| 17:54 Uhr

Hoyerswerda
Strategie für Kleingarten-Problem

Ein Bild, wie es in der Zukunft immer häufiger in den Kleingartensparten rund um Hoyerswerda auftauchen wird: Nicht mehr bewirtschaftete Parzellen, hier in der Sparte „Energiequelle“.
Ein Bild, wie es in der Zukunft immer häufiger in den Kleingartensparten rund um Hoyerswerda auftauchen wird: Nicht mehr bewirtschaftete Parzellen, hier in der Sparte „Energiequelle“. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Um den zunehmend anwachsenden Leerstand in den Gartensparten in den Griff zu bekommen, schlagen Kleingärtner Natur-Garten-Park-Zonen vor.

Die Kleingärtner aus Hoyerswerda und Umgebung suchen weiter nach Konzepten gegen den drohenden Leerstand in den Gartensparten der Region. Auch wenn derzeit in den Gärten Winterruhe herrscht, dürfen die Überlegungen für die Zukunft der Kleingärten in der Zuse-Stadt nicht ruhen. Das meint zumindest Werner Kirmer, Vorstandsmitglied im Verband der Kleingärtner Hoyerswerda und Umgebung (VKH). „Unser Verband setzt sich für eine sozialverträgliche Anpassung der Kleingartenflächen an den künftig sinkenden Bedarf ein“, sagt er.

Der Verband VKH vertritt immerhin 55 Gartensparten mit zirka 3500 Kleingärten in der Region. Doch die Sparten haben zunehmend ein Problem: Die große Mehrheit der Gartenbewirtschafter sind Rentner und zunehmend im hohen Alter. „Es ist also absehbar, dass vermehrt Gärten aufgegeben werden müssen - und nicht überall steht ein Nachnutzer bereit“, erklärt Werner Kirmer.

Um die gewünschte sozialverträgliche Anpassung der Kleingartenflächen erreichen zu können, ist nun vor allem die Stadt Hoyerswerda gefragt, die planerisch zuständig ist, eine für alle Vereine gültige Kleingartenstrategie zu erarbeiten. Diese soll über das Bund-Länder-Programm der Städtebauförderung „Zukunft Stadtgrün“ finanziert werden - allerdings erst ab 2022, so besagt es der Entwurf der Maßnahmeplanung des fortgeschriebenen Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes „Stadtumbau Hoyerswerda 2016“.

Als Vorarbeit hat jeder Verein Zahlenmaterial zu seiner aktuellen Situation und dem geschätzten Bedarf an Gärten in etwa 15 Jahren einzureichen, erklärte Werner Kirmer. Reagiert haben auf diesen Aufruf bisher nur wenige Vereine. Ein Vorreiter dabei ist die Sparte „Energiequelle“ im Westen von Hoyerswerda.

Schon 2016 haben die 184 Mitglieder dieses Vereins, viele sind Rentner, selbst ein Konzept für die künftige Nutzung ihrer Gärten entwickelt. Es fußt auf dem Alter aller Kleingärtner und den jährlichen Neuverpachtungen, erklärt Vereinsmitglied Arnulf Losse. Von den gut 180 Gärten wurden zehn bisher an die Stadt Hoyerswerda zurückgegeben, 16 stehen zum Verkauf und jährlich finden sich für etwa fünf Gärten neue Pächter. „Im Jahr 2025 werden in unserem Verein wohl noch 90 Gärten bewirtschaftet“, schätzt Losse ein.

Diesen Rückgang wollen die Mitglieder des Vereins bewusst gestalten. Gärten am Rand der Sparte, die von Senioren bewirtschaftet werden, könnten mit deren Ausscheiden in Parkplätze umgewandelt werden. Schon aufgegebene zusammenhängende Parzellen innerhalb der Sparte müssen beräumt werden, denn dort sollen Natur-Garten-Park-Zonen entstehen, so die Idee der „Energiequelle“-Gärtner. Die freien Grünflächen könnten als Bienenweide genutzt werden, das Halten von Schafen oder Kleintieren wäre auch möglich, sagt Arnulf Losse.

Zu zahlen hat die Beräumung eines Gartens normalerweise der Pächter, aber nicht jeder kann diese Arbeiten selbst erledigen oder hat Geld, eine Firma zu beauftragen. Auch deshalb soll der Natur-Kleingarten-Park entstehen und über eine Stiftung finanziert werden. „Alle Sparten hinter der Heckert-Siedlung und dem Tausend-Mann-Lager sollten einbezogen werden und die Stiftung könnte dann auch für den Abriss von Lauben Fördergeld beantragen“, so Arnulf Losse. Auch für die Finanzierung haben die Kleingärtner erste Vorstellungen: Wenn man aus den Pachteinnahmen die Hälfte für diesen Zweck zurückstellt, könnte der Natur-Kleingarten-Park finanziert werden. Verpächter sind neben der Stadt Hoyerswerda allerdings auch private Eigentümer und die evangelische Kirche. Ob es dort Einverständnis für solch ein Modell gibt, ist nicht geklärt.

Auf seinen Vorschlag hat Kleingärtner Arnulf Losse bislang noch keine Reaktion von der Stadt Hoyerswerda bekommen. Er hofft, dass das Nachdenken im Fluss bleibt: Wichtig ist ihm, dass alle Pächter miteinander reden, denn nur dann kann die Idee vielleicht verwirklicht werden.