ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:57 Uhr

Infrastruktur Hoyerswerda
Der Norden braucht einen langen Atem

FOTO: LR / Katrin Janetzko
Hoyerswerda. Die B 97 ist die wichtigste Verkehrsachse Richtung Dresden. In der Region Hoyerswerda hoffen die Verantwortlichen auf einen Ausbau. Die RUNDSCHAU hat beim zuständigen Ministerium nachgefragt. Es tut sich etwas. Aber auch genug? Von Sascha Klein

Noch ist es ein Traum: Eine Familie fährt mit ihrem Auto auf der A 4 in Hermsdorf von der Autobahn und freut sich auf ihren Urlaub im Lausitzer Seenland. Jetzt sind es für Mutter, Vater, Kind und Hund nur noch knapp 50 Kilometer bis ins Lausitzer Seenland. Sattelzug voran? Kein Problem. Alle paar Kilometer tut sich auf der B 97 eine dritte Spur auf. Überholen ist kein Problem – selbst auf der sonst leidigen Strecke durch die Königsbrücker Heide. Das touristische Leitsystem führt schon früh Richtung Geierswalder See, Partwitzer See, Scheibe-See, Bärwalder See. Es ist ein entspanntes Fahren und ein noch entspannteres Ankommen.

So oder so ähnlich sehen die Hoffnungen derjenigen aus, die sich in der Region für einen Ausbau der B 97 Richtung Dresden einsetzen. Und das nicht nur für Touristen, sondern auch für die vielen Pendler, die Tag für Tag diese Route nutzen. Ebenso könnte eine bessere Verkehrsanbindung auch ein Argument für Unternehmen sein, sich im Norden des Kreises Bautzen anzusiedeln.

Um die Region Hoyerswerda zu stärken, hat es sich der Landkreis Bautzen auf die Fahnen geschrieben, mehr für die Infrastruktur zu tun – auf der Straße wie auf der Schiene. Das Kernprojekt ist dabei die B 97. Das bedeutet nach Landkreis-Angaben „vollständiger Ausbau der B 97 auf sächsischer Seite“. Auch die Hoyerswerdaer Verwaltung wünscht sich diesen Ausbau. Oberbürgermeister Stefan Skora hat jüngst bei Facebook sogar ins Spiel gebracht, Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) solle dieses Projekt zur Chefsache machen. Doch wie stellt sich Hoyerswerda das konkret vor?

„Wir stellen uns vor, dass die Straße ähnlich der Bundesstraße zwischen Spremberg und Cottbus Überholstreifen wechselseitig auf den Richtungs-Fahrbahnen anbietet (abschnittsweise dreispuriger Ausbau)“, teilt die Stadtverwaltung auf RUNDSCHAU-Nachfrage mit. Sicherlich liege die B 97 von der Verkehrsbelastung an der unteren Grenze, nach welcher ein solcher Straßenausbau seitens der Normengeber vorgesehen ist, heißt es aus dem Hoyerswerdaer Rathaus weiter.

Die B 97 habe jedoch „für die Anbindung an die Landeshauptstadt eine hohe Verbindungsfunktion und wird zur Verringerung der Reisezeiten zwischen beiden Städten in entsprechender Ausbauqualität eingefordert“, so die Stadtverwaltung Hoyerswerda. Und nun der Knackpunkt: „Der derzeitige Zustand der B 97, insbesondere auf den Abschnitten zwischen Großgrabe und Ottendorf-Okrilla ist für heutige Verkehrsanforderungen nicht geeignet.“

Das ist der Ist-Stand: Die B 97 ist derzeit durchgehend zweispurig. Das bedeutet: Wer entweder zwischen Hoyerswerda und Bernsdorf oder zwischen Großgrabe und Ottendorf-Okrilla hinter einer Lastwagen-Kolonne hinterher fährt, wünscht sich dringend eine zwischenzeitliche Überholspur. Für das Projekt zuständig ist das Sächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Deren Aussage: Derzeit gibt es in Sachen B 97 tatsächlich „nur“ genaue Planungen für die Ortsumgehung Ottendorf-Okrilla. Derzeit findet das Vergabeverfahren für die Voruntersuchungen statt. Das Ziel: Das Finden einer Vorzugsvariante. Mit ersten Ergebnissen dazu sei im zweiten Halbjahr 2019 zu rechnen.

Für den weit größten Teil der B 97 werde ein „regelgerechter Ausbau“ angestrebt, heißt es aus dem Ministerium. Der sei jedoch auf keinen Fall vierstreifig. Das würden die aktuellen Verkehrszahlen von etwa 5000 Autos pro 24 Stunden nicht hergeben. Was das Ministeriums zudem anmerkt: Aufgrund des hohen Eingriffspotenzials an der B 97 sei mit Widerständen jeglicher Art des Ausbaus zu rechnen. Das bedeutet: Jeder Widerstand verzögert einen möglichen Ausbau weiter. Die Folge: Bis es zu einem durchgehenden Ausbau der B 97 Richtung Dresden kommt, können viele Jahre vergehen. Auch die Stadtverwaltung Hoyerswerda rechnet aufgrund heutiger Planungszeiträume eher nicht mit einem Ausbau bis 2025, betont jedoch: „Trotzdem sollte man sich fest die Forderung auferlegen, diese Angelegenheit bis 2030 im Wesentlichen realisiert zu haben.“ Was das Verkehrsministerium zurzeit plant: Für den Ausbau der B 97 zwischen Großgrabe und Schwepnitz werde derzeit für den Abschnitt zwischen der S 93 und Großgrabe der Vorentwurf erstellt.

Eine weitere Forderung, die es im Norden des Landkreises länger als den bestehenden Landkreis gibt: eine schnellere Anbindung an die Autobahn A 13 bei Ruhland. Das Verkehrsministerium in Dresden hat jetzt noch einmal auf RUNDSCHAU-Nachfrage betont: Einen Autobahnanbinder B 96n wird es nicht geben. Dieses Projekt sei zum Bundesverkehrswegeplan 2030 nicht mehr angemeldet worden, weil zum einen der Verkehr in der Region abgenommen hat, zum anderen aber vor allem auf Brandenburger Seite die Kosten aufgrund von Bergbau-Altlasten extrem gestiegen wären.

Die Alternative zu einem Autobahnanbinder ist für das Ministerium nun die Ertüchtigung der S 92 (in Brandenburg die L 57), die von Bernsdorf über Wiednitz und Guteborn nach Ruhland zur Autobahn führt. Was zurzeit passiert: Das Landesamt für Straßen und Verkehr (LaSuV) ist damit beauftragt, eine Vorplanung durchzuführen. Betrachtet werden dabei die vorhandene Strecke und drei Neubauvarianten. Dafür gebe es bereits eine Machbarkeitsstudie, so das Ministerium.   Sollte es zu dieser Variante kommen, müsste jedoch die Ortsdurchfahrt Bernsdorf entlastet werden. Auch bei diesem Projekt ist demnach nicht klar, ob und wann es womöglich realisiert werden kann.

Das Fazit: Die Region kann frühestens in zehn bis 15 Jahren auf spürbare Verbesserungen bei der Infrastruktur zu den Autobahnen 4 und 13 hoffen.