Damit meint sie besonders die Einkommenssituation der Bauern. "Wir brauchen gute Leute, können sie aber nicht gut bezahlen", räumt sie ein und betont, dass beispielsweise ein Mähdrescherfahrer die Verantwortung für ein hoch technisiertes Fahrzeug hat, das einem Wert von etwa einer viertel Million Euro entspricht. Da könne man nicht einfach irgendjemanden einsetzen. Außerdem sei jeder Mitarbeiter unentbehrlich. "Auch aus dem Stall kann man nicht einfach jemanden wegnehmen", verweist Claudia Mönch auf die ausgereizten Einsparungspotenziale.

Fusion der Milchproduktion

Dennoch überlege man auch im Bergener Verwaltungsstützpunkt ständig, wie die Produktion kostendeckend organisiert werden kann. Seit zwei Jahren planen die vier Geschäftsführer gemeinsam die Zusammenlegung der Milchproduktion von Bergen und Bluno. Im kommenden Jahr wollte man am Standort Bergen mit dem Bau eines großen Stalls mit neuem Melkzentrum und Fahrsiloanlage beginnen, erläutert Claudia Mönch. Doch dazu werde es wohl vorerst nicht kommen. Die Frage nach den Gründen leitet den Blick nach Brüssel und führt zu einer grundlegenden Analyse der Bedingungen, unter denen Tier- und Pflanzenproduktion stattfinden.

Grundsätzlich sei es so, dass die deutschen Landwirte ohne Beihilfen und Fördermittel nicht existieren könnten, dass aber gerade diese Mittel auch zu relativ niedrigen Verbraucherpreisen führen. Das Geld bleibt also im Grunde nicht bei den Bauern hängen, sondern der einzelne Bürger partizipiert daran. Zusätzlich ändern sich im Sieben-Jahres-Zyklus die Förderrichtlinien der EU. Nach einer neuen Beschlussfassung brauche es geraume Zeit, bis die Richtlinien in handlungsleitende Regelungen umgesetzt sind. Erst dann könne man planen. Mit der fertigen Konzeption beginne ein bürokratischer Wettlauf gegen die Restlaufzeit der bekannten Grundsätze. Etwa anderthalb Jahre nach deren Gültigkeit müssen alle geförderten Maßnahmen fertiggestellt und abgerechnet sein.

Das sei zum Ende einer Periode kaum zu schaffen, so Claudia Mönch. Die gegenwärtige Förderperiode läuft 2013 aus. Aber der Fördertopf in Sachsen ist bereits jetzt leer. Auch deshalb, weil daraus im Jahr 2010 etwa 80 Millionen Euro zugunsten eines anderen Förderschwerpunktes, der Ländlichen Entwicklung, abgezogen wurden. Für den neuen Stall, für den ein Investitionsvolumen von etwa vier Millionen Euro erforderlich wäre (der Förderanteil beträgt circa 1,5 Millionen), laufe aber derzeit noch das Antragsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BIMSchG) beim Landratsamt. Erschwerend hinzu komme die fehlende Einigung zum neuen EU-Haushalt durch die europäischen Mitgliedstaaten im November. So seien grundlegende Entwicklungen für die kommende Förderperiode ab 2014 überhaupt nicht absehbar.

Erschwerte Bedingungen

Regional kämpfen die Landwirte mit den erschwerten Bedingungen "natürlicher Beeinträchtigungen". Dazu gehören die niedrige Fruchtbarkeit der wasserdurchlässigen Sandböden, der Grundwasserentzug durch die Tagebaue und die regelmäßige Trockenheit im Frühjahr. Die Beihilfen aus Brüssel und zusätzliche Einkommenssicherungen, beispielsweise durch die Teilnahme an Agrarumweltprogrammen, seien für die LPH existenziell, betont Claudia Mönch. Immerhin 45 Menschen verdienen in den Betrieben ihren Lebensunterhalt. Die größte Sorge der Geschäftsführerin ist neben der Agrarpolitik die ewige Abhängigkeit vom Wetter. Sie macht jedes Geschäftsjahr schwer plan- und kalkulierbar. So wünscht Claudia Mönch sich und ihren Mitarbeitern für 2013 vor allem eines: regelmäßigen und ausreichenden Regen.

An die nationale Agrarpolitik richtet sie warnende Worte: Kein Land sollte sich die Abhängigkeit leisten, seine Lebensmittel zu importieren. "Lebensmittel sind mehr wert. Und die Arbeit der Bauern auch", erklärt Claudia Mönch.

Zum Thema:
Seit 20 Jahren arbeiten die Bergener als Landwirtschaftliche Produktions- und Handels GmbH & Co. KG Bergen (LPH). Seit 1996 führt die Diplomagraringenieurin Claudia Mönch das Mutterunternehmen, das aus der LPG Tierproduktion Heideland Bluno und der LPG Pflanzenproduktion Hoyerswerda hervorgegangen ist. Seit den Umstrukturierungen nach dem Landwirtschaftsanpassungsgesetz vereint die LPH Bergen drei selbstständige Tochtergesellschaften unter ihrem Dach: die Bergener Landwirtschafts GmbH, die Agrarproduktion "Heideland" Bluno GmbH und die Spreewitzer Rinderzucht und Landwirtschaftspflege GmbH. mdr1