ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 21:47 Uhr

Dorfjubiläum in Spreewitz
„Ein ganz normales Jubiläum“

 Spreewitz feiert 600-jähriges Bestehen im Juni.
Spreewitz feiert 600-jähriges Bestehen im Juni. FOTO: Rainer Könen
Spreetal/Spreewitz. In diesem Juni wird in Spreewitz kräftig gefeiert: der Ortsteil der Gemeinde Spreetal wird 600 Jahre alt. Von Rainer Könen

Wenn sich Napoleon im Jahre 1807 doch an diesem Flecken, wo Große und Kleine Spree zusammenfließen, auf der Kutschfahrt von Dresden nach Berlin, wenigstens kurz mal die Beine vertreten hätte, wow, da hätte sicher die Feder des damaligen Ortschronisten nur so geglüht. Oder wenn sich in den zurückliegenden 600 Jahren sonst irgendeine prominente Persönlichkeit zufällig an diesen kleinen Ort verirrt hätte, Aber nein, nichts. So bleibt, unberührt von den Zeitläufen, von großen historischen Ereignissen, das einzig Erwähnenswerte in Spreewitz der Bau der Kirche. Liegt aber auch schon eine Weile zurück, das war im Jahre 1688.
Gut, das ist aber schon mal was für einen so kleinen Ort, der in diesem Jahr mächtig was zu feiern hat. Begeht doch der Spreetaler Ortsteil mit einer Festwoche vom 10. bis 16. Juni 2019 sein 600-jähriges Bestehen. Da wird eine Menge los sein in der rund 230 Seelen zählenden Ansiedlung, deren Ortsvorsteher Werner Reeb sich bereits auf diese große Party freut. Auch örtliche Wehr und Posaunenchor haben Grund zu feiern. Die Freiwillige Feuerwehr wird 90 Jahre alt, der Posaunenchor ist ein wenig jünger, darf sich übers 60-jährige Bestehen freuen.

Aber im Vordergrund stehen natürlich die Vorbereitungen für das große Ortsjubiläum 600 Jahre Spreewitz. „Wir haben mit unseren Vorbereitungen vor anderthalb Jahren begonnen“, erzählt der 65-jährige Ortsvorsteher. Wir, damit meint er auch zahlreiche Einwohner, denn so eine Geburtstagsparty auf die Beine zu stellen, das schafft man nicht alleine. So mancher, mit dem der Ortsvorsteher über das bevorstehende Jubiläum plauderte, habe da falsche Vorstellungen gehabt, wie man ein solches angehen solle. „Zwei Wochen vorher einfach ein Festzelt aufstellen und darauf zu hoffen, dass alles gut wird“, nein, das reiche natürlich gar nicht. Ergo sind die Vorbereitungen, der Arbeitsaufwand, die gesamte Organisation in Spreewitz recht zeitintensiv.

Übrigens: 1419 fand der Ort erstmals Erwähnung, im sogenannten Bautzener Register. Über die Jahrhunderte blieb Spreewitz immer ein Flecken mit einer recht überschaubaren Anzahl von Bewohnern. Was natürlich im Umkehrschluss nicht heißt, dass dort nichts los ist. Erst recht nicht in diesem Jahr. Eine ganze Woche lang wird man sich den Erinnerungen an frühere Zeiten hingeben. „Wir werden einige Vortragsabende anbieten“, so Ortsvorsteher Reeb. Sozusagen, um Lust auf das Festwochenende zu machen. Im Rahmen dieser Themenabende wird es um das Verhältnis des Dorfes zum Bergbau gehen, wird der frühere Pfarrer Manfred Hornig über die hiesige Kirchengeschichte referieren. Natürlich steht auch das sorbische Brauchtum im Mittelpunkt. Festumzug, Festgottesdienst, Offene Höfe, logisch, dass da auch das obligatorische Samstagabend-Tanzvergnügen im Festzelt nicht fehlen darf. Ein Ort wird ja nicht alle Tage 600 Jahre alt.

Frage an den Ortsvorsteher: Hofft man insgeheim darauf, dieses Jubiläum touristisch vermarkten zu können? Oder anders ausgedrückt: Sollen etliche Urlauber nach Spreewitz gelockt werden? Nun, Ortsvorsteher Reeb ist Realist. Möglich sei das schon. Vielleicht schaue der ein oder andere Radwanderer mehr vorbei, schließlich treffen in Spreewitz Spree- und Froschradwanderweg aufeinander.
Aber ansonsten sei es eigentlich ein „ganz normales Dorfjubiläum“.  Eines, bei dem vielleicht dann doch jemand mit Promi-Status vorbeischaut. Zufällig. Dem hiesigen Ortschronisten dürfte das dann bestimmt gefallen.