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| 02:53 Uhr

Stolpersteine jetzt auch in Bischofswerda

In dieses kleine Quadrat wird der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig gleich die Stolpersteine zum Gedenken an die Bischofswerdaer Familie Hoffmann einsetzen.
In dieses kleine Quadrat wird der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig gleich die Stolpersteine zum Gedenken an die Bischofswerdaer Familie Hoffmann einsetzen. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Bischofswerda. Zu den insgesamt 55 000 weltweit verlegten Stolpersteinen des Kölner Aktionskünstlers Gunter Demnig sind am vergangenen Sonnabend drei weitere in Ostsachsen hinzugekommen. Sie erinnern an die Bischofswerdaer Familie Hoffmann, die 1942 in das Konzentrationslager Thersienstadt deportiert wurde. Uwe Menschner / ume1

Kurz vor 12 Uhr hat sich vor dem Haus Bischofstraße 15 eine für Bischofswerdaer Verhältnisse doch recht große Anzahl von etwa 50 Interessenten eingefunden. Unter ihnen befindet sich auch der frisch gewählte Oberbürgermeister Holm Große (parteilos), für den der Empfang Gunter Demnigs die erste offizielle Amtshandlung darstellt. Wer allerdings auch eine Viertelstunde nach dem vereinbarten Termin noch fehlt, ist der Künstler selbst. Der Lehrer und Historiker Mathias Hüsni aus dem benachbarten Burkau, der die Lebensgeschichte der Familie Hoffmann erforscht und die Bischofswerdaer Stolpersteinverlegung initiiert hat, versucht Gunter Demnig telefonisch zu erreichen - zunächst vergeblich. "Wahrscheinlich hat er sich bei den vielen Umleitungen verfahren", meint einer der Anwesenden. Tatsächlich ist es für Ortsunkundige derzeit nicht ganz einfach, von der Autobahn nach Bischofswerda zu gelangen. Doch dann die erlösende Nachricht: Gunter Demnig befindet sich im Anmarsch und wird in etwa zehn Minuten eintreffen.

Als der Künstler dann wenige Minuten später tatsächlich eintrifft, hält er sich nicht lange bei der Vorrede auf. Während Mathias Hüsni seine Begrüßungsansprache hält, hat er schon die Steinsäge in der Hand und beginnt, ein kleines Quadrat aus dem Bitumen des Gehwegs herauszuschneiden. Später kommt noch ein Presslufthammer zum Einsatz. Jeder Handgriff des Mannes mit dem breitkrempigen Hut, der sich eher wortkarg und unbeeindruckt von dem Trubel um ihn herum gibt, sitzt und verrät die tausendfache Übung. Noch ein paar kleinere Steine und etwas Sand weggekratzt, und der Platz für die drei Steinblöcke mit dem Messingüberzug, auf dem die Namen und Lebensdaten (soweit bekannt) von Samuel, Friederike und ihrer Tochter Hella eingraviert sind, ist bereitet.

Mathias Hüsni spricht in bewegenden Worten von der jüdischen Familie - wie der Tochter bereits kurz nach Machtantritt der Nationalsozialisten die Flucht nach Brasilien gelang, wie Samuel Hoffmann, nachdem er durch einen Kolbenhieb fürchterlich entstellt worden war, vom Schweizer Roten Kreuz freigekauft wurde und dass das Schicksal von Friederike Hoffmann ungeklärt blieb. "Wir haben versucht, über die brasilianische Botschaft mit Hella Kontakt aufzunehmen, um ihr zu sagen, dass ihre Eltern nicht vergessen worden sind", berichtet Hüsni. Bislang noch ohne Erfolg, aber: "Wir versuchen es weiter." Er erinnert daran, dass es auch "in Großharthau, Burkau und Schmölln jüdische Familien gab und dass in Burkau auf einem Todesmarsch eine Jüdin erschlagen wurde." Bislang sei noch kaum etwas darüber bekannt, "aber das werden wir ändern".

So willkommen wie in Bischofswerda sind die Aktionen von Gunter Demnig allerdings nicht überall - erst einen Tag zuvor musste eine Stolpersteinverlegung in Annaberg-Buchholz kurzfristig abgesagt werden, da sich die Angehörigen der zu ehrenden Opfer dagegen ausgesprochen hatten. Sie sahen in der Verlegung der Steine auf dem Gehweg keine Würdigung, sondern eine weitere Demütigung. Die bayerische Landeshauptstadt München hat die Verlegung auf öffentlichem Grund aus ähnlichen Gründen generell verboten. In Ostsachsen gibt es Stolpersteine bereits in Bautzen, Zittau, Görlitz, Kamenz und Wittichenau.