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| 02:39 Uhr

Steinböcke bleiben spurlos verschwunden

Schwere Anschuldigung: Frank Albrecht vermutet, dass die Steinböcke aus Hoyerswerda für eine Gatterjagd bestimmt sind. Er hat das Grundstück in Kronmühle, wo der Wildpark sein soll, fotografiert.
Schwere Anschuldigung: Frank Albrecht vermutet, dass die Steinböcke aus Hoyerswerda für eine Gatterjagd bestimmt sind. Er hat das Grundstück in Kronmühle, wo der Wildpark sein soll, fotografiert. FOTO: Albrecht
Hoyerswerda/Roth. Gegen den Käufer der drei Alpensteinböcke aus dem Zoo Hoyerswerda, deren Schicksal bis heute noch immer unklar ist, prüft jetzt der zuständige Landkreis Roth ín Bayern ein juristisches Vorgehen. In einem Verfahren soll ermittelt werden, inwiefern der Mann gegen Tierhaltungsauflagen oder gegen andere Gesetze wie das Jagdrecht verstoßen hat. Catrin Würz

Wo sich die drei Alpensteinböcke befinden, die der Zoo Hoyerswerda Ende September an einen vermeintlich seriösen Betreiber eines Wildgeheges namens "Wildpark Rothsee" abgegeben hat, ist auch dreieinhalb Monate nach dem Verkauf noch immer völlig unklar. Das bestätigt Felix Pál von der Zoo, Kultur und Bildung gGmbH in Hoyerswerda. Der Käufer der Tiere behauptet weiterhin, dass es den Tieren gut geht. Doch er bleibt den Beweis schuldig, dass es wirklich so ist. Der Zoo werde unnachgiebig weiter die Aufklärung der ominösen Umstände und Informationen zum Verbleib der Tiere einfordern, so ZooKultur-Sprecher Felix Pál.

Der Zoo Hoyerswerda hatte im guten Glauben, einen geeigneten Altersruhesitz für den 13-jährigen Alpensteinbock und zwei weitere Tiere aus der kleinen Herde gefunden zu haben, die drei Steinböcke an den Betreiber eines Wildgeheges aus Kronmühle in Mittelfranken verkauft. Doch schon kurz nach der Abwicklung hatte sich der aus Hoyerswerda stammende Tierrechtsaktivist und Zoogegner Frank Albrecht mit erschütternden Informationen zu Wort gemeldet. Weder gibt es in Kronmühle einen "Wildpark", in dem die Haltung von Stein böcken möglich ist, noch war dort irgendein Hinweis auf die Tiere zu finden. Ende November besuchte daraufhin auch Zoodirektor Eugène Bruins das Gehege in Kronmühle und versuchte, den Käufer zur Rede zu stellen. Was aber nicht gelang.

Und es kam noch schlimmer: Das zuständige Veterinäramt im Landkreis Roth bestätigte, dass der Tierhalter gar keine Genehmigung für das Halten von Steinböcken habe. Allerdings hatten auch die Mitarbeiter des Amtes vor Ort die Tiere nicht ausfindig machen können. Nun steht die Befürchtung im Raum, dass die Steinböcke aus Hoyerswerda für so genannte Trophäenjagden vorgesehen waren, für die manche Jäger sehr viel Geld bezahlen.

Puzzlespiel mit Rechtsverstößen

Die Landkreisverwaltung im bayerischen Roth will nun im Rahmen eines Verfahrens die genauen Umstände und mögliche Rechtsverstöße des Tierhalters aus Kronmühle prüfen. "Das ist jetzt allerdings ein bisschen wie das Suchen nach den richtigen Puzzleteilen - und zwar auf strenger juristischer Ebene", sagt der Rother Amtstierarzt Dr. Herbert Hurka. Das Amt muss die Nachweise führen, wo der Tierhalter gegen Verordnungen und Gesetze verstoßen hat. Von der Buchführung bis zum Verdacht der illegalen Tierhaltung müsse alles unter die Lupe genommen werden. "Das wird aber einige Zeit in Anspruch nehmen", kündigt der Amtstierarzt an.

Der Zoo Hoyerswerda hat indes auf seine Art gehandelt: "Wir haben mehr als 200 deutsche Zoos und Tiergärten über diesen Vorfall informiert", erklärt Felix Pál. Außerdem hat der Zoo seine Verträge um Konventionalstrafen ergänzt, welche künftig greifen sollen, wenn die vertraglich vereinbarten Haltungsbedingungen von den neuen Tierbesitzern nicht eingehalten werden. Zoo-Sprecher Pál: "Wir hoffen, so einen Fall nicht nur in Hoyerswerda, sondern künftig deutschlandweit ausschließen zu können."