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„Stall Emma“ in neuem Glanz

Klein Partwitz.. „1997 haben wir uns in das alte Gut in Klein Partwitz verguckt“ , sagt Norbert Vogt über sich und seine Frau Ute. „Und ab diesem Zeitpunkt hatte der Hof in Klein Partwitz zwei neue Liebhaber.“ So beschreibt der 43-jährige Familienvater das erste „Kennenlernen“ mit dem alten Gemäuer. Was damals noch verwuchert in der Lindenallee 13 schlummerte, lernten erst vor kurzem einige ältere Partwitzer neu kennen. Zum Tag des offenen Denkmals zeigte auch das Ganzhufengut, was sich hinter seinen Mauern versteckt. Von Stephan Witschas

„Wenn man das alles sieht, merkt man erstmal, wie viel Arbeit hier drin steckt“ , sagt Erna Koark zu ihren rüstigen Rentner-Freundinnen Helene Bether und Herta Gosdschau. Sie sind mit einigen anderen Frauen aus dem Partwitzer Seniorenklub auf das Ganzhufengut gekommen, „um sich nach langer Zeit wieder mal umzuschauen“ , so Erna Koark.
Sie könne sich erinnern, dass der Vierseitenhof „Stall Emma“ dem Großbauern Johann Wentzko gehört habe. „Der hat den Hof damals an die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft überschrieben und einen Tag später ist er gestorben“ , erzählt die Frau. „Mit Lautsprechern wurde damals die traurige Botschaft im Ort verkündet“ , erzählt Erna Koark. „Was Vogts hier aus dem verfallenen Hof gemacht haben, dafür zolle ich ihnen eine Menge Achtung“ , sagt die Partwitzerin.
Acht Jahre Arbeit stecken inzwischen im Umbau des Hofs, der aus einer alten Scheune, einem ehemaligen Schweine- und Kälberstall, dem Torhaus und dem Bauernhaus mit Kuhstall besteht. „Ein Jahr hat alleine das Entkernen des Hofs gedauert“ , zieht Norbert Vogt Bilanz. „Dann haben wir mit der Scheune angefangen, damit wir 1999 einziehen konnten.“
Letztmalig sei das Gut 1887 umgebaut worden. „Wann genau es entstanden ist, kann ich nicht sagen“ , erzählt der Besitzer und blättert in einer Fotomappe mit alten Guts-Ansichten. Auf den Bildern ist ein verwittertes Gebäude zu sehen. Das Dach ist grau, das Gras auf der Wiese wuchert meterhoch.
Heute ist der Hof mit Klinkern gepflastert. In der Mitte befindet sich eine kleine grüne ovale (Wiesen)-Oase. Die Scheune sieht aus wie neu. Grüne Fensterläden strahlen in frischen Farben, die Dachziegel sind mattschwarz. Der Weg dorthin war im wahrsten Sinne des Wortes steinig.
Über die finanzielle Seite wollen Vogts nicht reden, dafür gibt es andere Zahlen zu berichten: „55 000 Dachsteine haben wir in Familienarbeit und mit Verwandten zusammengesammelt und geputzt, 4,3 Tonnen Mörtel verbaut und noch einmal 14,7 Tonnen in den Fugen verschwinden lassen“ , erzählt Norbert Vogt. Schwiegervater Helmut Knips habe viel unterstützt und geholfen, wo er konnte, erzählt der Mann. „Meine Frau und ich wollten wegen der Seen her und deshalb fiel uns der Weg von Bergen nach Klein Partwitz nicht schwer. Es ist viel ruhiger.“
Nachdem Vogts dann 1999 in der alten Scheune ihre Wohnung bezogen hatten, konnte am Garten weiter gewerkelt werden. Dann kam die Heizung dran. Ein Kernstück des Guts, über das Handwerker Vogt gerne redet und bei dem seine Augen leuchten, wenn er davon erzählt. „Der ganze Hof wurde für die Erdwärme-Heizung 1,30 Meter tiefer gelegt und 330 Kubikmeter Erde ausgehoben.“ Das entspricht der Füllung von 3300 Badewannen. Eine 50 Meter tiefe Bohrung brachte dann die ersehnte Erdwärme, die den Hof vollständig versorgt. 65 Kilowatt hat das kleine Heizkraftwerk heute, dessen Leistung durch Regenwasser, das vom Dach aufgefangen wird, noch erhöht wird.
Inzwischen ist eine weitere Bauphase im Vierseitenhof eingeläutet: Dort entstehen gerade Wohnungen unterm Dachstuhl. Mit einer Dämmung auf den Sparren sorgt Norbert Vogt dafür, dass in den späteren Wohnungen sämtliches Holz zu sehen bleibt. „Jeder Quadratmeter soll wieder so ursprünglich wie früher genutzt werden können“ , sagt der Partwitzer. Seine Frau führt indessen die Seniorengruppe und andere Gäste über den Gutshof. „Vieles hat sich heute verändert“ , stellen Herta Gosdschau und Helene Bether später fest. „Aus dem alten Schweinestall ist eine Werkstatt geworden. Aber die Waschküche ist fast so eingerichtet wie früher - natürlich moderner, aber alles ist ähnlich angeordnet wie damals.“ Ute Vogt hat für alle Gäste Kuchen gebacken, Kaffee gekocht und Schnitten geschmiert. Auch Gerhard Schlegel (68) hat es an diesem Tag aus Hoyerswerda nach Klein Partwitz gezogen. Der Hoyerswerdaer findet es sehr schön, dass sich junge Leute so engagieren. „Geist und Willen sind hier da. Und das ist Zukunft für mich. Ich fahre hierher und sehe, es geht, es geht, es geht. Schön, dass es Leute wie die Vogts gibt, die solchen Mut bewiesen haben.“