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Hoyerswerda
Staubwolke erzürnt Schwarzkollmer

Das ist keine Frühnebelwand, sondern eine Staubwolke, die auf Schwarzkollm zusteuert.
Das ist keine Frühnebelwand, sondern eine Staubwolke, die auf Schwarzkollm zusteuert. FOTO: privat/Pohling / LR
Schwarzkollm. Nach dem Ausfall von Pumpentechnik sind die Emissionen aus dem Steinbruch unerträglich für die Anwohner. Von Catrin Würz

„Wir haben ja schon einiges mitgemacht: Aber das war bisher die Krönung.“ Noch immer können Henry und Renate Pohling nicht fassen, was für eine dicke Staubwolke sich am Montagabend über ihr Grundstück in Schwarzkollm gewälzt hat. Wie eine Nebelbank rollte die Staubwand ab kurz vor sieben Uhr abends vom nahe gelegenen Steinbruch herüber. Mit dem Fotoapparat hat das Ehepaar alles festgehalten und sagt nun kopfschüttelnd: „Dieser Zustand ist untragbar. Dem muss Einhalt geboten werden.“

Seit im Winter und im Frühjahr der Wind häufiger aus dem Osten und Nordosten weht, bekommen die Einwohner aus Schwarzkollm häufiger mal eine Ladung Staub ab. Dass es am Montagabend besonders dramatisch war, räumt Paul Weiland, Chef der Natursteinwerke Weiland in Schwarzkollm, ehrlich ein. „Wir hatten Probleme mit unseren Wasserpumpen, die die Brecher und Bänder bedüsen“, erklärt der Firmenchef auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Der teils sehr starke Frost während der letzten Winterwochen habe dazu geführt, dass Pumpen zerfroren sind und nun plötzlich ausfallen. Das sei auch am Montagabend der Fall gewesen. „Eine absolute Ausnahme und wir haben ja dann auch sofort reagiert und den Abbau gedrosselt“, so Weiland.

Nachdem in den vergangenen Wintermonaten die Produktion im Steinwerk heruntergefahren war, brummt mit dem Frühjahr und dem Start der Bausaison jetzt die Nachfrage nach Baumaterial. Im Schwarzkollmer Natursteinwerk wird deshalb wieder hochgefahren, weshalb sich technische Probleme gerade jetzt bündeln können, heißt es aus dem Unternehmen.

„Aber das dürfen nicht die Einwohner von Schwarzkollm ausbaden“, sagt Ortsvorsteher Peter Michala. Die Staubwolke von Montagabend und andere Ärgernisse im Zusammenhang mit dem Steinbruch kamen deshalb in dieser Woche auch beim Unternehmerstammtisch des Ortes auf den Tisch. Ortsvorsteher Michala hofft, dass zukünftig ein kurzer Draht zwischen dem Dorf und der Betriebsleitung des Steinbruches aufgebaut werden kann. Denn Kritikpunkte gibt es noch mehr: Weil manche Lkw-Fahrer nach dem Beladen im Steinbruch nicht die Plane vorschriftsmäßig über ihre Fracht legen, wird der Staub auf die Schwarzkollmer Straßen befördert. „Hier trocknet das dann an und wird mit jedem großen Fahrzeug wieder aufgewirbelt“, schildert Peter Michala die Beobachtungen. Die Betriebsleitung des Steinbruches soll künftig auf die Lkw-Fahrer einwirken, die Ladung abzudecken. Außerdem wolle sich der Ortschaftsrat einmal anschauen, wie die Waschanlage für die Schwerlaster im Unternehmen funktioniert.

Nach der Havarie-Staubwolke vom Montag haben betroffene Anwohner sofort das Sächsische Oberbergamt in Freiberg eingeschaltet. Hier bestätigt Abteilungsleiter Martin Herrmann, dass das Amt noch am Montagabend das Unternehmen aufgefordert habe, die betrieblichen Staubschutzmaßnahmen wiederherzustellen. Herrmann kündigt an: „In der Folge dieses Ereignisses wird das Oberbergamt insbesondere bei trockenen Wetterlagen vermehrt unangekündigte Vor-Ort-Kontrollen des Steinbruchs Schwarzkollm durchführen.“

Das Ehepaar Pohling, das am Dorfrand von Schwarzkollm lebt und immer zuerst von einer Staubemission betroffen ist, hofft nun, dass so eine Belastung nie wieder auftritt. „Es muss doch für Produktionsabläufe gesorgt werden, die so etwas ausschließen“, sagt Henry Pohling. Einfach nur auf drehenden Wind zu hoffen, wäre wohl etwas unfair. Denn bei Westwind wäre Bröthen betroffen.