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Storchenvorkommen im Sinkflug

Majestätisch: Leider ist dieses Bild auch in Ostsachsen immer seltener zu sehen. Der Storch findet zu selten Futter für die Aufzucht der Jungen.
Majestätisch: Leider ist dieses Bild auch in Ostsachsen immer seltener zu sehen. Der Storch findet zu selten Futter für die Aufzucht der Jungen. FOTO: dpa
Hoyerswerda/Wartha. Im Storchenland Lausitz gibt es immer weniger Adebare. Auch im Bereich Hoyerswerda wird das Fehlen von Tieren langsam spürbar. Sascha Klein

Die Nachrichten, die Marko Zischewski zu verkünden hat, sind nicht gerade ein Grund zur Freude. Der ehrenamtliche Regionalbetreuer der Weißstörche in der Region Hoyerswerda registriert immer weniger Störche und immer weniger Nachwuchs. "Die Entwicklung ist schon erschreckend", sagt er auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Auch in diesem Jahr ist damit zu rechnen, dass die Storchenpopulation insgesamt zurückgeht. Genaue Zahlen liegen Zischewski noch nicht vor. Aber der Trend sei klar erkennbar, sagt der Storchenexperte.

In diesem Jahr hat den Storcheneltern unter anderem das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht: Zuerst war es zu trocken, dann kamen teils sintflutartige Regenfälle - die Eltern haben schlicht nicht genug Futter gefunden, um ihre Jungen durchzubringen.

Die Witterung sei jedoch nur ein Punkt, sagt Marko Zischewski. Das vielleicht größere Problem liege in der modernen Landwirtschaft. Früher seien Flächen oftmals kleinbäuerlich bewirtschaftet worden. Das bedeutet unter anderem: Es ist regelmäßig Stück für Stück gemäht worden - Störche hatten gute Bedingungen. Heute wird die Wiese komplett gemäht, das Gras zu Silage verarbeitet. Danach wächst das Gras wieder längere Zeit. Was für die Landwirtschaft sinnvoll und wirtschaftlich sei, sei für den Storch schlecht, sagt Zischewski. Es fehle immer öfter an diesen Flächen, auf denen Störche gut Beute finden.

Wo die Storchenwelt in der Region noch nahezu in Ordnung ist, sei das Gebiet in und um Wittichenau. "An der Elsteraue gibt es diese Flächen eben noch, wo der Storch ausreichend Futter findet", sagt Marko Zischewski. Wittichenau, Kotten, Sollschwitz, Liebegast und Saalau: Das seien noch fast ideale Orte für den Adebar. Wobei auch dort Pech dazu kommt - wie auf dem Dach der Wittichenauer Stadtbrauerei. Vier Störche waren dort geschlüpft - kein Jungtier hat überlebt. Das letzte Junge war Ende Juni nach einem heftigen Regen verendet. Doch auch in den vermeintlich storchenfreundlichen Ecken in der Region verzeichnet Marko Zischewski einen Rückzug der schwarz-weiß-roten Glücksbringer - auch im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaften würden Bestände und Nachwuchsraten spürbar zurückgehen.

Muss sich die Lausitz irgendwann damit anfreunden, dass die Störche ganz wegbleiben? Soweit sei es noch längere Zeit nicht, sagt Zischewski. Doch ein weiterer Trend sei auch in der Lausitz erkennbar: Dort, wo ein Horst nicht mehr besetzt werde, bleibe er auf Dauer verwaist. "Das Ziel muss sein, dass zumindest in guten Gebieten die guten Bedingungen für die Störche erhalten bleiben", sagt Storchenexperte Zischewski.

Zum Thema:
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat den Weißstorch als Wappentier gewählt. Stehend ist der Weißstorch etwa 80 Zentimeter hoch und wird 2,6 bis 4,4 Kilogramm schwer. Die Flügelspannweite kann bis zu zwei Meter betragen, die Schnabellänge 14 bis 19 Zentimeter.Der Weißstorch lebt in Teilen Portugals und Spaniens und großen Teilen Mittel- und Südosteuropas. Die nördliche Grenze liegt an der Ostsee. Auch in Teilen Nordafrikas und am Kaspischen Meer ist er vertreten.Störche ernähren sich von Fröschen, Reptilien, Mäusen, Insekten und ihre Larven, Regenwürmern und Fischen.Weißstörche haben Anfang April bis Anfang August Brutzeit. Beide Partner brüten. Die Brutdauer beträgt etwa 33 Tage.