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Lauta
Entscheidung unklar: Wer bekommt das Kinderwochenheim?

Das frühere Kinderwochenheim in Lauta steht zum Verkauf. Drei Interessenten gibt es - aber noch keine Entscheidung des Stadtrats.
Das frühere Kinderwochenheim in Lauta steht zum Verkauf. Drei Interessenten gibt es - aber noch keine Entscheidung des Stadtrats. FOTO: Anja Guhlan
Lauta. Das frühere Kinderwochenheim wird verkauft. Drei Bieter gibt es. Noch ist sich der Stadtrat unsicher. Bekommt ein bestimmter Investor den Zuschlag, schlägt der DRK-Ortsverband Alarm. Von Anja Guhlan

Ein Objekt. Drei Bieter. Und drei unterschiedliche Projektideen, die es in der Stadt Lauta bisher so noch nicht gibt. In der jüngsten Stadtratssitzung am vergangenen Montagabend wurden erstmals alle drei Projektideen vorgestellt. Eigentlich mit dem Ziel das Objekt des ehemaligen Kinderwochenheims an einen der Bieter zu veräußern. Doch sowohl neue Erkenntnisse eines Bieters  als auch die größere Bedenkzeit, die sich die Stadträte einforderten, um eine  Entscheidung treffen zu können, mündeten in eine Vertagung des Beschlusses. Zu unsicher fühlten sich die Stadträte noch und stellten noch offene Fragen an die drei anwesenden Bieter.

Mehrgenerationswohnen: Steffi und Andreas Vetter aus Leippe wollen das ehemalige Kinderwochenheim zu einem Mehrgenerationswohnhaus umbauen. Als Prinzip der gegenseitigen Unterstützung von Jung und Alt sollen in dem Objekt, für das 40 000 Euro als Kaufpreis geboten wurden, fünf Wohnungen für Familien und Paare, 14 Wohnungen für Singles und Ältere sowie Gemeinschafts- und Sozialräume zum gemeinsamen Aufenthalt entstehen. Auch die Integration eines Pflegedienstes ist vorgesehen. Auf den Außenanlagen sollen Privatgärten, ein Spielplatz sowie eine Parkanlage entstehen. Das Gesamtinvestitionsvolumen wird auf bis zu 800 000 Euro geschätzt und soll in etwa fünf Jahren realisiert sein. Stadträte wie Elke Förster (Die Linke) sind skeptisch: „Die Stadt weist schon so einen hohen Leerstand an Wohnraum auf“, sagt sie und fragt die Bieter, ob den schon Mietanfragen vorliegen.  Auch Stadtrat Lothar Kusche (Freie Wähler) interessierte sich dafür. Steffi Vetter verneint. Auch auf die Frage von Stadtrat Andreas Weber (CDU), ob die Finanzierung bereits geklärt sei, muss Steffi Vetter den Kopf schütteln. „Die Finanzierung ist noch nicht abgesprochen. Dazu muss bei den Banken ein konkreter Businessplan eingereicht werden. So weit sind wir noch nicht. Wir handeln mit einem Risiko.“

Gesundheitszentrum: Die Bieterin Dr. Elisabeth Petsch möchte in dem ehemaligen Kinderwochenheim für einen Kaufpreis von 37 000 Euro ein Gesundheitszentrum mit drei verschiedenen Arztpraxen sowie einer Tagespflege und Physio- und Ergotherapie errichten. Anders als bei dem Ehepaar Vetter hat Petsch bereits konkrete Mieter vorzuweisen. Jedoch  handelt es sich bei den Mietern um keine Ansiedlung neuer Ärzte, sondern um eine Verlagerung von Arzträumen aus dem Stadtgebiet heraus. Zudem liege noch keine Einwilligung der Kassenärztlichen Vereinigung vor, da auch der Antrag zur Verlagerung von Arztpraxen erst gestellt werden kann, sobald ein konkretes Objekt vorliegt. Elisabeth Petsch möchte die Arztpraxen möglichst zum Jahr 2019 fertiggestellt bekommen und rechnet zunächst mit einer Investitionssumme von 150 000 Euro. Für Stadträtin Elke Förster (Linke) bedeutet auch dieses Konzept lediglich eine Verlagerung der Probleme. Sie hätte sich einen Neuzugang eines Hausarztes gewünscht, der tatsächlich gebraucht wird. Auch verwies sie darauf, dass es ein ähnliches Projektvorhaben schon mal im ehemaligen BuDZ-Gebäude  in Lauta gab und dieses auch scheiterte.

Hundezentrum Dogwerk: Der Lautaer Martin Geyer möchte weiterhin in dem ehemaligen Kinderwochenheim ein Hundezentrum im Lausitzer Seenland mit Pension und Tagesstätte sowie Schulungszentrum zur Erziehung und Ausbildung von Hunden errichten und bietet für den Kauf 35 000 Euro. Sein Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 350 000 Euro und soll in etwa zwei Jahren realisiert sein.  Sein Konzept wurde bereits öffentlich vorgestellt und erhält aus der Bevölkerung heraus sowohl Befürworter als auch Gegner.

Besonders das DRK, der derzeitiger Mieter in dem Objekt ist, dürfte sich über das Kaufangebot von Martin Geyer am wenigsten freuen. Geyer sieht bei seinem Konzept einen Auszug des DRKs in andere Räumlichkeiten für notwendig an. Während die anderen Bieter die Möglichkeit sehen, dem DRK innerhalb es Gebäudes Räume gegen Mietzahlungen zuzuweisen. Der Vorsitzende des DRK-Ortsverbandes Dietmar Lehmann machte in der jüngsten Stadtratssitzung klar, dass derjenige Bieter beim Kauf des Objektes „das DRK mit dazu kaufe“. Einen Umzug in die ehemalige Nordschule hält Lehmann für noch nicht realisierbar. Der Vorsitzende drohte mit den Worten „Dann gibt es richtig Ärger“ bei einem möglichen Verkauf auch mit einer Teil- oder Komplettauflösung des Ortsverbandes.

Der Ältestenrat der Stadt Lauta hatte sich kürzlich für die Veräußerung an Steffi und Andreas Vetter ausgesprochen. Doch am Ende entscheidet der Stadtrat. Die Räte wollen in einer der nächsten Sitzungen über das Vorhaben entscheiden.