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| 16:25 Uhr

Bahn-Geschichte
Letzte Gleisrelikte werden beseitigt

Die letzten Gleisreste der früheren Bahnstrecke Bautzen-Hoyerswerda werden zurzeit bei Niesendorf beseitigt.
Die letzten Gleisreste der früheren Bahnstrecke Bautzen-Hoyerswerda werden zurzeit bei Niesendorf beseitigt. FOTO: Uwe Menschner
Hoyerswerda/Bautzen. Immer weniger erinnert zwischen Bautzen und Königswartha an die frühere Bahnlinie nach Hoyerswerda – jetzt werden zwei weitere Übergänge beseitigt. Eine Spurensuche. Von Uwe Menschner

Was waren das noch für Zeiten, als man von Bautzen aus ohne umzusteigen mit dem D-Zug über Hoyerswerda und Senftenberg bis nach Berlin fahren konnte. In den letzten Jahren der DDR stand dafür sogar der als Fernreisezug ausgemusterte Triebwagen VT 18.16 („Görlitz“), der in Sachen Komfort und Fahrleistung keinen Vergleich zu scheuen brauchte, zur Verfügung.

Doch auch für die Fahrt an den Knappensee boten die Personenzüge, zumeist in Form der legendären Ferkeltaxe, beste Voraussetzungen.

Lange vorbei. Am 30. Mai 1999 rollte der letzte Personenzug von Bautzen nach Hoyerswerda; der letzte Güterzug folgte am 5. Januar 2001. Heute muss jemand schon mit sehr weit geöffneten Augen durch die Landschaft gehen, wenn er noch Spuren dieser Zeit erblicken will. Und es werden immer weniger: In diesen Tagen erfolgt der Abbau der im Straßenbereich noch vorhandenen Gleisanlagen an den früheren Bahnübergängen Cölln (Gemeinde Radibor) und Niesendorf (Gemeinde Königswartha). Für den Autofahrer verschwinden Ärgernisse, für den Eisenbahnfreund seltene Relikte einer lange vergangenen Ära.

Baulastträger ist der Landkreis Bautzen, der auf eine 90-prozentige Förderung aus dem Topf für kommunalen Straßen- und Brückenbau zurückgreifen kann. Laut einem Sprecher sollen die Maßnahmen bis zum Schuljahresbeginn – also bis zum Ende dieser Woche – abgeschlossen sein, damit der Schulbus ab Montag freie Fahrt hat. Im September kommt dann auch noch der Übergangsbereich in Neschwitz an die Reihe.

Doch auch wenn die letzten Gleisrelikte bald verschwunden sein werden, bleiben doch immer noch die teils stattlichen Bahnhöfe als Zeugnis. Beispielsweise der von Radibor, welcher sich seit 2011 in Privatbesitz befindet und als gut erhaltenes und saniertes Wohngebäude präsentiert. Und mehr noch: Ein 2016 gegründeter Verein bemüht sich, den Bahnhof als Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung als öffentlichen Raum zu erhalten.

Immerhin nicht verwahrlost wirkt der – laut einer Auflistung des Bundesverkehrsministeriums – 2010 von der Deutschen Bahn AG verkaufte Bahnhof in Neschwitz. Auch der Bahnhof und das Stellwerk Königswartha befinden sich in Privatbesitz, eine bauliche Entwicklung ist hier aufgrund der Lage im Außenbereich jedoch schwierig.

In einem traurigen Zustand hingegen präsentieren sich die früheren kleinen Haltepunkte, wie Cölln, Quoos und Zescha: Letzterer ist völlig zugewachsen und für einen Ortsunkundigen kaum noch auffindbar.

Eisenbahnbetrieb findet in Form von Güterverkehr nur noch auf dem kurzen Teilstück zwischen dem Kaolinwerk Caminau, das über ein eigenes Anschlussgleis verfügt, und Knappenrode statt.