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Stadtumbau-Debatte geht weiter

Im Wandel: Die Neustadt von Hoyerswerda – hier in Herbstfarben getaucht - wird sich in den kommenden zwei Jahrzehnten verändern.
Im Wandel: Die Neustadt von Hoyerswerda – hier in Herbstfarben getaucht - wird sich in den kommenden zwei Jahrzehnten verändern. FOTO: cw
Hoyerswerda. Die Debatte zum weiteren Stadtumbau in Hoyerswerda bleibt in Bewegung. Am Mittwoch hat der Stadtrat den Entwurf für ein städtebauliches Entwicklungskonzept (Seko) zwar mehrheitlich und formell bestätigt. Doch zu den konkreten Inhalten des Konzepts sollen nun trotzdem weiter die Bürger das Wort haben. Catrin Würz

"Ich glaube, hier besteht ein Missverständnis", sagt Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) gleich zu Beginn der Stadtratssitzung. Denn mehrere Bürger aus dem Wohnkomplex 3 und von der Bürgerinitiative "Am Knie" kritisieren sofort zu Sitzungsbeginn den vorliegenden Entwurf für das Entwicklungskonzept. Darin sei nicht ein einziger Vorschlag aus den seit einem Jahr stattfindenden Veranstaltungen der Bürgerbeteiligung wiederzufinden, monieren zum Beispiel Adolf Hesel und Siegfried Hörhold.

Oberbürgermeister Stefan Skora räumt das ein und stellt klar: Dieser Entwurf sei ja bislang erst ein Arbeitspapier mit einem Zwischenstand der aktuellen Situation. Das Konzept werde ab Mitte November öffentlich im Rathaus zur Einsichtnahme für die Bürger ausgelegt. Dann können die Bürger ihre gebündelten Hinweise, Anregungen und Vorschläge einbringen. "Was wir heute beschließen, steht am Anfang dieses Diskussionsprozesses. Wie das Konzept im nächsten Jahr aussieht, weiß heute niemand genau", so Skora.

Wozu braucht die Stadt solch ein städtebauliches Entwicklungskonzept?Bisher hat die Stadt Mittel aus dem Förderprogramm Stadtumbau Ost für den notwendigen Rückbau von Wohngebäuden in der Neustadt und die Aufwertung der städtischen Infrastruktur bekommen. Um weiterhein in dem bis 2020 laufenden Förderprogramm verbleiben zu können, muss die Kommune ihr 2013 erarbeitetes Städtebauliches Entwicklungskonzept fortschreiben. Dies tut nun der vorliegende Entwurf, der aktuelle Strukturdaten analysiert und einen Abgleich der gesetzten und erreichten Ziele und Maßnahmen vornimmt.

Was sind die Eckdaten des künftigen Handelns?Der 77 Seiten umfassende Konzeptentwurf analysiert Altersstrukturen, Wanderungsbewegungen beim Fort- und Zuzug, soziale Problemlagen durch Arbeitslosigkeit und Erwerbsunfähigkeit sowie den bisher verfolgten Rückbau "von außen nach innen" im bisherigen Fördergebiet Neustadt. Die Studie geht davon aus, dass im Jahr 2030 hier zirka 8000 Menschen weniger leben werden als heute und damit 6000 Wohnungen überflüssig sein werden. Auch wenn es der Stadt gelingen sollte, durch Imagewandel, erfolgreiche Wirtschaftsförderung und Etablierung als attraktiver Wohnstandort selbst Einfluss auf die Bevölkerungswanderung zu nehmen, so kann "die natürliche Bevölkerungsabnahme dadurch nicht ausgeglichen werden", stellen die Autoren der Studie von der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft Leipzig fest. Ab 2018 bestehe ein theoretischer Rückbaubedarf von 460 Wohnungen und es müsste angestrebt werden, 385 Wohnungen pro Jahr zurückzubauen. Favorisiert wird dabei ein Szenario, das bis zum Jahr 2030 ein Siedlungsband von der Altstadt über das Zentrum Neustadt und dem WK 8 bis zum Ortsteil Kühnicht entstehen lässt.

Bürgerbeteiligung auf zwei EbenenDer Konzeptentwurf liegt ab Mitte November im Rathaus zur Einsichtnahme für Bürger aus. Einwohner können dazu, aber auch zum parallel laufenden Diskussionsprozess über ein neues Stadtleitbild "Hoyerswerda 2025" ihre Hinweise und Anregungen einbringen. Alle Ideen seien willkommen und werden von den Rathausmitarbeitern dem jeweiligen Papier zugeordnet. Für den 22. November kündigte Oberbürgermeister Stefan Skora die nächste öffentliche Einwohnerversammlung zum Leitbild "Hoyerswerda 2025" an. Sie wird im Forumsaal der Lausitzhalle stattfinden.

Zum Thema:
Um zukünftig zu den Themenbereichen Stadtentwicklung, Leitbild, Stadtumbau und Marketing zielführender arbeiten zu können, hat der Hoyerswerdaer Stadtrat die Bildung eines dritten beratenden Ausschusses beschlossen: einen Ausschuss für Stadtentwicklung. In ihm sollen neben dem Oberbürgermeister zwölf Stadträte und acht sachkundige Einwohner mitarbeiten. Die Fraktionen können einzelne Stadträte und Bürger in diesen Ausschuss entsenden, der ab November seine Arbeit aufnimmt.