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| 18:16 Uhr

Feiern, Baden, Gas geben
Wer kann den steilen Gegner knacken?

Die Cheforganisatoren Tobias Kempe (l.) und Andreas Reiche am Startpunkt vor dem „Steilhang“. Der muss  für das Rennen am Wochenende noch präpariert werden: mit noch mehr Sand und ein wenig Wasser. Das große Schlammloch ist eines der größten Hindernisse.
Die Cheforganisatoren Tobias Kempe (l.) und Andreas Reiche am Startpunkt vor dem „Steilhang“. Der muss  für das Rennen am Wochenende noch präpariert werden: mit noch mehr Sand und ein wenig Wasser. Das große Schlammloch ist eines der größten Hindernisse. FOTO: LR / Anja Hummel
Geierswalde. Unter dem Motto „Steil ist Geil“ wollen am Wochenende wieder Hunderte Mopedfans die Sand- und Schlammpiste am Geierswalder See bezwingen. Zum Feiern und Zuschauen werden 7000 Menschen erwartet. Von Anja Hummel

Er ist der „Lokalmatador“, der eigentliche Geheimfavorit. Laut seinen Kumpels hat er die „coolste Maschine“, dafür aber kurz vor dem Start wohl auch den höchsten Puls. Seit fünf Jahren versucht Michael Husser nun schon den Hang am Geierswalder Ufer zu knacken. Jetzt – im sechsten Jahr – will er es endlich packen. „Das Schlammloch und das steile Ende“, antwortet der 39-Jährige auf die Frage nach den größten Hürden bis zum Ziel. Er sitzt auf seinem Moped, direkt am Startpunkt, eigentlich längst bereit Gas zu geben. Damit wartet er aber noch bis das größte Event des Jahres am Geierwalder See startet. „Steil ist Geil“ heißt es ab Samstag wieder, wenn Hunderte Moped-Fahrer weichem Sandboden und Riesen-Schlammpfütze zu trotzen versuchen und den 50 Meter hohen Hang am Koschendamm mit ihren Maschinen erklimmen wollen.

Von Anfang an dabei: Organisator Tobias Kempe. Der 33-Jährige erinnert sich: „Im ersten Jahr haben nicht mal 50 Fahrer mitgemacht, die Abendveranstaltung war so lala.“ Das war vor 13 Jahren. Mittlerweile stellen sich mehr als einhundert Simson-Fans dem „Teufelsberg“, im vergangenen Jahr kamen am gesamten Wochenende etwa 7000 Leute zum Zuschauen und Feiern. Denn neben dem Simson-Rennen am Steilhang wird abends getanzt und getrunken.

 Andreas Reiche, seit einiger Zeit Mitorganisator des Events, kümmert sich um Musik, Technik und Bar. „4500 Liter Bier gehen an so einem Wochenende schon weg“, erzählt der 31-jährige Veranstaltungstechniker. Am Samstag wird er als DJ selber auflegen.

Der „Lokalmatador“ Michael Husser (39) fährt seit 2013 mit und ist der Geheimfavorit der Veranstalter. Ganz nach oben hat er es bisher noch nicht geschafft, sein größter Erfolg: Platz zwei.
Der „Lokalmatador“ Michael Husser (39) fährt seit 2013 mit und ist der Geheimfavorit der Veranstalter. Ganz nach oben hat er es bisher noch nicht geschafft, sein größter Erfolg: Platz zwei. FOTO: LR / Anja Hummel

 Getanzt wird dann mit Sand zwischen den Zehen und Cocktail in der Hand. „Wir schaffen hier ein richtiges Strandfeeling“, sagt Reiche. Am Mittwoch hat das etwa 50-köpfige Team mit dem Aufbau begonnen. Party am See trifft auf Steilhangrennen  – sowas gibt es in der Region kein zweites Mal. „Mittlerweile kommen sogar Leute aus der Schweiz zu uns“, erzählt Tobias Kempe.

Auch Michael Husser war von Anfang an vom Rennen „infiziert“. Sein größter Erfolg: der zweite Platz mit einer Weite von 44 Metern. „Ich fahre Motocross, da kann ich üben“, sagt er. Auf dem Moped sitzt er seit seiner Jugend. Dass die Teilnahme nicht „larifari“ ist, sagt auch Tobias Kempe. „Fahrerisches Können ist schon erforderlich, vor allem ein guter Gleichgewichtssinn.“ Antreten dürfen nur Originale, keine Tuningklassen.  „Es soll nicht entscheidend sein, wer die meiste Kohle ins Moped reinpumpt, sondern wer am besten fahren kann“, betont Kempe.  Die drei Finalisten fahren mit demselben Moped – einer Simson S51. „Wegen der Gleichberechtigung“, wirft Andreas Reiche ein. Wie schwierig es tatsächlich ist, den Steilhang zu bezwingen, zeigen die Zahlen. „In unserer ganzen Karriere wurde der Berg erst dreimal geknackt“, so Kempe. Das sei aber schon lange her. Ist man mit der Maschine einmal durchs Schlammloch gekommen, scheitern die meisten am steilen Ende. Doch wer sich durchbeißt, wird belohnt. Nicht nur mit Ruhm und Ehre. Der Fahrer mit der besten Weite darf eine Simson S50 mit nach Hause nehmen.

Etwa 50 freiwillige Helfer sind beim Aufbau am Geierswalder See dabei. Am Mittwoch hat die Truppe angefangen.
Etwa 50 freiwillige Helfer sind beim Aufbau am Geierswalder See dabei. Am Mittwoch hat die Truppe angefangen. FOTO: LR / Anja Hummel

Den Hang haben die Jungs selber präpariert. Erst wird der Sand im Radlader angekarrt, dann geht es mit der Schippe ans Werk, zuguterletzt wird das Loch geflutet. „Das Moped muss komplett dicht sein. Ansonsten läuft die Kiste voll und bleibt stehen“, warnt Kempe.

Michael Husser kann das nicht passieren. „Ich hab alles selber zusammengebaut,“ erzählt er stolz. Noch ist der 39-Jährige entspannt. Kurz vor dem Start, das weiß er jetzt schon, wird ihm das Herz wieder bis zum Hals schlagen. Auch die vielen Zuschauer wirken nicht gerade beruhigend auf ihn. Aber sobald er losfährt, sagt Husser, ist alles wieder gut. Dann sieht er die ganzen Leute nicht mehr, ist im Tunnel. „Ich konzentriere mich voll auf den Gegner“, wie er den steilen Hang bezeichnet. Von ihm zu Fall gebracht werden, will er in diesem Jahr nicht schon wieder. Das kennt er bereits. Viel lieber will er endlich mal ein anderes Gefühl erleben: wie es sich anfühlt, ganz bis nach oben zu kommen.

Die Kulisse von "Steil ist geil" am Geierswalder See: Ganz rechts der Steilhang. Auf der Fläche davor werden Bühne, Tanzfläche und Barzelt aufgebaut.
Die Kulisse von "Steil ist geil" am Geierswalder See: Ganz rechts der Steilhang. Auf der Fläche davor werden Bühne, Tanzfläche und Barzelt aufgebaut. FOTO: LR / Anja Hummel