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| 10:23 Uhr

Sanierung Lausitzer Platz
Strom-Ärger auf Hoyerswerdas Wochenmarkt

 Verärgert, weil die Stromanschlüsse in der Planung nicht berücksichtigt wurden: Gemüse-Verkäufer Frank Mögel (46) zeigt den Stellplan, den er im Januar von der Stadt erhielt.
Verärgert, weil die Stromanschlüsse in der Planung nicht berücksichtigt wurden: Gemüse-Verkäufer Frank Mögel (46) zeigt den Stellplan, den er im Januar von der Stadt erhielt. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Zu wenig Stromanschlüsse, falsche Steckdosen, geklaute Verlängerungskabel: Der Start von Hoyerswerdas Wochenmarkt am neuen Standort begann etwas chaotisch. Von Rita Seyfert

Drunter und drüber ging es am Dienstagmorgen auf Hoyerswerdas Wochenmarkt. Wegen falscher Stromanschlüsse und eines gestohlenen Verlängerungskabels funktionierte die Aufstellordnung nicht mehr. Die Marktleitung musste die Stellflächen teils neu organisieren.  

Da der Lausitzer Platz neue Betonplatten bekommt, wurde der Standort bis August verlegt. Seit Dienstag findet der Markt dienstags, donnerstags und sonnabends auf der Mehrzweckfläche zwischen Lausitz-Center und Lausitzhalle statt.

Asia-Mann Thomas Tuan (53) verlor gleich am ersten Tag die Nerven und haute mit seinem Imbiss-Wagen wieder ab. Da er zu spät auf dem Markt erschien, war sein Stellplatz von einem anderen Händler belegt. Dann das: Sein Kabel war zu kurz, die Steckdose nicht kompatibel. „Ich brauche Kraftstrom“, sagt er. Den Fehler sieht er bei der Stadt: „Wir wurden nicht richtig informiert.“

 Asia-Mann Thomas Tuan (53) baute seine Imbiss-Bude gar nicht erst auf, weil er die falschen Stromkabel hatte. Blumen-Verkäuferin Mandy Ritscher (42) von der Gärtnerei Mehlhose aus Weißenberg fand den Markttag hingegen ganz entspannt.
Asia-Mann Thomas Tuan (53) baute seine Imbiss-Bude gar nicht erst auf, weil er die falschen Stromkabel hatte. Blumen-Verkäuferin Mandy Ritscher (42) von der Gärtnerei Mehlhose aus Weißenberg fand den Markttag hingegen ganz entspannt. FOTO: LR / Rita Seyfert

Gemüsehändler Frank Mögel (46) findet noch drastischere Worte: „Das ist eine Katastrophe“, sagt er. Den Stellplan erhielt er im Januar mit der Post. Die benötigten Stromstärken der Händler blieben darin aber unberücksichtigt. Deswegen durfte er Dienstagmorgen nicht auspacken. Denn die Stände mussten umgerückt werden. „Dafür habe ich kein Verständnis. Morgens zählt jede Minute“, sagt er. Aus seiner Sicht hätte die Stadt längst fragen können, wer welche Stromanschlüsse braucht. „Das gehört zur Planung.“

Einen weiteren Nachteil sehen die Händler darin, dass sie nicht mehr auf dem Markt parken dürfen. Gemüsehändler Mögel beispielsweise bangt um seine Tomatenpflanzen aus dem Gewächshaus. „Die würden morgens bei minus zwei Grad erfrieren“, sagt er. Deswegen fuhr seine Frau gegen zehn Uhr vor und lud die Gemüsepflanzen aus. „Die Ordnungsamt-Leute haben den Transporter gleich fotografiert.“ Nun sei er gespannt auf das nächste Schreiben von der Stadt. „Hier wird nur schikaniert.“

 Viele Kunden haben den Suppen-Mann Jens Müller (50) und seine Kesselsuppe am Dienstag lange gesucht. Mit seiner Gulaschkanone steht er jetzt kurz vor der Stadtpromenade.
Viele Kunden haben den Suppen-Mann Jens Müller (50) und seine Kesselsuppe am Dienstag lange gesucht. Mit seiner Gulaschkanone steht er jetzt kurz vor der Stadtpromenade. FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch Suppen-Mann Jens Müller von Renés Gulaschkanone hätte seinen Pkw lieber direkt am Stand. „Ich musste alle Kisten auf den Boden stellen. Das sieht aus wie bei den Russen“, schimpft er. Außerdem orientieren sich seine Stammkunden an seinem Auto. Nun bangt er, dass er nicht mehr gefunden wird. „Die Laufkundschaft wird nicht umgeleitet. Auf dem Lausitzer Platz fehlt die Werbung.“

Nicht nur die Händler, auch Marktleiterin Martina Opitz (62) und ihre drei Mitarbeiter vom Bürgeramt Hoyerswerda brauchten zum Auftakt starke Nerven. „Wir dachten, dass wir für die Stromversorgung die Anschlüsse aus den Pollern nehmen können“, sagt sie. Ein Irrtum.

 Ostereier-Nachschub! Verkäuferin Lidwina Fenger (70) vom Eierhandel aus Bernsdorf legt nochmal Ware nach. In der Woche vor Ostern hat sie gut Lachen. „Wir sind zufrieden, der Umsatz war super.“
Ostereier-Nachschub! Verkäuferin Lidwina Fenger (70) vom Eierhandel aus Bernsdorf legt nochmal Ware nach. In der Woche vor Ostern hat sie gut Lachen. „Wir sind zufrieden, der Umsatz war super.“ FOTO: LR / Rita Seyfert

Was auf dem Lausitzer Platz funktionierte, erwies sich auf der Mehrzweckfläche als Problem. Die vier Poller zentrieren sich nur im vorderen Drittel des Marktes. Dadurch verteilen sich die Händler ungleichmäßig. Außerdem reichen die Stromanschlüsse nicht aus. Mehr noch: Die vorhandenen Drehstromanschlüsse (CEE32 und CEE16) sind eigentlich nicht für den Marktbetrieb gedacht sind. Doch Schuko-Steckdosen fehlen.

Um die Stromversorgung sicherzustellen, holte sich die Stadt vor etwa zwei Wochen Hilfe von der Elektrofirma Jando aus Hoyerswerda. Elektromeister Bernd-Jörg Jando: „Wir haben am Freitag vier Verteilerstromkästen mit verschiedenen Steckdosen-Varianten aufgestellt.“

Wie die Stadt mitteilte, musste aber am Montagmorgen festgestellt werden, dass Diebe das 30 Meter lange Hauptzuführungskabel gestohlen hatten. Damit der Markt einen Tag später trotzdem starten konnte, scheute die Stadt Hoyerswerda nach eigenen Angaben weder Kosten noch Personal. Die Lösung für die nächsten vier Monate ist demnach mit erheblichem Mehraufwand verbunden.

Stadt-Sprecher Bernd Wiemer: „Kurzfristig wurden flexible Stromanschlüsse vorbereitet“, sagt er. Damit die Verteilerkästen wegen Diebstahls nicht wöchentlich nachgerüstet werden müssen, soll die Technik an den Wochenmarkttagen immer morgens aufgebaut und angeschlossen und abends wieder abgebaut und weggeräumt werden.