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| 03:06 Uhr

Studentin erforscht Spuren eingesperrter Landsleute im Lager Elsterhorst

Emelie Devrainne entdeckt Lausitzer Geschichte.
Emelie Devrainne entdeckt Lausitzer Geschichte. FOTO: Sascha Klein
Hoyerswerda. Emilie Devrainne hat eine historische Aufgabe zu erledigen: Die 22-jährige Französin wird in den kommenden drei Monaten die Inhalte der Ausstellung des Lagers Elsterhorst ins Französische übersetzen. Die junge Frau, die in Lille Übersetzungswissenschaften studiert, taucht in die Geschichte des Lagers ein – und damit auch in die Historie ihrer Familie. Sascha Klein

Emilie Devrainne vertieft sich montags bis freitags in die Geschichte des Lagers Elsterhorst. Zwischen 1939 und 1945 waren dort Hunderte Kriegsgefangene inhaftiert, ab 1940 auch viele französische Offiziere. Die 22-Jährige, deren Eltern nahe Paris wohnen, ist eher über Umwege nach Hoyerswerda gekommen. "Ich brauche für mein Master-Studium ein Praktikum", sagt Emilie Devrainne. "Ein Bekannter in Görlitz hat mir geschrieben, dass es in Hoyerswerda eine Möglichkeit gibt." So hat sie sich in der Zuse-Stadt beworben - und ist nun mitten in der Lausitz.

An ihrem Arbeitsplatz in den Räumen der ZooKultur in der Lausitzhalle stapelt sich das Papier. Elke Roschmann vom Stadtmuseum habe ihr einen ganzen Kasten voller Unterlagen vorbeigebracht - viele in Französisch.

Deutsch ist kein Problem

Diese soll sie dann ins Deutsche übersetzen. So hofft auch das Stadtmuseum, an neue Informationen zum Lager Elsterhorst zu kommen. "Ich habe kein Verständnisproblem mit den deutschen Texten", erzählt Emilie Devrainne. Nur bei manchen deutschen Begriffen muss sie schon überlegen, wie sie sie ins Französische übersetzt. "Entlausungsstation" sei so eines. Trotz solcher Wortungetüme steht ein Ziel: Sie soll es möglich machen, dass sich auch französischsprachige Gäste über das Lager informieren können.

Dabei ist das Arbeiten in Deutschland auch ein Stück Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte. In Görlitz sei einst ihr Großvater während des Zweiten Weltkriegs gefangen gehalten worden. Er habe bei einer Bauern-Familie arbeiten müssen, so Emilie Devrainne. Nach dem Krieg habe er das Thema gemieden, nicht viel erzählt über die Zeit in Deutschland. Im Jahr 2004 ist er gestorben. Die 22-Jährige würde gerne mehr herausbekommen über die Jahre ihres Großvaters in der Lausitz. Ob es ihr gelingt, weiß sie nicht.

Die Studentin wohnt für die Zeit ihres Praktikums in Geierswalde. Bei der Suche nach einer Bleibe hatte die 22-Jährige einige Probleme. Als Rollstuhlfahrerin braucht sie besondere Voraussetzungen. Sie leidet seit ihrer Geburt an einer Muskelkrankheit. Die Welt erkundet sie trotzdem - jetzt die Lausitz: "Die Krankheit hat mich nie gehindert, meine Sachen zu machen", sagt sie. Skifahren sei nur ein Beispiel. Unter anderem hat sie bereits zwei Semester an der Bochumer Ruhr-Universität studiert. Emilie Devrainne mag Deutschland, kann sich vorstellen, später im Land zu leben und zu arbeiten. Am Liebsten würde sie als Übersetzerin in einem Unternehmen tätig sein.

Neue Ausstellung

Am heutigen Dienstag wird sie zunächst mit dem Lager Elsterhorst konfrontiert. Ab 15 Uhr, innerhalb der Reihe "Dienstags im Stadtmuseum", können sich alle die neue Ausstellung ansehen. Der Eintritt kostet 4,50 Euro, ermäßigt drei Euro. Treffpunkt ist vor der Nardter Landesfeuerwehrschule. Während der Ausstellung wird Emilie Devrainne vom Leid ihrer Landsleute Anfang der 1940er-Jahre erfahren. Ihnen gibt sie jetzt durch ihr Wirken eine Stimme.

www.elsterhorst.de