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| 20:02 Uhr

Oberlausitzer Unternehmerpreis
Schuster, bleibe nicht bei deinen Leisten!

 Darum geht es: Diese Plastik eines eilenden Menschen erhalten die Gewinner des Oberlausitzer Unternehmerpreises. Im Hintergrund ist die Beigeordnete des Bautzener Landrates, Birgit Weber, zu sehen.
Darum geht es: Diese Plastik eines eilenden Menschen erhalten die Gewinner des Oberlausitzer Unternehmerpreises. Im Hintergrund ist die Beigeordnete des Bautzener Landrates, Birgit Weber, zu sehen. FOTO: Uwe Menschner
Kirschau. Der Oberlausitzer Unternehmerpreis wird in diesem Jahr zum 24. Mal verliehen. Für die Nominierung gibt es ganz spezielle Kriterien. Von Uwe Menschner

„In der Welt geschätzt – in der Oberlausitz zu Hause.“ Dies ist das Motto des 24. Oberlausitzer Unternehmerpreises, der am 7. November auf dem Wirtschaftstag Oberlausitz in Löbau verliehen wird. „Nachdem wir im vergangenen Jahr den Fokus auf die Fachkräftegewinnung gerichtet hatten, steht diesmal die Frage im Vordergrund: Wie gelingt es unseren einheimischen Firmen, über den Nahbereich hinaus auf sich aufmerksam zu machen?“, erklärt Christoph Pilz, stellvertretender Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien (MGO). Die Gesellschaft organisiert die Preisvergabe im Auftrag ihrer (neben den regionalen Sparkassen) Anteilseigner – der Landkreise Bautzen und Görlitz.

Einer, der so manches über das Thema „Aufmerksamkeit erwecken“ berichten kann, ist der Kubschützer Bäckermeister Stefan Richter. Ihn hatten die Stifter nicht zufällig zur Auslobungsveranstaltung für die diesjährige Preisverleihung eingeladen. Versteht es doch Richter besser als viele hoch dekorierte Marketingprofis, den Fokus auch überregionaler Medien auf sich selbst und die eigenen Aktivitäten zu lenken. Seine wohl spektakulärste Aktion war das öffentliche Bewerbungsschreiben an den Discounter-Riesen Lidl, als dieser in einer Werbeoffensive behauptet hatte, dass Brötchen aus dem Supermarkt besser seien als die vom Bäcker um die Ecke. „Die Kritik kommt zumeist aus den Reihen der eigenen Zunft, die der Meinung ist: Der Schuster sollte doch besser bei seinen Leisten oder der ­Bäcker in der Backstube bleiben. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass ein wichtiger Teil der Arbeit außer­halb der eigentlichen Arbeitsstätte verrichtet werden muss. Wenn man wahrgenommen werden will, muss man rausgehen. Und das gilt ganz besonders für die so genannten kleinen Unternehmer“, betont Stefan Richter.

Worte, die fast haargenau die Intention für das diesjährige Motto des Oberlausitzer Unternehmerpreises treffen. Heike Zettwitz, für Wirtschaftsförderung zuständige Dezernentin des Landratsamtes Görlitz, erklärt dazu: „Die Oberlausitz darf sich ihre Themen nicht von außerhalb aufdrängen lassen, sondern muss selbst ihr Image prägen.“ Die neuen Institute, die im Zuge des Strukturwandels in der Lausitz angesiedelt werden sollen, dürften keine Elfenbeintürme sein, sondern müssten sich mit den vorhandenen Akteuren vernetzen, geht sie konkret auf die aktuelle Entwicklung ein. Und plädiert dafür, auch der Kreativwirtschaft eine Chance zu geben, auch wenn diese „nie dieselbe Bedeutung erlangen wird wie etwa in Leipzig.“

Und damit spannt sich der Bogen zu der zweiten Sache rings um die Auslobung, die nicht zufällig gewählt wurde: dem Veranstaltungsort. In dem früheren Textilarbeiterdorf Kirschau ist nämlich mit der Galerie Flox ein Ort entstanden, wie es ihn im ländlichen Raum nur selten gibt – ein Refugium für Kunst, Kultur und Kreativität in all ihren Facetten. „Die Galerie bildet den Anker für Künstler, Vereine und andere kreativ tätige Akteure“, so Galerist Hellfried Christoph. So findet auch die regionale Kreativszene Aufmerksamkeit – beispielsweise in Indien, wo das hiesige Ensemble TanzArt hohes Ansehen genießt. „Wirtschaft und Kultur gehören zusammen“, sind sich auch Christoph Pilz, Heike Zettwitz und ihre Bautzener Kollegin Birgit Weber einig. Ein Aspekt, der durchaus auch bei der Nominierung eine Rolle spielen soll.