarben die Eltern bei anderen Freiwilligen erste Deutschkenntnisse, erzählte sie dankbar. Hanifa Kunes backt auch wie andere Flüchtlingsfrauen leckere Kuchen aus ihrer Heimat für die regelmäßigen Begegnungscafés der Bürgerinitiative und hat so Austausch auch mit Hoyerswerdaer Bürgern. „Integration geht nur über die Sprache, deshalb spreche ich jeden Tag“, sagt Hanifa Kunes. Jetzt besuchen sie und ihr Mann einen staatlichen Deutschkurs, um den B1-Abschluss zu erlangen. Danach beginnt die Integration in den Arbeitsmarkt. „Ich möchte gern in eine Bäckerei, denn Kuchen und Süßigkeiten backen macht Spaß“, entwickelt die junge Frau Ideen für ihr Arbeitsleben in Deutschland. Konditorin lernen und einen Berufsabschluss erwerben: Diese Möglichkeit hatte sie in Syrien nicht. Doch dafür muss ihre Familie erst einmal beantragen, weiter in Deutschland bleiben zu dürfen, denn die dreijährige Aufenthaltsfrist läuft im Jahr 2019 ab, weiß Hanifa Kunes.

Beim Ausfüllen von Formularen fürs Jobcenter und das Ausländeramt gibt Angelika Meischner, eine Nachbarin aus dem Hausaufgang, immer wieder Hilfestellung. „Sie ist wie eine Mutti und hat uns sofort beim Einzug einen Kleiderschrank überlassen, den sie nicht braucht“, erzählte Hanifa Kunes. Etwas gespendetes Mobiliar aus der Möbelbörse der Bürgerinitiative „Hoyerswerda hilft“ steht nunmehr in der Wohnung.

Rentner Siegfried Hoffmann brachte eine Garderobe, die er übrig hatte. „Ich war nach dem Krieg Flüchtling aus Schlesien und weiß, wie das ist, nicht gewollt zu sein", erzählte der Mann aus seiner Kindheit. Heute hilft der ehemalige Lehrer dem 16-jährigen Adam Kunes bei dessen Vorbereitungen auf die Prüfungen zum Hauptschulabschluss. „Wenn ich den Test gut bestehe, kann vielleicht in die zehnte Klasse wechseln", hofft der älteste Sohn der Familie. Er weiß, dass er nur, wenn er viel lernt, eine gute Zukunft haben wird.

 Hoyerswerda: Siegfried Hoffmann (links) und Angelika Meischner (rechts) helfen Hanifa Kunes, ihrem Sohn Adam und den anderen Familienmitgliedern im Alltag.
Hoyerswerda: Siegfried Hoffmann (links) und Angelika Meischner (rechts) helfen Hanifa Kunes, ihrem Sohn Adam und den anderen Familienmitgliedern im Alltag. FOTO: Katrin Demczenko