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Steinzeitkunst aus Europa ist ab heute in Kamenz zu sehen

Julia Baumbach mit der Kopie einer steinzeitlichen Höhlenmalerei.
Julia Baumbach mit der Kopie einer steinzeitlichen Höhlenmalerei. FOTO: Reinhard Hoffmann/rhf1
Kamenz. Museum der Westlausitz zeigt bis zum 25. Februar in der Sonderausstellung "Höhlen, Mythen, Löwenmensch - Die Kunst der Steinzeit" Nachgestaltungen 35 000 Jahre alter Bilder. Reinhard Hoffmann / rhf1

Es gibt nur einige wenige Kunstwerke von Steinzeitmenschen, die in der Lausitz gefunden wurden. Bekannt sind 16 000 Jahre alte Ritzzeichnungen von Burk bei Bautzen und ebensolche vor 12 000 Jahre geschaffenen Pferdedarstellungen von Reichwalde. Nun kommen Bilder wie die aus den Höhlen von Lascaux in die Oberlausitz. Das Museum der Westlausitz zeigt von heute an bis zum 25. Februar die Sonderausstellung "Höhlen, Mythen, Löwenmensch-Die Kunst der Steinzeit". Dort sind Nachgestaltungen aus der Welt von vor zu 35 000 Jahren zu sehen.

Museumschefin Friederike Koch-Heinrichs hat mit ihren Mitarbeiterinnen eine Ausstellung nach Kamenz geholt, die in Deutschland schon für viel Aufsehen gesorgt hat. Die Exposition ist für Kindergärten und Schulklassen geeignet. Sie spricht mit museumspädagogischen Angeboten, Aktionstagen und Vorträgen auch Familien und Kunsthistoriker an.

Kuratorin Ruth Hecker ist seit mehr als 20 Jahren in spanischen, französischen, österreichischen, tschechischen und selbst sibirischen Höhlensystemen unterwegs, um Hinterlassenschaften des Homo sapiens zu finden. Sie präsentiert den Besuchern die geheimnisvolle Welt von Tieren, Menschen und imaginären Wesen in detailgetreuen Nachbildungen.

Ruth Hecker zeigt auch Teile ihrer Sammlung alt- und jungsteinzeitlicher Frauenstatuetten aus 30 Jahrtausenden. Den Kamenzern ist es gelungen, Nachbildungen bekannter Lausitzer Figurinen aus anderen Museen zu besorgen und damit die Ausstellung um sächsische Funde zu bereichern. Sie haben auch die Venus von Bautzen wiederentdeckt. Ein Privatmann wollte in den 1930er-Jahren einem Museum eine Steinplatte mit einer weiblichen Darstellung als sensationellen 20 000 Jahre alten heimatlichen Bodenfund unterjubeln.

Bald wurde die Fälschung erkannt und aus allen Fundverzeichnissen gelöscht. Für diese Ausstellung wurde das verschollen geglaubte Stück aus einem Fundus erneut ausgegraben. Ruth Hecker selbst hat in einer Schauhöhle im Bayrischen Wald Höhlenbilder gestaltet. Etwas kleiner fällt nun ihre Höhlennachbildung in der Pulsnitzer Straße 16 in Kamenz aus. Dort werden Exponate vorgestellt, die auf Ritualhandlungen, Jagdzeremonien und Fruchtbarkeitskulte hindeuten.

Mit dem Ende der letzten Eiszeit verschwanden die Künstler und viele ihrer Werke wurden Jahrtausende von Mutter Erde bewahrt. Um die Werke zu schützen, sind manche Höhlen jetzt für Besucher nicht mehr zugänglich. Um so interessanter ist die Ausstellung in Kamenz.

Steinzeitexpertin Julia Baumbach, die seit Kurzem dem Museumsteam angehört, hat an der Erarbeitung von museumspädagogischen Angeboten mitgearbeitet, die schon von einigen Schulklassen vorgebucht sind. Zu den Kreativangeboten gehört auch die Möglichkeit, an der frisch geputzten Hauswand im Innenhof des Gartens selbst mit alten Techniken und Hilfsmitteln aktiv zu werden.