Von Christine Keilholz

Was kommt nach der Braunkohle? Eine Antwort darauf hat Stephan Rohde auch noch nicht. Aber Ideen gibt es viele. Schon 500 Vorschläge für Förderprojekte seien aus der Region gekommen. Das konnte der Revierbeauftragte der sächsischen Staatsregierung am Dienstagabend in Spreetal verkünden. „Daraus müssen wir jetzt die auswählen, die Aussicht auf Förderung haben“, sagte Rohde.

Zum Informationsabend über die Strukturentwicklung hatte der Revierbeauftragte eingeladen. Die Strukturhilfen, die die Bundesregierung Ende Mai für die Braunkohlereviere angekündigt hat, müssen dem Publikum in den Regionen bekannt gemacht werden. Vor allem die damit verbundenen Chancen für Unternehmen und Gemeinden, am Geldsegen aus Berlin teilzuhaben.

Gekommen waren dann doch mehr Bürgermeister als Bürger in die Grundschule Burgneudorf. Ein breites Publikum stellte sich in Burgneudorf nicht ein.

 Der Strukturwandel ist im Konkreten eher Sache der Verwaltungsebenen. Es sind die Profis, die sich für Eckwerte, Maßnahmengesetze und Planungsbeschleunigung interessieren.

Um das Geld aus dem 40 Milliarden Euro schweren Hilfsfonds der Bundesregierung für die Braunkohlereviere in die Region zu holen, braucht es förderfähige Projekte – und damit zunächst Förderanträge. Die erfolgversprechend auszufüllen, ist Aufgabe der Rathäuser. Dort hofft man nun auf die Unterstützung des Freistaats. „Helfen Sie uns in dieser Situation“, sagte Spreetals Bürgermeister Manfred Heine. Da konnte Rohde beruhigen. Die schwarz-rote sächsische Staatsregierung hat ein Sofortprogramm aufgelegt, das die Förderung des Bundes mit Landesmitteln flankiert.

Es sei ja schon einiges im Gange, betonte Birgit Weber, die als Beigeordnete den Kreis Bautzen in der Runde vertrat. Wie die Big Battery in Schwarze Pumpe. Der gigantische Stromspeicher, den die Leag dort bis 2020 entwickeln will, ist Vorzeigeprojekt des Strukturwandels geworden. Noch ist die Anlage, die einst 50 Megawatt Strom speichern soll, im Anfangsstadium. Aber bis Ende des Jahres soll auf dem Kraftwerksgelände etwas zu sehen sein, sagte Frank Mehlow, Leiter Energiewirtschaft der Leag. Der zeigte sich enttäuscht, dass es jüngst mit der Ansiedlung eines Instituts für Batteriezellen-Forschung in der Lausitz nicht geklappt hat. Den Zuschlag bekam in der vergangenen Woche Münster. „Damit ist ein Thema von Technologieführerschaft erstmal in einem anderen Teil Deutschlands angesiedelt“, sagte Mehlow.

Zwischen den 60 Leuten im Speisesaal der Grundschule waren etliche Stühle frei. Der Abend hier war der Abschluss einer Reihe von Runden in der Lausitz und im Leipziger Südraum. Gegenüber früheren Abenden hat das Interesse nachgelassen – im März waren in Hoyerswerda noch mehr als 100 Interessierte dabei.

Alles in allem hörte man an diesem Abend in der fröhlich-farbig angestrichenen Schule öfter das Wort „Strukturbruch“ als Strukturwandel. Der Kohleausstieg ist auch in Spreetal mit mehr Sorge verbunden als mit Hoffnung. Der Revierbeauftragte Sachsens versuchte dennoch wacker, Euphorie zu verbreiten: „Die Chancen waren nie größer als jetzt, aus der Lausitz das zu machen, was Sie schon 1990 daraus machen wollten.“