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Städtebahn
Städtebahn fordert besseren Baumschnitt

Die Züge der Städtebahn Sachsen – hier auf dem neu errichteten Bahnsteig in Großröhrsdorf – müssen einiges aushalten.
Die Züge der Städtebahn Sachsen – hier auf dem neu errichteten Bahnsteig in Großröhrsdorf – müssen einiges aushalten. FOTO: Uwe Menschner
Kamenz/Königsbrück. Der Betreiber der Strecken nach Kamenz und Königsbrück wirft der DB AG mangelhafte Vegetationspflege vor. Die widerspricht. Von Uwe Menschner

Es passiert immer wieder: Zuletzt machte am 14. Dezember ein Zug der Städtebahn Sachsen GmbH unliebsame Bekanntschaft mit einem umgestürzten Baum. Geistesgegenwärtig konnte der Fahrer vor dem Zusammenstoß noch auf 50 Kilometer pro Stunde abbremsen. Nicht auszudenken, wenn er mit der vollen Geschwindigkeit von 110 Stundenkilometern aufgeprallt wäre.

Dies geschah auf dem Streckenabschnitt zwischen Pulsnitz und Kamenz. Insgesamt kam es 2016 und 2017 zu zehn Zwischenfällen dieser Art.

Städtebahn-Geschäftsführer Torsten Sewerin wirft der Deutschen Bahn AG als Eigentümerin mangelnde Instandhaltung und Vegetationspflege an den betreffenden Strecken vor. Neben der Verbindung zwischen Dresden und Kamenz zählen dazu auch die Trassen aus der Landeshauptstadt nach Königsbrück und Altenberg sowie zwischen Pirna und Sebnitz.

Mehrmals habe sich die Städtebahn in den zurückliegenden Jahren über die aus ihrer Sicht bestehenden Missstände bei der Deutschen Bahn AG beschwert. Jedoch ohne Erfolg: „Es passiert rein gar nichts – ganz im Gegenteil: Die Strecken wachsen immer mehr zu, sodass auch der Lack an den Zügen im Außenbereich zerstört wird und das Erscheinungsbild des Unternehmens erheblich leidet“, findet Jörg Sewerin deutliche Worte. Allein durch die Beschädigungen an den Zügen sei seinem Unternehmen bereits ein Schaden in Höhe von etwa einer Million Euro entstanden. Dazu kämen noch die Kosten für Schienenersatzverkehr und der entstehende Imageschaden. Der Städtebahn-Geschäftsführer will diesen Zustand nicht länger hinnehmen und erwägt nun juristische Schritte gegen die Deutsche Bahn AG. Das Eisenbahnbundesamt sei bereits eingeschaltet worden.

Das Problem der Vegetationspflege entlang der Bahnstrecken ist bundesweit seit Jahren akut. So erklärte der baden-württembergische Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Bündnis 90/Die Grünen) im Oktober 2017: „Es darf nicht sein, dass nach Stürmen gleich über mehrere Tage ganze Bahnstrecken stillstehen. Deswegen braucht es bei der Bahn endlich eine konsequentere Baumpflege entlang der Gleise, die auch ihren Namen verdient. Die Bahn muss mehr Mittel einsetzen, damit Bäume kontinuierlich zurückgeschnitten werden.“

Der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) forderte in einem Brief an DB-Vorstandschef Frank Lutz: „Auch bei extremen Wetterlagen muss gewährleistet sein, dass der Personen- und Güterverkehr sich auf das Schienennetz jederzeit verlassen kann.“

Die Deutsche Bahn AG selbst hingegen sieht keine Versäumnisse. „Pro Jahr investiert die DB einen rund dreistelligen Millionenbetrag in die Vegetationspflege. Insgesamt sind über 1000 Mitarbeiter im Vegetationsmanagement im Einsatz“, so eine Sprecherin. Und der Konzernbeauftragte für Naturschutz, Umwelt und Artenvielfalt, Michael Below, erklärt: „In unserem Gesamtkonzept Vegetationsmanagement ist genau festgelegt, wie Bäume und Pflanzen zurückgeschnitten oder entfernt werden.“ So gelte der Bereich bis sechs Meter ab Gleismitte als „Rückschnittszone“, die einmal im Jahr bearbeitet werde. Daran schließe sich eine „Stabilisierungszone“ an, in der man die Standsicherheit der Bäume regelmäßig prüfe. Die Pflege erfolge grundsätzlich manuell, chemische Hilfsmittel würden lediglich im Gleisbereich eingesetzt.