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| 01:02 Uhr

Stich-Probe: „Ware ohne Beanstandungen“

Hoyerswerda.. Die Fleisch-Skandal-Welle ist bis nach Hoyerswerda geschwappt. Ein Betrieb in der Zuse-Stadt hat nach Angaben von Dr. Reinhard Schmidt vom städtischen Lebensmittelüberwachungsamt in der Vorwoche rund 2,5 Tonnen Geflügelfleisch aus Berlin geliefert bekommen und vornehmlich zu Döner-Spießen verarbeitet. Der Berliner Großhändler wiederum bezog das Fleisch aus dem Betrieb in Niedersachsen, der verdorbenes Geflügel in den Handel gebracht haben soll. In Hoyerswerda konnte das Lebensmittelüberwachungsamt selbst keine Proben mehr von der Lieferung nehmen. „Das war alles schon weiterverkauft“ , sagt Schmidt. Ein Berliner Labor habe allerdings eine Probe des Fleisch-Pakets untersucht. Danach gebe es „keine Anhaltspunkte für eine mögliche lebensmittelrechtliche Beanstandung“ , so der Amtsleiter. Von Christiane Klein

„Jede Hausfrau sieht, wenn Fleisch schlecht ist. So etwas merkt man doch“ , sagt Reinhard Schmidt und ist überzeugt: Das Fleisch, das in Hoyerswerda weiterverarbeitet wurde, „war sauber“ . Er habe „fernmündlich die Information vom Ministerium bekommen, dass die Ware, die Hoyerswerda von Berlin bekommen hat, ohne Beanstandungen“ sei, betonte der Lebensmittel-Kontrolleur gestern gegenüber der RUNDSCHAU.
Monatlich werde die Hoyerswerdaer Produktionsstätte vom Lebensmittelüberwachungsamt kontrolliert. Dabei habe das Unternehmen „im Rahmen des Durchschnitts gelegen“ . „Fehlerfrei ist niemand“ , so Schmidt. Grund zur Beanstandung habe das Amt zum letzten Mal im Sommer gehabt: ein Kennzeichnungsmangel. „Das ist für den Verbraucher irrelevant. Das hat nichts mit der Qualität der Produkte zu tun“ , betont der Amtsleiter.
Die Schlagzeile einer großen deutschen Boulevard-Zeitung, die gestern titelte „Im Döner-Skandal von Hoyerswerda ermittelt der Staatsanwalt gegen westdeutschen Händler“ , bringe den Chef der hiesigen Dönerproduktionsfirma in echte Schwierigkeiten. „So etwas ist geschäftsschädigend“ , sagt Schmidt. Der betroffene Unternehmer sei gestern bei ihm im Amt gewesen. „Er muss seine Leute nach Hause schicken, weil ein Abnehmer nach dem anderen abspringt“ , erklärte der Amtsleiter. „Es ist traurig, dass ein Betrieb von uns zu leiden hat“ , sagt Schmidt. Er habe sich die neue Fleischlieferung der Firma gestern angeschaut und eine Probe genommen: „Die war heute früh noch tiptop, obwohl sie eine Nacht ohne Kühlung stand.“
Die RUNDSCHAU versuchte gestern vergeblich, den Chef der Dönerproduktion zu erreichen.
Im Gesundheitsamt in Hoyerswerda sei bisher nichts bekannt, was darauf hindeute, dass erstens verdorbenes Fleisch im Handel und zweitens Menschen daran erkrankt seien, erklärte Amtsärztin Dr. Ilona Walter gegenüber der RUNDSCHAU. Sobald jemand mit Symptomen wie Durchfall oder Erbrechen zum Arzt gehe, würden Stuhlproben untersucht. „Wenn wir bestimmte Bakterien finden, schwärmen unsere Mitarbeiter aus und untersuchen eventuell weitere Betroffene“ , so Walter. In solchen Fällen werde so schnell wie möglich geklärt, woher die Infektion kommt. In den vergangenen Tagen und Wochen seien allerdings keinerlei solcher Krankheitsfälle im Amt gemeldet worden.

Hintergrund Der Fleischskandal
 Am Montag war bekannt geworden, dass auch Sachsen von dem niedersächsischen Fleischskandal betroffen ist. Ein Geflügelvermarkter aus dem niedersächsischen Lastrup bei Cloppenburg wird verdächtigt, tiefgefrorenes Fleisch aufgetaut und als Frischfleisch in den Handel gebracht zu haben. Zudem soll beanstandete Ware wieder eingefroren und anschließend erneut als frisches Produkt angeboten worden sein. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstoßes gegen Lebensmittelgesetze. Der Rechtsanwalt des Unternehmens wies die Vorwürfe zurück. (ddp)