Die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda hat zurzeit eine Leerstandsquote von 14 Prozent. Zwei Hauptgründe gibt es dafür: Erstens werden Wohnungen in den oberen Etagen seltener angemietet, weil Familien mit Kindern und ältere Menschen davon Abstand nehmen, täglich drei bis fünf Etagen hoch und runter zu laufen. Zweitens: Ältere Mieter versterben oder ziehen in ein Pflegeheim. „Das betrifft etwa 200 Mietverträge jährlich“, sagt Geschäftsführer Steffen Markgraf.

Hoyerswerda: Mehr Fahrstühle für die Neustadt

Das erste Problem will der Großvermieter mit rund 7700 Wohnungen jetzt verstärkt in der Hoyerswerdaer Neustadt angehen. Einige Häuser mit vier oder fünf Etagen sollen nach und nach einen Aufzug bekommen. Die Wohnungsgesellschaft hat sich dabei ein Haus herausgepickt, um den nachträglichen Einbau von Fahrstühlen zu testen: den Wohnblock Käthe-Niederkirchner-Straße 21 bis 25. Alle drei Eingänge bekommen je einen Aufzug. Investsumme: rund 450 000 Euro. „Die Treppenaugen sind groß genug für einen Aufzug“, sagt Steffen Markgraf. Das System hat sich der WH-Chef bereits in Dresden angesehen. Große Umbauten im Haus seien nicht nötig.

Großvermieter mit Kurswechsel

„Wir streben einen Kurswechsel an“, sagt Markgraf. Bislang hatte es geheißen: Jeder Hoyerswerdsche solle seinen Balkon bekommen. Dafür hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv in die Wohnkomplexe I und III investiert. Jetzt heißt es: Aufzüge braucht die Stadt. Die Wohnungsgesellschaft will damit hoch hinaus. Denn: Selbst in unmittelbarer Nähe des Neustadt-Zentrums – also in vermeintlich bester Lage – gibt es einige Häuser, bei denen die oberen Etagen größtenteils verwaist sind. Sie sind für Mieter allein aufgrund des Treppensteigens unattraktiv.

Diesen Missstand will das Wohnungsunternehmen jetzt entgegentreten. In den kommenden Jahren sollen mehrere Häuser, zunächst im WK I, mit Aufzügen ausgestattet werden. Das ist für den Eigentümer nicht ganz billig. Bislang kostet ein Aufzug inklusive Einbau etwa 150 000 Euro – Tendenz steigend. Wenn sich dort Wohnungen in den oberen Etagen wieder vermieten lassen, will das städtische Unternehmen überlegen, den Aufzugs-Einbau auszuweiten.

Hoyerswerda

Generell ist die Wohnungsgesellschaft Markgraf zufolge gut aufgestellt. Im Jahr 2020 schraubt das Unternehmen seine Investitionen auf 11,9 Millionen Euro und damit um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hoch. „Das ist auch ein Stück Wirtschaftsförderung“, sagt Markgraf. In den meisten Fällen seien Nutznießer Firmen in der Region.

Allein für die großen Projekte gibt das Unternehmen in diesem Jahr 5,1 Millionen Euro aus. Das sind die Fertigstellung des ersten Stadthauses (Haus Scheibe-See) im neuen Wohngebiet im WK Ve, die Sanierung des Hauses Günter-Peters-Straße 2 bis 8 zum seniorengerechten Wohnblock mit Aufzügen sowie der Aufzug-Einbau in der Niederkirchner-Straße.

Ebenfalls enthalten ist der nächste Neubau der Wohnungsgesellschaft. Nachdem das Haus „Scheibe-See“ an der Hufeland- / Ecke Heim-Straße etwa zwei Monate früher als geplant fertig wird, steht das nächste Bauprojekt in den Startlöchern. Das zweite Stadthaus mit acht Wohnungen soll ab März gebaut werden und den Namen „Haus Knappensee“ tragen. „Die Baugenehmigung seitens der Stadtverwaltung ist eingegangen“, so Steffen Markgraf. Erneut soll die Wittichenauer Wobau für den Bau verantwortlich zeichnen. Das Haus wird – wie bereits das erste Gebäude – etwa eine Million Euro kosten.

Die acht Wohnungen im Haus „Scheibe-See“ sind inzwischen alle vergeben. Es hat etwa 60 Interessenten dafür gegeben. Das ist der ausschlaggebende Grund gewesen, jetzt nachzulegen, so Steffen Markgraf. Potenzielle neue Mieter sind vorhanden. In direkter Nachbarschaft entstehen die ersten Doppelhäuser der Hoyerswerdaer Süba um Geschäftsführer Maik Preusche – und damit ein ganz neues Stadtviertel im WK Ve.