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Sparzwang
Spreetal erhöht Elternbeiträge für Kindergärten

Burgneudorf. Für die kommenden drei Jahre müssen Eltern viel mehr bezahlen. Die Kita-Gebühren steigen um bis zu 60 Prozent. Von Anja Guhlan

Tiefer in die Tasche greifen müssen die Spreetaler Eltern für die Betreuung ihres Nachwuchses. Die Gemeinde wird zum 1. Januar kommenden Jahres die Beiträge erhöhen. Ein entsprechender Beschluss ist in der jüngsten Gemeinderatssitzung gefasst worden. Allerdings ist die Entscheidung mit vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen zustandegekommen. Der Gemeinderat hat insgesamt 15 Mitglieder. Denn die Erhöhung fällt nicht gerade moderat aus. Im Krippenbereich liegt sie bei plus 14 Prozent, im Kindergartenbereich bei sogar nahezu 60 Prozent. So richten sich die Beiträge von Familien je nach Betreuungszeit im Krippenbereich zwischen 115 Euro für bis zu 4,5 Stunden und 255 Euro für bis zu zehn Stunden, im Kindergartenbereich zwischen 73 Euro für bis zu 4,5 Stunden und 161 Euro für bis zu zehn Stunden sowie im Hortbereich zwischen 67 Euro für bis zu fünf Stunden und 80 Euro für bis zu sechs Stunden.

Die Räte gaben für die Erhöhung mehrheitlich nur ungern grünes Licht. Der Grund für die Anhebung der Elternbeiträge liegt in den Sparzwängen der Gemeinde. Um das große Haushaltsloch in Höhe von 2,5 Millionen Euro vom Freistaat Sachsen gestopft zu bekommen, ist ein strikter Sparkurs nötig. Dazu gehören nicht nur Einsparmaßnahmen, sondern auch Beitragserhöhungen wie die Elternbeiträge für Kindertageseinrichtungen.

Viele Gemeinderäte bedauerten den Zustand: „Wir haben ja quasi keinen Spielraum“, bemängelt der Gemeinderat André Lattke (Bürgervereinigung Spreetal). Ein Gemeinderat stellte sogar die Frage in den Raum, wenn sich alle Räte enthalten oder dagegen stimmen, was dann passiere. Letztendlich würde Dresden keine Anstrengungen oder Bemühungen in Spreetal hinsichtlich des Sparkurses sehen und das Millionen-Loch nicht ausgleichen, sprach die Verwaltung Klartext. Andererseits machen sich die Räte auch Sorgen um die Eltern und stellen sich Fragen: Können diese überhaupt die höheren Beiträge stemmen? Melden sie vielleicht ihre Kinder aus den Einrichtungen aufgrund der höheren Beiträge ab? Wird geschimpft? Betroffene Eltern sind jedoch in der gegebenen Bürgerstunde während der Gemeinderatssitzung nicht anwesend gewesen, um ihre Situation oder ihre Bedenken darzustellen. Gerade für Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) ein Zeichen, dass die Erhöhung der Elternbeiträge hingenommen werden.

Familienpolitik soll aber nicht gänzlich  auf die Bürger abgewälzt werden. So hat die Verwaltung entschieden, für die Kindertagesstätten die Essensversorgung sicher zu stellen. Auch ist ein besonderes Angebot an Familien oder Alleinerziehende, dass ab dem vierten Kind in einer Familie der Beitrag ganz entfällt. Bei zwei Kinder wird eine Ermäßigung von 40 Prozent, für das dritte Kind eine Ermäßigung von 80 Prozent gewährt.