"Jenseits des Guten und Schönen: unbequeme Denkmale?" Das Motto des Denkmaltags am 8. September 2013 findet Uwe Mühle von der Denkmalschutz-Kommission wie geschaffen für die Erich-Kanitz-Gedenktafel. "Mit Sicherheit", sagt er, "werden wir dieses Denkmal in unsere Führung mit aufnehmen." Hatte doch die Granittafel mit dem markigen Spruch "Dein Kampf ist uns Verpflichtung" vergangenes Jahr in Weißwasser für aufgeregte Diskussionen gesorgt.

Der lange Zeit kaum beachtete Gedenkstein geriet ins Rampenlicht, als er im Juli 2012 an der Ecke Waldhausstraße/Muskauer Straße unmittelbar neben der viel befahrenen Bundesstraße und der Sportanlage am Turnerheim einen neuen Platz fand.

Die Denkmal-Kommission hatte den freigewordenen Platz, an dem vorher ein Kassenhäuschen stand, im Sozialausschuss der Stadt vorgeschlagen. Schließlich hieß die Waldhausstraße früher Kanitz-Straße. Notwendig wurde der Denkmal-Umzug, weil eine Schule, wo die Tafel vorher aufgestellt worden war, abgerissen wurde.

Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) folgte damals der Empfehlung, ohne den neuen Standort für die Tafel auch im Stadtrat diskutieren zu lassen.

"Rückblickend betrachtet", so Mühle, "wäre das aber wohl besser gewesen." Denn Anwohner wollten das Denkmal vor ihrer Haustür nicht haben, Bürger der Stadt hielten den Ort für unglücklich gewählt und Stadtrat Bernhard Waldau (CDU) forderte gar, den Stein wieder zu versetzen. Kanitz habe einer heute verbotenen Partei angehört.

Auf dem Friedhof indes, wo ein Pfad des Gedenkens Denkmäler für die Opfer von Krieg und Gewalt verbindet, sei die Tafel gut aufgehoben, ist Mühle sicher. Schließlich wurde Erich Kanitz erschossen, als er 1932 in Weißwasser gegen den aufstrebenden Nationalsozialismus demonstrierte. Schütze war vermutlich ein Polizist, was jedoch nie zweifelsfrei belegt werden konnte. Die neue Empfehlung der Denkmal-Kommission, so Uwe Mühle, sei an den Sozialausschuss gegangen. Wahrscheinlich werde diesmal aber auch der Stadtrat den Standort diskutieren. Pötzsch hat gegenüber der RUNDSCHAU bereits angekündigt: "Dann soll das der Stadtrat beschließen."

Zum Thema:
Die Denkmalschutz-Kommission will 2013 den Eingangsbereich zum alten Friedhof in der Jahnstraße fertig saniert bekommen. Dabei soll auch ein Holztor eingesetzt werden. Ferner sollen die Messingtafeln mit den Namen der Gefallenen beider Weltkriege auf dem Friedhof gegen solche aus Stein ausgetauscht werden, um Diebstählen vorzubeugen. Dem müssen allerdings noch die Denkmalschutzbehörden zustimmen.