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Sprembergs Stadtpark gilt als Denkmal

Spremberg ist einer von sieben deutschen Standorten bei der neunten Auflage eines großen europäischen Ideenwettbewerbs für Städtebau und Architektur Europan. Die jungen Architekten sollen Ideen entwickeln, die die Innenstadt und den Georgenberg funktional und räumlich verbinden. Dafür haben sie sich auch mit der Stadtgeschichte und dem „Ensemble Stadtpark, Festwiese, Freilichtbühne, Schwanenteich, Schweizergarten, Pilz und Slamener Friedhof“ befasst. Die gartengeschichtliche Bedeutung und die Ideen aus Europan 9 für Spremberg sollen helfen, im Jahr 2012 die Landesgartenschau nach Spremberg zu holen. Von Annett Igel

Schon der „Verschönerungsverein der Stadt Spremberg“ hatte sich im 19. Jahrhundert vorgenommen, den Georgenberg als das Bindeglied zwischen der Stadt und dem Bahnhof zu gestalten, zu verschönern. Lange beschränkte sich das Gebiet der Stadt auf die Spreeinsel, Landwirtschaft wurde betrieben. Hinter immer wieder von Hochwasser überfluteten Wiesen erhob sich der Georgenberg, auf dem die mittelalterliche Kapelle St. Georg einschließlich eines kleinen Begräbnisplatzes stand. An den Hängen des Berges soll ab dem 17. Jahrhundert Wein angebaut worden sein.
Mit den Tuchfabriken und mit dem Bergbau begann der wirtschaftliche Aufschwung. Das Vereinswesen entwickelte sich. Der Verschönerungsverein errichtete Wege, ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen von 1870/71 wurde aufgestellt und ein altes Pulverhaus abgerissen. Dort wo das Pulverhaus sich befunden hatte, steht seit dem Jahr 1893 der Seemann-Pavillon, der an den ersten Vorsitzenden des Verschönerungsvereins erinnern soll.
Im Jahr 1903 wurde der Bismarck-Turm zwischen dem alten und dem neu angelegten Georgen-Friedhof eingeweiht. So genannte Brezelwege - in weiten, ineinander greifenden Bögen geführte Wege - machten die Grünflächen zur Parkanlage. Serpentinenwege führten den Berg hinauf. Immer wieder neue Wege wurden angelegt und bekamen Namen, die in Feldsteine gehauen wurden. Der Germaniastein, den der Männergesangsverein „Germania“ zu seinem 40. Geburtstag stiftete, kam hinzu. Der Tietzstein erinnert an den Apotheker Fernando Tietz, er war Mitbegründer des Verschönerungsvereins.
Noch vor der Bebauung der Wiesengasse existierten mehrere Ausflugslokale in der Aue der Spree. Die Restaurants „Kuhles Berg“ und „Kaisergarten“ zählten dazu, das „Bergschlösschen“ und der „Schweizergarten“ . In der Schlucht am „Schweizergarten“ wurde eine Berglandschaft mit steilen Pfaden und - heute fehlenden - Krüppelholzgeländer nachgestaltet. Der Biergarten bekam die Vogelschießstange, die Tuffsteingrotte und die Tanzfläche.
Mit dem Bau der heutigen Bahnhofstraße war ein massiver Einschnitt in den Georgenberg geplant. Ganze 371 800 Kubikmeter Erde sollen bei der Realisierung bewegt worden sein und wurden für die Aufschüttung des Dammes an der Schlosswiese und für Verfüllungen an den „Greulichen Gruben“ und an den „Ölsträuchern“ genutzt. Die Böschungen an der neuen Straße wurden in die Gestaltung des Georgenberges einbezogen. Der Aussichtspunkt mit dem Wetterpilz - inzwischen vollständig erneuert - entstand ebenfalls in dieser Zeit.
Südlich der neuen Straße wurden ein Rosengarten mit Pergola und gegenüber ein Rondell mit Hecken angelegt. Der Bau des Schwanenteiches begann im Jahr 1932. In den Grünanlagen rund um den Schwanenteich wurden vornehmlich botanische Besonderheiten angesiedelt, die heute dank der Beschriftungen noch entdeckt werden können.
Ebenfalls im Jahr 1932 wurde das Ehrenmal für Gefallene des Ersten Weltkrieges eingeweiht. Nach dem Jahr 1945 wurde das Ehrenmal zur Gedenkstätte für die Opfer des Faschismus, Bildhauer Heinz Mamat schuf das Denkmal. Und im Jahr 1957 begannen die Arbeiten für die Freilichtbühne, für die im Jahr 1988 sogar ein Dach geplant, aber nie verwirklicht wurde.
Westlich vom alten Friedhof wurden die Wege neu angelegt. An der Stelle des ehemaligen Denkmals der Gefallenen des Krieges 1870 / 71 entstand ein Aussichtspunkt. Zudem wurden der Brunnen im Stadtpark angelegt, der Seemann-Pavillon erneuert, Gräser und Großstauden angepflanzt. In Vorbereitung auf das 6. Pioniertreffen der DDR, das im Jahr 1970 in Spremberg stattfand, wurde der kleine Rosengarten an der Bahnhofstraße zur Ernst-Thälmann-Gedenkstätte umfunktioniert. Die Thälmann-Büste fehlt heute, eine Tafel erinnert aber noch an das Pioniertreffen.
Im Jahr 1974 wurde die Georgen-Kapelle abgerissen - Findlinge markieren heute ihren Standort. Übrig gebliebene Zeugen des alten Begräbnisplatzes an der Kirche sind das Rosengitter, das inzwischen saniert am Spremberger Schloss zu finden ist, und der Grabstein für Caspar Ernst von Loeben und Caspar Siegfried von Loeben. Sie gelten heute als Einzeldenkmale wie auch der Friedhof der Sowjetarmee mit seiner Skulptur von Jürgen von Woyski.
Dass all diese Spuren aus den verschiedenen Epochen sich mit mehr oder weniger Mühe heute noch finden lassen, freut die Denkmalschützer. Sie schreiben den Grünanlagen am Georgenberg gartengeschichtliche Bedeutung zu. Bleibt nun abzuwarten, wozu diese Spuren die jungen Architekten anregen.