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| 02:43 Uhr

Stadt-Baugeschichte neu gebündelt

Peter Biernath zeigt in den Räumen des Kulturbundes ein Exemplar der inzwischen schon wieder vergriffenen "Erinnerungen”.
Peter Biernath zeigt in den Räumen des Kulturbundes ein Exemplar der inzwischen schon wieder vergriffenen "Erinnerungen”. FOTO: cw
Hoyerswerda. Mit dem Titel "Erinnerungen – Hoyerswerda im Aufbau" ist gerade eine neue Buchveröffent lichung erschienen – und auch schon wieder hoffnungslos vergriffen. Der Kulturbund als Herausgeber dieses Kompendiums über die einzigartige Baugeschichte der Stadt sucht jetzt nach Möglichkeiten für eine baldige Neuauflage der Broschüre. Catrin Würz

Die 164 Seiten umfassende Abhandlung mit vielen Illustrationen über den Aufbau der zweiten sozialistischen Wohnstadt ab 1955 und den späteren Rückbau in Hoyerwerda war als Beitrag zum Jubiläum "60 Jahre Neustadt" gedacht. "Wir sind mit der Fertigstellung des Buches aber dann doch ziemlich spät im Jahr gewesen", erklärt Autor Peter Biernath. Deshalb konnte mit Hilfe aus dem Rathaus zunächst nur eine kleine Auflage hergestellt werden, die innerhalb kurzer Zeit jedoch restlos vergriffen war.

Das neue Druckwerk geht in seiner Themenstellung um einiges über bisherige Veröffentlichungen des Kulturbundes wie "Architektour Hoyerswerda" (2005) oder "Baulehrpfad Hoyerswerda" (2014) hinaus. Unter Mitarbeit von Elvira Lätsch und Paula Strobel hat der heute 79-jährige Architekt und Denkmalpfleger Peter Biernath darin den ganz großen Bogen geschlagen - von der ersten Standortwahl für eine neue Wohnstadt in den 1950er-Jahren bis zur Gegenwart mit ihren Problemen zur Stadtgestaltung. Biernath war selbst ab 1958 als Mitarbeiter im Aufbaustab am Wachsen und Entstehen der Hoyerswerdaer Neustadt beteiligt, hat Dokumente, Projektierungspläne, Entwürfe und Fotos aufbewahrt und gesammelt. In seiner neuesten Abhandlung blickt er nach Jahren des Abstandes und gewachsener Erfahrungen und Erkenntnisse auch teils kritisch auf den Wohnungsrückbau in den 1990er-Jahren und danach. Es werden Ausschnitte der Planungen und die Ergebnisse bis heute gezeigt.

Die einzigartige Baukultur von Hoyerswerda sei ein Pfund, mit dem die Stadt Hoyerswerda noch viel mehr wuchern sollte, sagt Peter Biernath. Noch immer kommen Studenten internationaler Bauhochschulen zur Besichtigung hierher, wie kürzlich erst eine Gruppe aus der Schweiz. Biernath wünscht sich, dass die Einwohner mit mehr Stolz und Selbstbewusstsein auf die Geschichte ihrer Stadt blicken.

"Hoyerswerda ist ein lebendiges Baumuseum. Hier sind sämtliche Versuche des DDR-Bauwesens dreidimensional wiederzufinden", erklärt er. In der Stadt wurden moderne Konstruktionen und Technologien erprobt. Während die ersten Wohnhäuser 1955 am Bahnhofsvorplatz noch mit "ein Kalk, ein Stein" gemauert wurden, wurden später in Hoyerswerda alle Varianten der Großblockbauweise und danach der Plattenbauweise mit geschosshohen Elementen umgesetzt. Im neuen Buch "Erinnerungen" ist nachzulesen, wann im Betonwerk Zeißig die ersten Betonplatten für den industriellen Wohnungsbau produziert wurden. Auch der preisgekrönte Entwurf für die Neustadt mit zunächst sieben geplanten Wohnkomplexen, der schon 1963 wieder überholt war, ist umfangreich beleuchtet. Der Stadtumbau nach 1990 wird in detaillierten Plänen und Grafiken veranschaulicht. Hochinteressant ist dabei auch eine Auflistung aller Wohnkomplexe mit Entstehungsjahr und den realisierten Wohneinheiten. Andere Kapitel widmen sich der "Kunst am Bau" und den berühmten Bildhauersymposien.

Nachdem die ersten gedruckten Broschüren "Erinnerungen" in Windeseile vergriffen waren, geht der Kulturbund nun auf die Suche, um Unterstützer für eine zweite Auflage zu finden. Der Verein will bei Wohnungsunternehmen oder anderen Sponsoren anklopfen, um die Druckkosten vorfinanzieren zu können.