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| 01:02 Uhr

Stieftochter sexuell belästigt

Hoyerswerda.. Wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen ist gestern ein 42-jähriger Hoyerswerdaer vom Jugendschöffengericht verurteilt worden. Angeklagt war er ursprünglich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern. Mandy Rauch


Der Mann soll zwischen Oktober 1997 und Oktober 2002 die Tochter seiner damaligen Frau mehrmals sexuell belästigt haben. Er habe sich nachts in ihr Zimmer geschlichen und die Schlafende unter dem Nachthemd an Brust und Geschlechtsteilen berührt. Einmal habe er auch eine Freundin seiner Stieftochter belästigt. Zu Beginn des Tatzeitraumes sei das Mädchen 13 Jahre alt gewesen. So hieß es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Die heute 21-Jährige korrigierte im Zeugenstand jedoch den Tatzeitraum. Erst ein Jahr später, nach ihrem 14. Geburtstag, hätten die Übergriffe angefangen. Dadurch änderte sich der Tatvorwurf in sexuellen Missbrauch von Jugendlichen.

Opfer schwieg zunächst
Auf die Frage nach dem Grund für seine Taten erklärte der 42-Jährige, er habe seit mehreren Jahren keinen Geschlechtsverkehr mehr mit seiner Frau gehabt. „Ich wollte nur mal wieder eine Brust berühren.“ Er habe nie die Absicht gehabt, seiner Stieftochter weh zu tun. Außerdem habe er immer aufgehört, sobald sie aufgewacht sei.
Die 14-Jährige erzählte zuerst niemandem von den Übergriffen. „Er hat gedroht, wenn ich jemandem etwas sage, wird mein Pferd wieder verkauft, das ich zum Geburtstag bekommen hatte“ , erinnerte sie sich vor Gericht. „Außerdem hat er jedes Mal versprochen, dass es nie wieder vorkommt.“ Als er im Sommer 2002 auch ihre Freundin belästigte, vertraute sie sich ihrer Mutter an. Mit ihrer Anzeige sei sie damals allerdings „nicht durchgekommen“ , so die 21-Jährige weiter.
Zusätzlich, so die Staatsanwaltschaft, soll der Angeklagte im April 2004 eine 12-jährige Bekannte sexuell belästigt haben. Als sie neben ihm auf dem Sofa saß habe er sie an Po und Brust berührt und sie geküsst.

Teilweise Freispruch
Die 12-Jährige habe an diesem Tag bei ihm ferngesehen, erzählte das Mädchen vor Gericht. Da hätte er angefangen, sie „überall anzufassen“ , sagte das Mädchen aus. „Mir war das unangenehm, aber ich hab nichts gesagt.“ Dann seien andere Leute ins Zimmer gekommen, die den Mann zur Rede gestellt hätten.
In diesem Fall sprach das Gericht den Anklagten allerdings frei. Auf Nachfrage des Richters hatte das Mädchen ausgesagt, dass der Angeklagte sie nicht an die Brust gefasst habe. Nur umarmt habe er sie und an den Po gefasst. Der Kuss sei nur ein flüchtiger Wangenkuss gewesen. Diese Berührungen würden, so Richter Michael Goebel, nicht die Grenze zur strafrechtlichen Relevanz überschreiten. Der Fall sei demnach zwar moralisch verwerflich, aber nicht strafbar.

Täter bleibt in Freiheit
In vier Fällen sah das Gericht den sexuellen Missbrauch von Jugendlichen allerdings als erwiesen an und verurteilte den 42-jährigen Hoyerswerdaer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Die Strafe wurde aufgrund einer günstigen Sozialprognose zur Bewährung ausgesetzt. Er habe eine feste Arbeitsstelle in Aussicht und eine Freundin, die ein Kind erwarte. Strafmildernd wurde die Reue und eine Entschuldigung des Täters gewertet.