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Hoyerswerda
Bar-Kasse statt Geldautomat im Rathaus von Hoyerswerda

Die Bar-Kasse im Bürgeramt bleibt – zumindest vorerst. Übrigens: Mittwochs bleiben die Lamellen hinter der Kassenscheibe zugezogen.
Die Bar-Kasse im Bürgeramt bleibt – zumindest vorerst. Übrigens: Mittwochs bleiben die Lamellen hinter der Kassenscheibe zugezogen. FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda. Die Kassiererin soll bleiben: Ein automatischer Bezahlservice hat im Stadtrat für eine heftige Diskussion gesorgt. Von Anja Hummel

Ob Heiratsurkunde, Reisepass oder Führungszeugnis – alles hat seinen Preis. Bezahlt wird der in Hoyerswerda seit eh und je im Bürgeramt. An der Kasse. Bei einer Person aus Fleisch und Blut. Weil die derzeitige Mitarbeiterin demnächst jedoch in den Ruhestand geht, muss den Job künftig jemand anders übernehmen. Ginge es nach der Stadtverwaltung, wäre dieser Jemand ein Automat.

Gnadenlos abgeschmettert wurde der Vorschlag nun aber von den Stadträten. Direkt an der Stelle, wo derzeit Bar-Kasse und Kassiererin aufzufinden sind, direkt im Eingangsbereich des Bürgeramtes, war der Platz für die vollautomatisierte Geldmaschine eingeplant. Rein finanziell betrachtet, wie in der Beschlussvorlage dargelegt, wäre die „unpersönliche“ Variante nicht die sparsamere. Zeitlich gesehen schon – dank elektronischer Datenübermittlung. Stadtrat Michael Renner (Aktives Hoyerswerda) mahnt vor allem die womöglich komplizierte Handhabung des Automaten an. „Ältere Mitbürger haben Berührungsängste“, betont er. Dass trotzdem noch Mitarbeiter vor Ort seien, um zu helfen, entgegnet Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) auf die skeptische Nachfrage. Andere Gegenstimmen berufen sich auf die haushaltslose Zeit. „Wir geben Geld aus, das wir noch gar nicht haben“, äußert Michael Mandrossa (CDU). Schließlich lehnt die Mehrheit der Stadträte den Automaten-Einsatz ab. „Wenn die Kollegin nicht mehr da ist, dann müssen wir mal sehen, wie wir das machen“, resümiert OB Skora trocken.

Bedeutet jedoch: Alles bleibt beim Alten. Zumindest vorerst. „Eine interne Ausschreibung wird vorbereitet“, erklärt Stadtsprecher Bernd Wiemer. Noch einmal auf die Tische der Stadträte darf die Automatendiskussion frühestens in sechs Monaten. Bis dahin muss der Bar-Kassenplatz aber schon neu besetzt sein. Und zwar mit einer Kassenkraft. Ganz so neu ist die Thematik jedoch nicht: Denn direkt neben der Bar-Kasse des Bürgeramtes prangt ein wuchtiger Kassenautomat – zugehörig zur Kfz-Zulassungsstelle des Landkreises Bautzen. „Der steht schon seit mehr als zehn Jahren dort“, sagt Pressesprecher Gernot Schweitzer. Große negative Resonanzen seien nicht bekannt. In den Nachbarschaftskommunen stehen die Geldautomaten hingegen gar nicht zur Debatte. In Weißwasser gibt es eine Bar-Kasse, die einmal wöchentlich geöffnet hat. Diskussionen einer Umstellung auf Automatik gab es laut Verwaltung bisher nicht. Auch in Senftenberg funktioniert noch alles auf der „persönlichen Schiene“. Wie Stadtsprecher Andreas Groebe erklärt, „werden die Gebühren direkt beim Personal des jeweiligen Fachamtes bezahlt.“ Ein Automat spiele keine Rolle, „da die Zahlvorgänge überschaubar sind“. Überschaubar bleibt es vorerst also auch in Hoyerswerdas Bürgeramt. Zumindest was die Barzahlung von Urkunden und Co. anbelangt.