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| 02:49 Uhr

Stadt kritisiert Bahn-Rückzug

Hoyerswerda. Seit Januar dieses Jahres steht in Hoyerswerda das Bahnhofsgebäude leer. Die Deutsche Bahn als Eigentümer sucht einen Käufer. Es gebe zwar Interessenten, mehr verrät die Bahn aber nicht. Die Stadt kritisiert den Rückzug. Jan Augustin

Rings um den Bahnhof Hoyerswerda ist es ruhig geworden. Ab und an schaut jemand durch die Glastür am Eingang des denkmalgeschützten Gebäudes und sucht vergebens nach Einlass. Auf den Schienen nimmt gerade ein Regionalzug Fahrt auf und vor dem Gebäude steht ein Taxi, das auf Kundschaft wartet. Seit diesem Januar sucht die Deutsche Bahn einen Käufer für das 1873 errichtete Bahnhofsgebäude. Kaufinteressenten, mit denen derzeit Gespräche geführt werden, gebe es zwar. Wer, wie viele und aus welcher Branche diese Bewerber kommen, verrät die Bahn aber nicht. "Über Details können wir leider keine Auskunft geben", heißt es nach RUNDSCHAU-Anfrage in einer E-Mail des Pressesprechers.

Dass die Bahn das Gebäude überhaupt geschlossen hat und verkaufen will, wird von der Stadt Hoyerswerda kritisiert. "Aus unserer Sicht ist die Bahn für die Betreibung des Empfangsgebäudes und den damit verbundenen Annehmlichkeiten für Reisende zuständig, und nicht irgendein Dritter", sagt Stadtsprecher Bernd Wiemer. Obwohl die Stadt gern ein Mitspracherecht bei der Vergabe haben würde, sind ihr die Hände gebunden. "Die Stadt hat dazu keinerlei Mitspracherecht, auch wenn wir gern Einfluss nehmen würden auf diesbezügliche Entscheidungen", so Wiemer. Informationen über mögliche Kaufinteressenten oder wann ein Verkauf erfolgen könnte, kann die Stadtverwaltung nicht sagen. Wiemer betont: "Es ist einzig und allein Sache der Bahn, ob und an wen sie das Empfangsgebäude veräußert."

Die Deutsche Bahn setzt mit dem Vorhaben in Hoyerswerda ihre bundesweite Strategie fort. Langfristig wolle sie sich von den derzeit 1400 Empfangsgebäuden mit Vermarktung auf rund 600 Standorte mit Empfangsgebäuden und Vermarktungseinrichtungen beschränken. Insgesamt gebe es in Deutschland 5400 aktive Bahnhöfe.

Aber warum trennt sich die Bahn von den Empfangsgebäuden? Und das in diesem Stil? "Das Durchschnittsalter von über 85 Jahren und viele Auflagen des Denkmalschutzes erfordern eine Sanierung, die mit erheblichen Kosten verbunden ist und für die Bahn oftmals wirtschaftlich nicht vertretbar ist", so ein Unternehmenssprecher. Das Empfangsgebäude in Hoyerswerda zähle zu dem Häuserportfolio, von dem sich der ehemalige Staatsbetrieb aus eben diesen Gründen trennen möchte.

Auch wenn Hoyerswerda scheinbar tatenlos zusehen wird, wie ein neuer Eigentümer in das Gebäude zieht - ganz ohne Einfluss der Stadt scheinen die Entscheidungen der Bahn doch nicht zu sein. "Nach intensiven Bemühungen seitens der Stadtspitze und hiesiger Wahlkreisabgeordneter hat das Unternehmen nunmehr zugesagt, die dringend notwendigen Arbeiten im Bereich der Steige und der Unterführung bis zum Juli abzuschließen", teilt Bernd Wiemer mit.

Der Bahnsprecher weist dagegen darauf hin, dass ein barrierefreier Zugang links und rechts des Empfangsgebäudes gegeben sei. Rollstuhlfahrer erreichen so die Steige der Station. "Dies ist über schienengleiche Überwege möglich, die vom Fahrdienstleiter gesichert und überwacht werden", so der Sprecher zur RUNDSCHAU weiter.