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| 02:39 Uhr

Spreetal setzt auf Gastfreundschaft

Sollte sich im März für die Gemeinde Spreetal kein geeigneter Kandidat finden, möchte sich der parteilose Manfred Heine nach 21 Dienstjahren als hauptamtlicher Bürgermeister auch für das Ehrenamt des ehrenamtlichen Verwaltungschefs nicht zu schade sein.
Sollte sich im März für die Gemeinde Spreetal kein geeigneter Kandidat finden, möchte sich der parteilose Manfred Heine nach 21 Dienstjahren als hauptamtlicher Bürgermeister auch für das Ehrenamt des ehrenamtlichen Verwaltungschefs nicht zu schade sein. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Spreetal. Was waren die Tops und was waren die Flops von 2016? Was kommt in diesem Jahr auf die Städte und Gemeinden zu? Die Bürgermeister aus der Region blicken in der RUNDSCHAU zurück und voraus. Heute: Bürgermeister Manfred Heine aus Spreetal. Mandy Fürst / mft1

"Standortvorteile?", wiederholt Manfred Heine nachdenklich. "Die muss man sich erarbeiten", stellt er fest. Heine weiß, wovon er spricht, ist er doch seit 21 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Spreetal. Voraussetzung für den Erfolg einer Kommune sei die Kooperation fleißiger Gemeinderäte und einer funktionierenden Verwaltung. Dabei müssten den Mitarbeitern in der Verwaltung bestenfalls die Freude und der Spaß an ihrer Arbeit anzumerken sein.

In den Geschäftsräumen der Gemeindeverwaltung Spreetal sei jeder Besucher ein gern gesehener und mit seinem Anliegen angenommener Gast, sagt der Verwaltungschef. Diese Freundlichkeit sollte, ginge es nach ihm, vom Inneren des unscheinbaren Hauses am Rande von Burgneudorf, das für den weniger ortskundigen Besucher fast im Schatten der benachbarten farbenfrohen Schule verschwindet, in jeden der sieben Ortsteile ausstrahlen. Denn in der Gastfreundschaft liegt die wirtschaftliche Zukunft der Gemeinde, ist Manfred Heine überzeugt.

2016 Erreichtes

Die Stufen des kleinen Verwaltungsgebäudes knarren wohl nicht von ungefähr. Spreetal hätte, wie andere Kommunen auch, mit einem engen Haushalt zu wirtschaften, sagt der Bürgermeister. Dennoch sei 2016 vieles geworden. Die wichtige Erschließung des Spreetaler Sees über zwei Abfahrten von der Bundesstraße 97, einschließlich der dazugehörigen Parkplätze, ist auf den Weg gebracht. Sie ist zu einem Viertel von der Gemeinde Spreetal als Paragraf-4-Maßnahme für die Bergbausanierung finanziert worden.

Die Ortsdurchfahrt Burgneudorf hat in Zusammenarbeit mit dem Landkreis die fällige Erneuerung erfahren. Die Friedhofszuwegung ist mit finanzieller Hilfe des Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr saniert worden. Der Radwanderweg nach Neustadt wird mit selbiger Unterstützung hergerichtet.

Der Hochwasserschutz in Spreewitz ist installiert. Und der Industriepark Schwarze Pumpe entwickelt sich mit der fortlaufenden Aufwertung der Infrastruktur, beispielsweise durch die Südanbindung, sowie angeschobene und abgeschlossene Ansiedlungen wie die der Agat OIL GmbH aus Berlin weiter.

Noch nicht ErreichtesDer Masterplan für den Scheibesee sieht von Spreetaler Seite einen Ferienpark und exklusives Wohnen vor. "Mich ärgert allerdings, das Hoyerswerda diesbezüglich im Tiefschlaf ist", klagt Heine über die Partner am Westufer. Dass der See nicht Inhalt der Stadtentwicklungskonzepte und der Korridor von der Altstadt über Kühnicht zum Westufer nicht längst beplant sei, sei ihm unverständlich. Der Senftenberger See zeige das Potenzial, die Groß Särchener machbare Geschwindigkeiten einer Entwicklung. Aber nun komme ja einiges in Gang, so Heine.

2017 Veränderung an Verwaltungsspitze

Viele der zum Ende des Jahres 2015 angekündigten Vorhaben konnte die Gemeinde in die Tat umsetzen. Der größte Wunsch des Bürgermeisters aber hat sich nicht erfüllt. Aus den etwa 1950 Spreetalern vom Dezember 2015 sind keine 2000 Einwohner geworden. Der Gemeinderat hat zugunsten der Unabhängigkeit von Spreetal sein Veto gegen eine Fusion mit einer anderen Kommune eingelegt. Somit steht fest, dass die Gemeinde am 5. März 2017 keinen haupt-, sondern einen ehrenamtlichen Bürgermeister wählen wird. Das sei in Sachsen eine einmalige Konstellation, sagt Heine.

Was die Umstellung im Tagesgeschäft bedeutet, ob ein Gemeindeoberhaupt im Ehrenamt beziehungsweise die dann stärker in die Verantwortung gezogene Verwaltung den Aufgaben gerecht werden kann, werde sich zeigen. Entsprechende Umstrukturierungen im Verwaltungsteam seien erfolgt.

Sollte es im März keinen passenden Kandidaten geben, würde er sich auch für das Ehrenamt "Bürgermeister" aufstellen lassen, stellt Manfred Heine in Aussicht. Erst recht, wenn es um die Verhinderung eines Kandidaten ginge, der "zulasten der Gemeinde" gehen würde. Er würde sich allerdings in das Arbeitspensum zurückziehen, das die Abkehr vom Haupt- zum Ehrenamtler gebieten wird. Das hieße dann wohl, dienstags eine Sprechstunde abzuhalten und Jubilaren die Hände zu schütteln, sagt Heine überspitzt.

Was wird wichtig?

Diese Entwicklung war nach Meinung des Amtsinhabers so absehbar wie der wirtschaftliche Umbau der Region. Schon vor zehn Jahren habe er prognostiziert, dass der Wandel von der Bergbau- zur Tourismusregion eine Generation brauchen würde, sagt Manfred Heine. Leisten könnten diesen Umbau nur die Menschen selbst. Sie müssten den langen Schatten ihrer Bergbaugeschichte verlassen. Aus dem Bergmann, der nach der Arbeit nach Hause kommt und die Tür hinter sich schließt, müsse ein Touristiker werden, der Türen offen hält und Besuchern entgegen geht. "Wenn auf der Straße ein Fremder mit einer Landkarte steht, sollten wir ihn fragen, ob er Hilfe benötigt", zeichnet Heine das Bild einer offenen Urlaubsregion.

Die Infrastruktur der Lausitz nähert sich der neuen Aufgabe an. Nun müssten auch die Menschen umdenken, sagt Manfred Heine. Sie könnten den Mut aufbringen, freien Wohnraum neu zu nutzen. Oder gar die kleinen Läden, die es mal in den Ortsteilen gab, wieder zu beleben. Nicht nur die Nachbarn, die für jede Erledigung in die Stadt müssen, sondern auch die Wanderer per Fuß und Rad, die mehr und mehr in der Region unterwegs sind, würden es ihnen danken, ist Manfred Heine sicher. Standortvorteile müssten sich alle gemeinsam erarbeiten. Seien sie nun dem Bergbau oder seiner Folgelandschaft erwachsen.